HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Eine Vortragsreihe zur Kritik von Staat und Nation.

Seminarreihe in der Reitbahnstraße 84

Es ist 2009 und Deutschland feiert sich wieder einmal selbst.
In unzähligen Jubiläumsveranstaltungen wird wahlweise die Gründung der BRD 1949, die Wiedervereinigung 1989 oder ganz allgemein die deutsche Nation bejubelt. Denn darin sind sich PolitikerInnen, Medien und Zivilgesellschaft weitgehend einig: auf 60 Jahre Demokratie und soziale Marktwirtschaft im Westen und friedlich aufbegehrende Ostdeutsche, welche 1989 für Freiheit und Nation auf die Straße gingen, könne man stolz sein. Getrübt wird die Feierlaune gegenwärtig höchstens durch die Hiobsbotschaften über die Wirtschaftskrise, aber auch dagegen sollen die Deutschen mit ihrem Einsatz für Arbeit den Standort retten. Anstatt diesen Aufruf zurückzuweisen, schwenken sie gerne Fähnchen und schreien nach Vater Staat. Wie kann in Anbetracht von sozialen Kürzungen und schlechten Fußballs der Ruf nach Deutschland so laut sein?
Für das gemeinsame Projekt Nation stehen Deutsche gegen innere und äußere Feinde zusammen. Gegen Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken; gegen Banker, die „uns“ diese Finanzkrise eingebrockt hätten; gegen andere Nationen, die „unseren“ Erfolg schmälern wollten. Und nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands 1945 mischt dieser Staat jetzt auch wieder militärisch auf der Weltbühne mit, indem z.B. die deutsche Marine vor dem Horn von Afrika „Piraten“ jagt. Auch deshalb will in diesem Jahr, in dem sich der Beginn des Zweiten Weltkrieges und des barbarischen Vernichtungsfeldzuges Nazideutschlands zum 70. Mal jährt, am sogenannten Ende der Geschichte niemand mehr etwas von deutschen Verbrechen hören. Der gelebte Schlussstrich ist aber unserer Auffassung nach kein Bruch mit Ideologien des Nationalsozialismus, sondern lediglich der Versuch, einem neuen alten Nationalbewusstsein Raum zu geben.
Wir können bei so viel Selbstverherrlichung und Nationalstolz nur den Kopf schütteln.
In dieser Vortragsreihe soll am Beispiel Deutschlands aufgezeigt werden, wie Nation & Staat mit anti-emanzipatorischen Ideologien, Geschichtsrevisionismus und notwendigerweise mit einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft zusammenhängen.

Die Veranstaltungsreihe wird organisiert vom AK „Reflektieren gegen Deutschland“ in Zusammenarbeit mit dem Bildungskollektiv Chemnitz und dem Haśek e.V.
Kontakt: AK „Reflektieren gegen Deutschland“ c/o Haśek e.V., Reitbahnstraße 84, 09111 Chemnitz, bildungskollektiv(at)gmx.de.

Dienstag | 2. Juni 2009 | 19 Uhr
Über die Kontinuität der Inhaltslosigkeit. Der moderne Nationsbegriff im Spiegel der Wissenschaft
Der Vortrag zeigt in einem Überblick die Kontroversen und Diskussionen der nationsgeschichtlichen Forschung auf. Auf dieser Basis wird deutlich, aus welchen Gründen der Begriff, der auf so vielen unterschiedlichen Wegen definiert, ideologisiert und instrumentalisiert wurde, dennoch inhaltsleer bleibt. Es wird aufzuzeigen sein, dass das Konzept „Nation“ allein schon wegen seiner Unschärfe abzulehnen ist.

Donnerstag | 11. Juni 2009 | 19 Uhr
Umweltschutz ist Heimatschutz – Hä, wie jetzt? Biologismus, Esoterik und Umweltschutz im Kaiserreich und der Weimarer Republik
Thema des Vortrages ist die Biologisierung der Weltgesellschaft ab Mitte des 19. Jahrhunderts und deren Einfluss auf den deutschen Nationalismus. Die wichtigsten Ideologinnen, Organisationen und Strömungen werden vorgestellt und kritisch beleuchtet.

Donnerstag | 18. Juni 2009 | 19 Uhr
Deutscher Nationalismus. Vernichtungsideologie auf der Basis kapitalistischer Vergesellschaftung
In diesem Vortrag von Martin Dornis (BgA Leipzig) wird es um den Zusammenhang von Nationalismus und Staat in der kapitalistischen Gesellschaft gehen. Dabei soll das spezifische Verhältnis von Staat, Kapital und Arbeit in Deutschland im Mittelpunkt stehen, um in Hinblick auf den Nationalsozialismus Erklärungsansätze für Antisemitismus und Volksgemeinschaftsideologie zu diskutieren.

