Ein Jahr sozio-kulturelles Projekt Reitbahnstrasse 84 – Pressemitteilung Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.

Seit einem Jahr betreibt der Verein Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V. (WkB e.V.) das Wohn- und Kulturprojekt in der Reitbahnstr. 84 (ReBa84). In dieser Zeit ist einiges passiert. Mehrere sozio-kulturelle Projekte, z.B. Umsonstladen und Volxküche, sind entstanden und für die Zukunft ist das Projekt des „Experimentellen Karrees“ geplant. Die Reitbahnstr. 84 hat sich als sozio-kultureller Treffpunkt etabliert.
Viele notwendige Bauarbeiten im Haus wurden erledigt. In Eigenleistung wurden beispielsweise Wasser und Stromleitungen erneuert und die Veranstaltungsfläche renoviert.

Interessanter aber ist die Installation eines Umsonstladens, der zum Hausfest am 20. Juni nach einer Umbaupause neu eröffnete. Die Idee dabei ist, dass Gebrauchsgegenstände zur kostenlosen Mitnahme bereitgestellt, d.h. tauschfrei mitgenommen bzw. abgegeben werden können. Ein derartiges Projekt gab es bis dahin weder in Chemnitz, noch in der näheren regionalen Umgebung. Geöffnet ist dieser immer Dienstags von 14 bis 19 Uhr und Donnerstags von 19 bis 22 Uhr. Der Umsonstladen soll ein sozialer Raum sein, in dem Menschen aus verschiedenen sozialen Milieus zusammenkommen und gemeinsam an einer sinnstiftenden Aufgabe wirken. Auf diese Weise ist ein Zentrum sozialen Austauschs entstanden, das in den Stadtteil hinein wirkt und zur Belebung beiträgt. In Gesprächen mit dem Stadtplanungsamt und dem Planungsbüro „Complizen“ wurde das Konzept eines Umsonstladens bereits berücksichtigt und fand in Verbindung mit dem entstehenden Stadtteilcafé breite Akzeptanz als sozio-kulturelles Zentrum. Die „Reba84“ ist im Stadtentwicklungsdiskurs angekommen. Davon zeugt zu dem das Interesse der Universität alternative Wohnformen von Studierenden im Rahmen eines Seminars zu erforschen.

Ein anderes sozio-kulturelles Projekt findet jeden Donnerstag statt. Eine öffentliche Volxküche, bei der jedeR kostenfrei bzw. gegen eine Spende speisen kann. Die dabei eingenommenen Spenden kommen Asylsuchenden zu Gute. MigrantInnen erhalten oft nur eine Chipkarte zum einkaufen mit welcher sie nur bestimmte Produkte in bestimmten Läden kaufen dürfen. Diese Chipkarten werden den MigrantInnen abgekauft und ihnen somit ein Stück Selbstbestimmung und Normalität zurückgegeben. Organisiert wird dies von ehrenamtlichen HelferInnen und Jugendlichen aus dem Reitbahnviertel.

Die „Reba84“ hat sich seit ihres Bestehens kontinuierlich als Treffpunkt für ganz unterschiedliche Akteure im Reitbahnviertel etabliert. Das Informations- und Diskussionsangebot, vermittelt durch regelmäßige Seminare und Vorträge zu vielfältigen sozialen Themen, wird sowohl von den BewohnerInnen des Reitbahnviertels als auch von überregionalen Besuchern, gut angenommen. Zudem treffen sich StudentInnen der TU- Chemnitz regelmäßig in den Räumen der Reitbahnstraße 84, um sich zivilgesellschaftlich zu engagieren, d.h. konkret über aktuelle Hochschulpolitik zu diskutieren mit dem Ziel diese direkt mitzugestalten. Eine Künstlergruppe im offenen Atelier und eine Esperanto-Gruppe gehören dabei ebenso zu den NutzerInnen der Reba84 als sozialer Knotenpunkt.

Zahlreiche kulturelle Abendveranstaltungen wurden im zurückliegenden Jahr ebenfalls ehrenamtlich organisiert. Genannt seien dabei nur schlaglichtartig ein Pantomime Theater, ein Vortrag über Lateinamerika von Dario Azzellini oder die Ausstellung und der Vortrag über das Kulturprojekt Bethanien in Berlin. In den großen Schaufensterfronten fanden darüber hinaus u.a. die Bilder und Installationen von Volha Martynenka über behinderte Kinder in Novinki und Bilder von Alexandr Rodin ihren Platz.

Für die Zukunft sind weitere positive Impulse zur Belebung des Reitbahnviertels geplant. Mit dem Projekt eines „Experimentellen Karrees“ um die Reitbahnstraße 84 wollen einige Mitglieder des WkB e.V. auch weiterhin positiv in den Stadtteil hinein wirken. In diesem Rahmen sind bereits mehrere integrative Teilprojekte in der konkreten Planung und verschiedene Vereine wurden auf ihre Mitwirkung hin angesprochen. So soll beispielsweise, nicht zuletzt der ökologischen Nachhaltigkeit wegen, ein Stadtteilgarten angelegt werden, der zudem die Funktionen eines sozialen Treffpunktes erfüllt und dabei auch Raum der Erprobung und aktiven Mitgestaltung durch kommunikative und kooperative Zusammenarbeit von BürgerInnen, Institutionen und Vereinen darstellt.

Ferner wird das Projekt Chemnitzer Sommerakademie 2009 sowie endlich die Schaffung eines Wächterhauses angestrebt. Für die Sommerakademie soll ein leer stehendes Gebäude an der Reitbahnstraße revitalisiert werden. Eine bunte Mischung aus Chemnitzer Kunst- und Kulturvereinen wird in diesem Rahmen niedrigschwellige Seminare und Workshops für vorrangig junge KünstlerInnen und Kunstinteressierte anbieten. Der WkB e.V. sieht vor, sich durch das Teilprojekt „artist in residence“ aktiv an der Sommerakademie zu beteiligen um damit eine Plattform für junge KünstlerInnen aus Chemnitz und Umgebung sowie aus dem europäischen Ausland zu schaffen. Den „artists“ sollen Möglichkeiten eröffnet werden, einerseits Kontakte zu anderen KünstlerInnen innerhalb der lokalen und regionalen Kunst- und Kulturszene zu knüpfen und andererseits sich selbst innerhalb eines offenen Projektes ohne Vorgaben oder Einschränkungen individuell künstlerisch auszuprobieren und zu entfalten.

Sämtliche Aktivitäten und Projekte des Vereins „Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.“ werden von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen getragen. Damit unterstützt das Projekt „Reitbahnstraße 84“ die Förderung von selbst organisiertem, zivilgesellschaftlichem Engagement im Reitbahnviertel, ist soziokultureller Treffpunkt und trägt unmittelbar zur Revitalisierung des Stadtteils bei.




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