Vorwort

Während beim Jugendaktionstag am 20. Juni 2007 in der Chemnitzer Innenstadt einige Jugendliche für Mitbestimmungsrechte, Freiräume und eine jugendgerechte Politik demonstrierten, besetzte eine Gruppe junger Leute, die seit einiger Zeit auf der Suche nach einem geeignetem Objekt zur Verwirklichung ihrer sozialen und kulturellen Vorstellungen waren, das unter Verwaltung des städtischen Wohnungsunternehmens stehende Haus in der Karl-Immermann-Straße 23.

Zu diesem Schritt entschlossen wir uns damals, nachdem Versuche, für unsere Anliegen bei Stadt und GGG Gehör zu finden, erfolglos blieben und die Erkenntnis reifte, dass Bestrebungen junger Menschen, in dieser Stadt ihre Lebensverhältnisse zu verbessern, von der hiesigen Administration mit Ausdauer ignoriert werden.

Wir hatten mit unserer Öffentlichkeitsarbeit von Anfang an nicht nur unser Projekt beworben und verteidigt, sondern auch immer die stadtplanerischen Zustände in Chemnitz kritisiert und auf verschiedene Weise versucht, Einfluss auf die Stadtpolitik zu nehmen.

Der Schritt des zivilen Ungehorsams und die Politisierung unserer Gründe und unseres Vorgehens, haben sich im Nachhinein als richtig erwiesen: Nicht nur deshalb, weil wir so unsere Standpunkte in den städtischen Diskurs tragen konnten. Wichtiger noch ist der Umstand, dass der öffentliche und politische Charakter des Projekts weitere Leute dazu inspirieren konnte, für die Umsetzung ihrer Ideen und Ansprüche zu streiten.

Aus dem Sammelsurium dieser Initiativen entstand vor einem Jahr das Vorhaben, gemeinsam die Häuser des Karrees Reitbahnstraße/Bernsbachplatz selbstverwaltet für soziokulturelle Zwecke zu nutzen. Ein Verein wurde gegründet und Konzepte erarbeitet.

Nach einiger Zeit scheinbar wohlwollender Verhandlungen, zeigte sich jedoch, dass die Stadtverwaltung und ihre Wohnungsgesellschaft ihre alte Rolle als Verhinderer jedes zivilgesellschaftlichen Engagements nach wie vor zu spielen wissen.

Dieses mal erhielten wir aber einen guten Einblick in die Geschäftsgebahren der GGG, wurden uns bewusst, welches Hindernis dieses Unternehmen für eine progressive Stadtentwicklung darstellt, und mussten lernen, wie der erklärte BürgerInnenwille von dieser Institution mit einem Handschlag übergangen werden kann. In Sachen Erkenntnisgewinn gilt für die Stadtverwaltung leider ganz ähnliches.

Die folgenden Beiträge geben einen Überblick der Verhandlungen um das Experimentelle Karree, analysieren und kritisieren die Argumente, die von GGG und Stadtverwaltung gegen das Projekt ins Feld geführt werden und beschäftigen sich mit der Rolle dieser Institutionen im Stadtentwicklungsprozess. Schließlich werben sie für Unterstützung und fordern die Umsetzung des Experimentellen Karrees.

Zum Schluss soll trotz aller Kritik nicht unerwähnt bleiben, dass wir von einigen AkteurInnen der Stadtpolitik auch Unterstützung bekommen haben, für die wir uns bedanken.

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