Hausbesetzer wollen sesshaft werden
In okkupiertem Gebäude nahe dem Bernsbachplatz soll Kulturfabrik entstehen – Rechtlicher Rahmen ungeklärt – Heute Treffen mit der GGG
Von Thomas Reinhold

Die jugendlichen Hausbesetzer der ehemaligen Gedenkstätte “Der Kämpfer” in der Karl-Immermann-Straße 23/25 nahe dem Bernsbachplatz wollen das historische Gebäude unter der Maxime “Wohnen und Wirken” zu einer Kulturfabrik samt Wohnräumen restaurieren. Das sagten Mitglieder der Initiative “Eberhard Weber” gestern auf einer Pressekonferenz in dem besetzten Haus. Man wolle einen Rückzugsraum schaffen für Menschen, “die nicht so ticken wie die meisten da draußen”, hieß es.
Im Erdgeschoss des Gebäudes sollen nach Vorstellung der Besetzer künftig öffentliche Konzerte, Kunstausstellungen, Filmvorführungen, Vorträge und Diskussionsrunden stattfinden. Die Zimmer in der ersten Etage seien für Büroräume, Ateliers und eine Bibliothek vorgesehen. Im zweiten und dritten Stockwerk sollen Wohnräume entstehen. Dafür werde man das Gebäude “mit entsprechend ausgebildeten Leuten” in Stand setzen. Die Verwalterin des Objektes, die Chemnitzer Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH (GGG), prüft nach Aussage ihres Pressesprechers Stefan Reisz gerade die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine weitere Nutzung. Das Haus befinde sich in einem komplizierten Reprivatisierungsverfahren. “Solange die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind, dürfen im Haus keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden”, sagte Reisz der “Freien Presse”. Wenn es der rechtliche Rahmen erlaube, dürften sich die Besetzer bis zu einer Klärung am Ort aufhalten, so Reisz. Ein Treffen beider Parteien ist für heute Nachmittag anberaumt.
Das Ziel der Hausbesetzer ist ein Nutzungsvertrag für das Gebäude. Aus der Besetzung solle aber kein Mietvertrag entstehen, sagten sie. Sie seien indes bereit, Grund- und Nebenkosten zu tragen.
“Wir erbringen Miete in Form von Instandsetzungen, durch Eigenleistung, kulturelle Arbeit und Sachleistungen”, hieß es. “Wir hoffen, dass die kooperative Zusammenarbeit mit der GGG weiterhin so fruchtbar bleibt. Im Falle einer Räumung werden wir aber gewaltfreie Formen des zivilen Ungehorsams anwenden. Wir werden von innen die Türen verschließen und uns auf den Boden setzen.”
Sechs Tage nach der Okkupation haben die rund 30 Jugendlichen – die meisten sind Anfang, Mitte 20, Lehrlinge und Studenten – sich mit einem Notstromaggregat für Küche, Fernsehen und Radio eingerichtet. Es gibt im Erdgeschoss eine notdürftige Küche, eine Bar und Sitzgelegenheiten – Couch und Sessel vom Sperrmüll. Es gibt weder Strom noch fließendes Wasser. In den Räumen in den oberen Stockwerken liegen Matratzen und Schlafsäcke. Allerdings haben alle Besetzer zugleich einen geregelten Wohnsitz.
Unterdessen erfahren die jungen Leute aus ihrer Szene immer mehr Unterstützung: Die Betreiber des Alternativen Jugendzentrums an der Chemnitztalstraße (Stadtteil Furth) haben sich mit den Hausbesetzern solidarisiert – kein Wunder, schließlich ist das AJZ auch aus einer Hausbesetzung hervorgegangen.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: