Keine Experimente

GGG will partizipativen Prozess im Reitbahnviertel beenden

Die GGG hat am 04.01.10 den Mietvertrag der Nutzer in der Reitbahnstraße 84 gekündigt. Trotz entgegenlautenden Stadtratsbeschlusses sollen nun 50 aktive Nutzer und Projekte ausziehen. Scheinbar versuchtdie kommunale Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft (GGG) einen vom Stadtplanungsamt initiierten und finanzierten Prozess abzuwürgen. Damit drängt sich der Eindruck auf, dass die Vereine nach zwei Jahren ehrenamtlicher Stadtteilentwicklung vermeintlich ihren Anteil geleistet haben und vor die Tür gesetzt werden sollen.
Das Karree beherbergt derzeit das Wohn- und Kulturprojekt des WkB e.V. (Wiederbelebung kulturellen Brachlandes) sowie Projekte des EXKA e.V. (Experimentelles Karree). Neben größeren Projekten wie Sommerakademie, Experimentellem Bürgersteig und Stadtteilgarten finden beispielsweise auch Umsonstladen, Volksküche, Fahrradselbsthilfewerkstatt und Sonntagsbrunch ein unverdientes Ende.
Auch Projekte anderer Initiativen (Poetenpub, Netzwerk für Demokratie und Courage, Bildungskollektiv) müssen sich nun voraussichtlich neue Veranstaltungsorte suchen, wenn das Haus Ende Juni geschlossen werden soll. Mit der Schließung der ReBa 84 entfiele nicht zuletzt eine wichtige Verbindung zwischen Campus und Innenstadt.
Der WkB-Vorsitzende dazu: „Die Verantwortlichen in der Stadt sorgen ein ums andere mal mehr dafür, dass die Zustände hier für junge Menschen unerträglich werden. Es zeigt sich als notwendig, die weiteren Verhandlungen durch vielfältigen Protest zu begleiten.“


17 Antworten auf “Keine Experimente”


  1. 1 Loser 05. Januar 2010 um 17:16 Uhr

    Hofberichterstatter und Jammerpolitiker:

    Freie Presse
    Chemnitzer Zeitung
    Dienstag, den 05. Januar 2010
    Seite 1

    Alternatives Karree steht vor dem Aus
    GGG kündigt Mietvertrag
    Chemnitz. Das alternative Kulturzentrum an der Reitbahnstraße 84 steht womöglich vor dem Aus. Die städtische Wohnungsgesellschaft GGG hat dem Trägerverein des Experimentellen Karrees gestern die Kündigung für das vierstöckige Eckgebäude ausgesprochen. Hintergrund seien Pläne für die Entwicklung des Wohngebietes zwischen Reitbahnstraße, Gustav-Freytag-Straße und Annaberger Straße, sagte ein GGG-Sprecher. Noch in diesem Jahr solle mit der Sanierung der Häuser an der Reitbahnstraße 80 und 82 begonnen werden. Laut GGG sind dort Wohnungen vorgesehen, die WG-tauglich und damit für Studenten geeignet sind. (su)Seite: 9

    Seite 9

    Experimentelles Karree steht vor dem Aus
    Verein erhält von GGG die Kündigung und muss das Haus an der Reitbahnstraße bis zum Sommer räumen
    Von Swen Uhlig