Donnerstag | 25. Juni 2009 | 19 Uhr
Und über Nacht wurden sie DemokratInnen? Die „Bonner Republik“ und ihre Versuche, sich der Vergangenheit zu entledigen
Dieser Vortrag widmet sich der gesellschaftlichen Verfasstheit der Nachkriegs-BRD. Unter Bezugnahme auf die vorangehende Veranstaltung wird der Umgang der „neuen deutschen Demokratie“ mit dem Nationalsozialismus untersucht. Versuchte Brüche und realisierte Kontinuitäten sollen dabei ebenso diskutiert werden wie politische, juristische und kulturelle Erzeugnisse eines neuen alten Nationalismus.

Dienstag | 8. September 2009 | 19 Uhr
Realsozialismus (inter?)national. Zum Umgang mit Nation in der Deutschen Demokratischen Republik
Man möchte annehmen, die DDR als realsozialistischer Staat hatte ein eher distanziertes Verhältnis zur Ideologie des Nationalismus. Doch war die ?Internationale? ernstgenommene Doktrin oder eher politische Phrase? Eines lässt sich vorwegnehmen: so sehr die Geschichte der DDR von Brüchen und Wandlungen geprägt ist, so sehr ist es auch das Verhältnis der politischen Führung zum Nationsbegriff. Zu diskutieren bleibt, ob nicht zumindest die Bevölkerung mit all ihren Ideologien „ganz normal deutsch“ geblieben ist.

Dienstag | 22. September 2009 | 19 Uhr
„Wir sind ein Volk?“ Die Wende und der Aufbruch ins Nationale. Vortrag + Mobilisierung zur bundesweiten Demonstration
Im Oktober findet in Leipzig eine Demonstration gegen die etablierten Wende-Feierlichkeiten statt. Wir haben deshalb die Leipziger Initiative gegen jeden Extremismusbegriff eingeladen, um über die Hauptkritikpunkte am ’89-Gedenken zu sprechen. Die Initiative bezieht Position gegen totalitarismustheoretische Geschichtsdarstellungen einerseits und DDR-Verklärungen andererseits. Aber auch eine Kritik am „Sieg des Kapitalismus“ und an der postnazistischen BRD in den 1990er Jahren soll nicht zu kurz kommen.

Alle Vorträge finden voraussichtlich in der Reitbahnstraße 84 statt. Da die Zukunft dieses Wohn- und Kulturprojektes allerdings im Moment diskutiert wird, können kurzfristig Veränderungen eintreten. Bitte hier vor jeder Veranstaltung informieren, ob sich der Veranstaltungsort geändert hat.

Weitere Veranstaltungen folgen im Oktober / November 2009 u.a. zu den Themen:
o Zum Selbstverständnis der Zivilgesellschaft in Deutschland – eine kritische Betrachtung
o Nationalismus & Geschichtsrevisionismus in der deutschen „Mehrheitsgesellschaft“
o Extreme Zahlen – Kritische Betrachtung der offiziellen Statistik zu rechten Straftaten
Bitte auf zeitnahe Veranstaltungsankündigungen achten!


4 Antworten auf “HalluziNation Deutschland – Beiträge zur Therapie einer Zwangsvorstellung. Eine Vortragsreihe zur Kritik von Staat und Nation.”


  1. 1 antinational 26. Mai 2009 um 13:16 Uhr

    hm, warum nur gegen das nationskonstrukt deutschland?

  2. 2 naklar 26. Mai 2009 um 14:20 Uhr

    bevor das wieder losgeht:

    In dieser Vortragsreihe soll am Beispiel Deutschlands aufgezeigt werden, wie Nation & Staat mit anti-emanzipatorischen Ideologien, Geschichtsrevisionismus und notwendigerweise mit einer kapitalistisch verfassten Gesellschaft zusammenhängen.

  3. 3 nur so: 28. Mai 2009 um 19:30 Uhr

    die veranstaltungsreihe ist unter anderen produkt dieser diskussion:

    http://ki23.blogsport.de/2009/03/03/naziaufmarsch-5-maerz-2009/#comments

  4. 4 beobachter 03. Juni 2009 um 16:06 Uhr

    warum ist die stadt voller bullen. hat das vll etwas mit der stadtratssitzung zu tun?? nicht, dass da etwas am brodeln ist!?

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