Archiv für Februar 2011

Nun also doch…

Rechte Fans des CFC im Visier der Ermittler

Acht Beschuldigten droht Anklage nach Überfall auf Party im Reitbahnviertel

Chemnitz. Ein halbes Jahr nach dem Überfall von rund 50 Vermummten auf eine Fan-Party am Rande eines Stadtteilfestes im Reitbahnviertel gehen die Ermittler nun doch davon aus, dass die Ausschreitungen im Zusammenhang stehen mit dem Pokalspiel des Chemnitzer FC gegen den FC St. Pauli, das am selben Tage in Chemnitz stattfand. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Sie hat die Ermittlungsergebnisse der Polizei vor kurzem auf den Tisch bekommen. Demnach werden acht Chemnitzer im Alter von 19 bis 37Jahren des Landfriedensbruchs sowie ein Teil von ihnen der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt.

Opfer sehen sich bestätigt

Man gehe davon aus, dass es sich bei den Vorkommnissen am späten Abend des 14. August im Wesentlichen um Auseinandersetzungen zwischen Fans der beiden Vereine gehandelt hat, sagte Oberstaatsanwalt Michael Gräfenstein auf Anfrage der „Freien Presse“. Mehrere der beschuldigten Anhänger des CFC würden zudem mit der rechten Szene in Verbindung gebracht. Damit räumen die Ermittlungsbehörden erstmals ein, was Opfer des Angriffs von Beginn an vermutet hatten.

Bei dem Überfall waren ein 20- und ein 27-Jähriger derart verletzt worden, dass sie ambulant im Krankenhaus behandelt werden mussten. Nach Darstellung des Vereins zur Wiederbelebung kulturellen Brachlandes, der an diesem Tag im später aufgelösten Experimentellen Karree an der Reitbahnstraße eine Party mit Fans des FC St. Pauli, aber auch des Chemnitzer FC veranstaltet hatte, waren die Angreifer mit Steinen und Knüppeln gegen die Feiernden vorgegangen. Fensterscheiben und Mobiliar gingen zu Bruch, zudem wurden mehrere Fahrzeuge beschädigt. Obwohl die Polizei zunächst keine Hinweise auf einen rechtsgerichteten Hintergrund des Überfalls erkennen mochte, hatte frühzeitig das für politisch motivierte Kriminalität zuständige Dezernat Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Ausgang der Verfahren offen

Derzeit überprüft die Staatsanwaltschaft, ob die vorliegenden Ermittlungsergebnisse ausreichen, um gegen die Beschuldigten Anklage zu erheben oder sogenannte Strafbefehle zu erteilen. Falls nicht, sei auch eine Einstellung von Verfahren denkbar, sagte ein Sprecher. Die Entscheidungen darüber sollen im Laufe der kommenden Wochen fallen.

Von Michael Müller
Erschienen am 18.02.2011




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