    Das alternative Jugendzentrum an der Reitbahnstraße 84 steht womöglich vor dem Aus. Die städtische Wohnungsgesellschaft GGG hat dem Trägerverein des Experimentellen Karrees gestern die Kündigung für das vierstöckige Eckgebäude ausgesprochen. Laut Vertrag muss der Verein das Haus damit Ende Juni dieses Jahres räumen.
    Hintergrund der Kündigung seien Pläne für die Entwicklung des Wohngebietes zwischen Reitbahnstraße, Gustav-Freytag-Straße und Annaberger Straße, sagte ein GGG-Sprecher. Das kommunale Unternehmen plane, noch 2010 mit der Sanierung der Häuser an der Reitbahnstraße 80 und 82 zu beginnen. Laut GGG-Sprecher sollen dort Wohnungen entstehen, die WG-tauglich und damit für Studenten geeignet sind. Die Zukunft des Gebäudes an der Reitbahnstraße 84 – dem derzeitigen Sitz des Kulturzentrums – sei hingegen offen. Möglich seien eine Sanierung durch die GGG oder der Verkauf. Der Abriss stehe hingegen nicht zur Debatte.
    Vertreter des Betreibervereins WKB („Wiederbelebung kulturellen Brachlandes“) bestätigten gestern zwar den Eingang der Kündigung, wollten sich vorerst aber nicht dazu äußern. Der Verein hatte das Gebäude im Juli 2007 von der GGG angeboten bekommen, nachdem vier Wochen zuvor junge Leute das ehemalige Partei-Gebäude der KPD („Kämpfer“) an der Karl-Immermann-Straße 23 bis 25 besetzt hatten. Damit wollen sie darauf aufmerksam machen, dass es in Chemnitz zu wenige Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche gibt. Im Gebäude an der Reitbahnstraße entstanden später Künstler-Ateliers, ein Café und ein alternatives Kino.
    Bei der GGG erklärte man gestern, man habe dem Verein das Angebot gemacht, gemeinsam alternative Standorte zu suchen. Möglich sei auch ein Objekt an der Reichenhainer Straße. „Hierzu steht die Entscheidung des Vereins gegenwärtig noch aus“, so der GGG-Sprecher.
    Das sei allerdings „keine echte Alternative“, so Stadtrat Volkmar Zschocke (Bündnis 90/Die Grünen). Das Haus an der Reichenhainer Straße sei in einem desolaten Zustand, teilweise fehlten sogar die Zimmerdecken. Zschocke bedauerte die Kündigung der Reitbahnstraße84 durch die GGG. „Chemnitz kann es sich nicht leisten, junge Leute so vor den Kopf zu schlagen“, sagte er.
    Die Betreiber des Experimentellen Karrees an der Reitbahnstraße müssen raus: Hauseigentümer GGG hat den Vertrag gekündigt.

  2. 2 verwirrt 06. Januar 2010 um 13:30 Uhr

    „Das alternative Jugendzentrum an der Reitbahnstraße 84″

    ich dachte das alternative jugenzentrum wäre auf der chemnitztalstraße? :)>-

  3. 3 nestor 06. Januar 2010 um 18:28 Uhr

    skandal im sperrbezirk!

    die ggg baut wieder mal scheiße, und zwar richtig! ignoriert zivilgesellschaftliches engagement, ignoriert stadtratsbeschlüsse und ignoriert die landesverwaltung.
    was passiert jetzt mit den efre mitteln fürs exka, zu welchen schon zustimmung signalisiert wurde?

    zur klarstellung: mir sind die efre-mittel egal, mir ist nur reitbahn und exka wichtig. aber was ist mir der kack-stadt los, wenn noch nicht mal europäische fördermittel und ein positives votum der landesverwaltung dazu führen, dass ein tolles konzept umgesetzt wird.

    das ganze stadtteilentwicklungsgequatsche hat nur dazu geführt, dass die aktiven in irgendwelchen pseudodemokratischen beteiligungsformen bespaßt wurden, während ggg und kleinholz gmbh die ganze zeit ihre eigentumsinteressen durchgesetzt haben.
    und die wesseler und die lüth haben das einfach geschluckt!

    was kommt jetzt? demo? wäre gut, es haben bestimmt einige leute richtig scheiß-laune!

  4. 4 d.dreck 06. Januar 2010 um 18:59 Uhr

    viele gruesse und alles gute aus berlin! lasst euch nicht unterkriegen!

