Also, nochmal in aller Deutlichkeit: Die Objekte, die die GGG als hundertprozentige Tochter der Stadt für diese verwaltet, sind kommunales Eigentum und als solches im Sinne der EinwohnerInnen dieser Stadt zu nutzen.

In diesem konkreten Fall haben Leute ihre Ideen für die Nutzung der Objekte Reitbahnstraße Ecke Bernsbachplatz klar artikuliert und für die Verwaltung der Häuser mit dem ExKa e.V. eine arbeitsfähige Struktur geschaffen. Auch außerhalb dieser Struktur ist das Projekt auf Wohlwollen gestoßen und hat UnterstützerInnen gefunden.

Wenn sich, wie hier, der BürgerInnenwille bezüglich der Nutzung des kommunalen Eigentums deutlich ausdrückt, sollte es für die GGG kein Rätselraten über die zukünftige Verwendung der betreffenden Objekte geben. Die stellvertretende Planung seitens der städtischen Gebäudewirtschaft ist hier schlicht überflüssig.

Die Argumente, die jetzt von der GGG gegen das Experimentelle Karree an Ort und Stelle ins Feld geführt werden, halten wir zum Teil für konstruiert, zum Teil sind sie angesichts der Situation, in der sich Chemnitz befindet einfach borniert.

Es sei hier noch mal hervorgehoben, dass eine einvernehmliche Lösung mit den Privateigentümern der restlichen Objekte des Karrees für uns wünschenswert ist. Jedoch ist unser Projekt keineswegs auf eine solche Lösung angewiesen.

Umgekehrt ist es uns unverständlich, weshalb ein Kulturprojekt in der Nachbarschaft den Vermietungsabsichten dieser Privateigentümer widersprechen soll. Ganz im Gegenteil finden wir, dass so ein Standort besonders für junge Leute attraktiv ist.

Sollte das Experimentelle Karree tatsächlich den Verwertungsinteressen der Privateigentümer im Wege stehen, so das Argument der GGG, dann sei angemerkt, dass hier auf der einen Seite Unternehmen auf Gewinn durch Vermietung spekulieren, während auf der anderen Seite Menschen ganz konkret für ihre sozialen und kulturellen Lebensbedingungen in einer schrumpfenden Stadt streiten, die mehr und mehr an Lebensqualität verliert.

In den konkreten Angeboten für Ausweichobjekten, erblicken wir denn auch weniger ein Verständnis für dieses Unterfangen, als vielmehr den Versuch, nervig gewordene Akteure loszuwerden, ohne sich dabei den Skandal einzuhandeln, bürgerliches Engagement vor den Kopf zu stoßen oder Schuld an der Verstreichung von Fördermitteln der Projekte zu tragen.

Da die Gebäudewirtschaft der Stadt also offensichtlich nicht in der Lage oder Willens ist, die partizipativen Bestrebungen der BürgerInnen in ihre Planung einzubeziehen, ist es nun Aufgabe der Politik dieses Defizit zu beheben.

Der Stadtratsbeschluss, der die Umsetzung des Projektes Experimentelles Karree an Ort und Stelle anordnet, ist der erste wichtige Schritt dahin. Es wäre für die Stadt eine Farce, würde die Umsetzung dieses Beschlusses irgendwo im Verwaltungsaparat versanden.

Danach sieht es aber im Moment aus und dabei wird deutlich, dass die städtische Administration weder strukturell noch personell auf die Anforderungen eingestellt ist, die sich für eine Stadt ergeben, in der sich das kulturelle Leben aufgrund fehlender Infrastruktur nicht mehr von selbst regulieren kann, sondern auf das Mitspielen von Politik und Verwaltung angewiesen ist.

Den wenigsten Entscheidungsträgern scheint bewusst zu sein, wie groß die Resignation vor allem von jungen Menschen bezüglich einer lebenswerten Perspektive in dieser Stadt ist und wie groß der Frust bei denen ausfällt, die daran etwas ändern wollen aber an der Undurchdringbarkeit des Verwaltungsaparates scheitern.

Die hohe Abwanderung bleibt indes niemanden verborgen. Und auch dass das soziokulturelle Umfeld, und nicht nur die individuelle wirtschaftliche Lage, hierfür ein ausschlaggebender Faktor ist, wird jedeR unterschreiben. Ein Irrglaube ist es aber, dem vorherrschenden Mangel diesbezüglich mit staatlich geplanter Hochkultur oder sozialpädagogischer Intervention begegnen zu wollen, die mit den Interessen der Menschen nur als statistisch erhobene Daten rechnen.

Die Stadtpolitik sollte begreifen, dass die Interessen der BürgerInnen nicht nur im Abhaken von Wahlprogrammen deutlich werden, sondern Menschen gelegentlich Ideen umsetzen wollen, auf die sie selbst kommen und die sie selbst für wichtig erachten. Wer das ignoriert, behandelt Menschen als unmündige Verwaltungsmasse.

Aus all diesen Gründen bitten wir die GGG auch nicht, uns ihre Häuser zu überlassen, sondern fordern sie und die Stadtverwaltung auf, dem Stadtratsbeschluss Folge zu leisten und die notwendigen bürokratischen Maßnahmen in die Wege zu leiten, die die Nutzung der Häuser im Sinne des Experimentellen Karrees ermöglichen.

zurück




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: