Offener Brief an die Sächsische Landesmedienanstalt

Drohende Abschaltung von Radio T sowie der freien Radios in Dresden und Leipzig

Sehr geehrte Damen und Herren,

kürzlich haben wir erfahren, dass Apollo-Radio als Gemeinschaftsprojekt der fünf großen Privatradios in Sachsen die anteiligen Kosten für den Betrieb des freien BürgerInnenradios der Stadt Chemnitz ab 2010 nicht mehr übernehmen will. Momentan gibt es aber auch kein tragbares Alternativmodell zur Finanzierung von Radio T. Das stellt den Trägerverein vor ein erhebliches finanzielles Problem und gefährdet somit die Fortführung der Sendetätigkeit unter der bis 2015 gültigen Lizenz.

Ganz konkret bedeutet das: Wenn sich in diesem Fall nicht schnell Lösung findet, wird Radio T ab 01.01.2010 nicht mehr auf seiner UKW-Frequenz zu hören sein. Das wäre aus unserer Sicht ein schwerer Verlust.
Radio T behandelt als alternatives Infomedium in seinen Nachrichtensendungen und Reportagen (regionale) Themen, die in dem meisten anderen Medien oft zu kurz kommen oder gar ganz unter den Tisch fallen. Beispiele wären das Projekt Stadtumbaustelle, welches sich ausführlich mit Umbau- und Entwicklungsmöglichkeiten in einer schrumpfenden Stadt beschäftigt oder die Sendereihe Familienbande zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und junger Familie in Chemnitz“. Das Chemnitzer BürgerInnenradio ergänzt dabei nicht nur das mediale Angebot, sondern liefert auch kritische Sichtweisen auf die Dinge, die in anderen Medien kursieren. Eine solche Instanz ist für die Meinungsbildung in einer sich als freiheitlich gebärdenden Gesellschaft unverzichtbar.
Ebenso wichtig sind die zahlreichen Musik- und Kultursendungen auf Radio T. Sie bedienen eine Vielzahl von musikalischen Genres und beschäftigen sich mit verschiedenen Jugend- und Subkulturen sowie deren Hintergründen. Dies bringt eine enorme Vielfalt im Programm mit sich und ermöglicht den HörerInnen eine Horizonterweiterung, die man sich angesichts der bis auf wenige Ausnahmen abstoßenden Flachheit der übrigen sächsischen Radiolandschaft nur wünschen kann.
Das entscheidende Argument für einen ungehinderten Sendebetrieb von Radio T sowie den freien Radios in Dresden und Leipzig ist aber, dass freies Radio nicht nur eine Alternative zum Konsum des herkömmlichen Dudelfunks darstellt, sondern selbstständiges mediales Agieren auf freiwilliger Basis ermöglicht. Es ist damit ein Gegengewicht zur Spaltung in MedienmacherInnen und RezipientInnen.
Dieses ambitionierte Projekt einfach den Finanztod sterben zu lassen, hätte für einige Menschen in Chemnitz sicherlich weitreichendere Folgen als nur den Verlust eines Lokalradiosenders. Ein Wegfall von Radio T ist untrennbar mit dem Abbau partizipativer Strukturen verbunden. Genau solche Strukturen machen eine Stadt aber erst lebenswert für junge, aktive, kreative, alte und ’schwache‘ Menschen. Und genau solche Strukturen bedeuten greifbare Freiheit in einer Demokratie.

Deshalb fordern wir die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) dazu auf, aktiv an einer schnellen Lösung des Problems mitzuwirken, damit die drei freien Radios in Sachsen entsprechend ihrer Lizenz den Sendebetrieb ungehindert fortsetzen können. Das sollte eigentlich auch selbstverständlich sein, da die SLM die Förderung der Programmvielfalt und des nichtkommerziellen Lokalfunks als ein wichtiges Aufgabenfeld benennt.
Was die freien Radios in Chemnitz, Dresden und Leipzig jetzt brauchen, ist ein stabiles Finanzmodell zur Absicherung der Sende- und Sendeleitungskosten bis 2015 und darüber hinaus.

Kultur- und Wohnprojekt ReBa84

Alternatives Jugendzentrum e.V. Chemnitz

Verein Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.

Verein Experimentelles Karree e. V.


1 Antwort auf “Offener Brief an die Sächsische Landesmedienanstalt”


  1. 1 skull collector 05. November 2009 um 10:44 Uhr

    Erster T-Club am Sa., 07. November 2009, 17:00 Uhr im delicate !
    Infos: radiot.de

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