  5. 5 Doris Dump 06. Januar 2010 um 23:39 Uhr

    nestor schrieb:
    „was kommt jetzt? demo? wäre gut, es haben bestimmt einige leute richtig scheiß-laune!“

    Ich kann deinen Unmut gut verstehen, aber möchte mal Folgendes zu bedenken geben:

    Eine Demo ist eine punktuell (medien-) wirksame Angelegenheit. Wenn mensch auf Nachhaltigkeit baut, kann das aber nur ein Teil einer gut unterfütterten, längeren Kampagne sein. Und um eine solche Kampagne zu fahren, braucht es deutlich mehr als schlechte Laune. Da sind Kompetenzen und vor allem Energie und Ausdauer gefragt.
    Viele Aktive aus ReBa und ExKa sind aber nach dem zähen zweieinhalbjährigen Prozess nicht mehr in der Lage oder Willens, so viel Kraft aufzubringen.
    Das heißt, wenn es eine wirkungsmächtige Kampagne für diese Projekte am jetzigen Ort geben soll, müssen sich erstens mehr Leute „von außen“ (also NutzerInnen) reinhängen.
    Zweitens sollte diese Kampagne, sofern sie denn gewollt ist, auf einer breiten Basis stehen. Das heißt, es muss sich mit befreundeten und ebenfalls bedrohten Projekten (AJZ, Radio T…) solidarisiert und (besser) vernetzt werden um am großen Ganzen rütteln zu können.
    Außerdem braucht eine gute Kampagne konkret formulierte Ziele, gut aufbereitete Inhalte (Texte), eine regelmäßige Pressearbeit und einiges mehr. Das bedeutet also richtig viel Stress.
    Dennoch soll natürlich niemand in seiner Euphorie gebremst werden. Im Gegenteil: Wenn ihr eine Kampagne wollt, dann helft mit diese zu organisieren und durchzuziehen.
    Die Türen sind offen!

  6. 6 lustiger hund 07. Januar 2010 um 15:56 Uhr

    @Doris Dump

    Ich stimme dir zu, was die Einschätzung einer solchen Kampagne betrifft. Aber:

    „Die Türen sind offen!“

    So einfach geht das nicht! Ein erster Schritt muss definitiv von den Reba/Exka-Leuten gemacht werden.

  7. 7 freie presse 09. Januar 2010 um 13:46 Uhr

    Chemnitzer Zeitung

    „Steuergeld in den Sand gesetzt“

    Experimentelles Karree: Grüne werfen Baubürgermeisterin Verschwendung vor – Rathaus: Mittel richtig eingesetzt

    Von Swen Uhlig

    Nach der Vertragskündigung für das Experimentelle Karree an der Reitbahnstraße 84 gerät Baubürgermeisterin Petra Wesseler unter Druck. Die Ratsfraktion der Bündnisgrünen wirft ihr vor, Steuergeld verschwendet zu haben. Hintergrund ist die Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes für das Reitbahnviertel vor zwei Jahren.
    In dem 100 Seiten umfassenden Papier entwarfen drei Planungsbüros aus Berlin und Leipzig ihre Visionen von der Zukunft des zentrumsnahen Viertels. Das Konzept hatte der Stadtrat im November 2008 beschlossen. Kosten für die Erarbeitung: 113.000 Euro. Die Autoren der Studie bezeichnen das Experimentelle Karree als einen von drei bedeutenden Stadträumen in dem Quartier. Wörtlich heißt es: „Die konzeptionellen Überlegungen zur Einrichtung eines Stadtteiltreffs als Bestandteil des integrativen Generationenprojektes im so genannten Experimentellen Karree … sind von zentraler Bedeutung.“
    Mit der Vertragskündigung ist das nun hinfällig. Damit sei aber auch das Entwicklungskonzept selbst überflüssig – zumindest teilweise, wie die Bündnisgrünen erklären. „Mit der Aufkündigung des Experimentellen Karrees entfällt das Kernelement im Entwicklungskonzept Reitbahnviertel“, sagt die Fraktionsvorsitzende Petra Zais. Das Geld für die Erarbeitung des Papiers sei „somit in den Sand gesetzt“. Die politische Verantwortung für den finanziellen Schaden trage die Baubürgermeisterin. „Denn sie legte den Stadträten 2008 ein Konzept vor, das von der GGG nun offenbar in wesentlichen Teilen gar nicht mitgetragen wird“, so Zais. Dabei sei Wesseler damals selbst Aufsichtsratsvorsitzende der GGG gewesen.
    Das Baudezernat weist die Vorwürfe zurück. Das Entwicklungskonzept Reitbahnviertel beziehe sich auf den Bereich zwischen Tietz und Südbahnhof bzw. Zschopauer und Annaberger Straße. Die Grundidee des Experimentellen Karrees sei im Umfeld des Bernsbachplatzes zwar richtig positioniert. „Das muss aber nicht zwingend in den Räumen des Gebäudes Reitbahnstraße 84 sein“, heißt es in einer Antwort des Rathauses auf Anfragen der „Freien Presse“.
    Auch den Vorwurf der Steuergeld-Verschwendung will die Bauverwaltung nicht akzeptieren. Das Konzept sei Voraussetzung dafür gewesen, dass Investoren in das Reitbahnviertel gelockt wurden. „Alle aufgewendeten Mittel sind insofern richtig eingesetzt und dienen als Impuls auch der weiteren Gebietsentwicklung“, so die Stadtverwaltung.

