GGG-Sprecher: Besetztes Haus muss geräumt werden
Wohnungsunternehmen begründet Schritt mit bevorstehender Reprivatisierung des Gebäudes und bietet Jugendlichen Ausweichquartier an
Thomas Reinhold

Die seit vergangenem Mittwoch von Jugendlichen besetzte ehemalige Gedenkstätte “Der Kämpfer” an der Karl-Immermann-Straße muss geräumt werden. Das sagte der Pressesprecher der Chemnitzer Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH (GGG), Stefan Reisz, gestern Abend der “Freien Presse”.
Nach einem Treffen mit den Besetzern am Nachmittag sagte Reisz: “Ich gehe davon aus, dass das Haus in der nächsten Woche geräumt wird.” Das denkmalgeschützte vormalige Redaktionsgebäude der kommunistischen Tageszeitung “Der Kämpfer” befinde sich in einem “rechtlichen Schwebezustand”, so Reisz. Es laufe derzeit ein Reprivatisierungsverfahren mit einem Interessenten für das Objekt. Somit dürften im Gebäude keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden.
Die Besetzer hatten am Montag in einer Pressekonferenz erklärt, das Haus zu einem Kulturzentrum samt Wohnmöglichkeiten restaurieren zu wollen.
Das Treffen mit der GGG sei indes “produktiv” gewesen, sagte ein Mitglied der Initiative “Eberhard Weber” der “Freien Presse”. Die Hausbesetzer wollten am späten Abend in einem Plenum über ihr weiteres Vorgehen beraten. Heute Vormittag ist ein Treffen beider Parteien an einem möglichen neuen Domizil an der Ecke Bernsdorfer/ Gustav-Freytag-Straße anberaumt. Das leer stehende Gebäude am Bernsbachplatz steht nur wenige hundert Meter von der Karl-Immermann-Straße entfernt. “Wir werden uns von dem Haus einen Eindruck verschaffen”, sagte einer der Besetzer. Auf jeden Fall solle auch in einem möglichen neuen Domizil die Maxime des “Wohnens und Wirkens” beibehalten werden, hieß es. Das Projekt habe einen “dezidierten politischen Anspruch”.
Indes gehe von den Besetzern “keine direkte Gefahr aus”, sagte der GGG-Sprecher. Auch die Polizei sieht derzeit “keinen Anlass zum Einschreiten”, da die Besetzung bislang im Einvernehmen mit der GGG erfolgt sei, hieß es gestern. Somit liege “keine illegale Aktion” vor, erklärte ein Polizeisprecher.
Rund 30 Jugendliche – Lehrlinge und Studenten im Alter von Anfang bis Mitte 20 – halten das Haus seit einer Woche besetzt. Sie hatten in einem Brief ihren Missmut über die “massenhafte Abwanderung junger Menschen” bekundet und seither versucht, mit der Besetzung “notwendige Diskussionen” anzuregen. Es sei dies ein Ausdruck “jahrelangen, teils fruchtlos gebliebenen Engagements derer, die Chemnitz die Treue halten wollen”.




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