  8. 8 ringen 09. Januar 2010 um 15:00 Uhr

    @freie presse artikel: ja, aus sicht der ggg u. verwaltung fand doch eine aufwertung statt, nämlich in der form, dass jetzt dort saniert (aufwertung) wird und die, die den prozeß (mehr o.weniger freiwillig) angeschoben haben jetzt vor die tür gesetzt werden. allenfalls ueber die unverfrorenheit mit der sich die verwaltung im artikel äußert lässt einen kotzen

  9. 9 Doris Dump 13. Januar 2010 um 12:15 Uhr

    „„Die Türen sind offen!“

    So einfach geht das nicht! Ein erster Schritt muss definitiv von den Reba/Exka-Leuten gemacht werden.“

    Dieser Schritt ist jetzt getan. Siehe regelmäßige Termine.

  10. 10 lusthund 13. Januar 2010 um 16:04 Uhr

    ggf. mal auf startseite damit

  11. 11 junges Reh 13. Januar 2010 um 19:20 Uhr
  12. 12 Simone 18. Januar 2010 um 14:42 Uhr

    schaut doch auch mal bei mir vorbei!

  13. 13 Rübezahl 18. Januar 2010 um 20:30 Uhr

    @ Doris Dump

    „….Das heißt, wenn es eine wirkungsmächtige Kampagne für diese Projekte am jetzigen Ort geben soll, müssen sich erstens mehr Leute „von außen“ (also NutzerInnen) reinhängen.
    Zweitens sollte diese Kampagne, sofern sie denn gewollt ist, auf einer breiten Basis stehen. Das heißt, es muss sich mit befreundeten und ebenfalls bedrohten Projekten (AJZ, Radio T…) solidarisiert und (besser) vernetzt werden um am großen Ganzen rütteln zu können.
    Außerdem braucht eine gute Kampagne konkret formulierte Ziele, gut aufbereitete Inhalte (Texte), eine regelmäßige Pressearbeit und einiges mehr….“

    Na siehste, geht doch! ;)

  14. 14 petra 18. Januar 2010 um 21:57 Uhr

    hallo simone!
    super, dass du dich hier meldest. hab dir noch gar nicht von den neuen fördermitteln erzählt:
    die leipziger zahlen uns jetzt 17,36 € für jeden jugendlichen den wir hier abwracken und nach leipzig entsenden.
    ist so ne art human-ressources-rückbauprämie. toll, was!
    tschüß,
    petra

  15. 15 Anonymous 15. Februar 2010 um 18:53 Uhr

    es lebe die geschlossene gesellschaft
    und der sklavenmarkt
    dr_d:)>-

  16. 16 egon krenz 30. April 2010 um 14:32 Uhr
  17. 17 speiky 27. August 2010 um 11:53 Uhr

    hab gehört am 31. august sind chaostage im viertel ausgerufen. Ist da was dran? soll 9 uhr losgehen!

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