Zum Stand der Dinge.

In letzter Zeit kamen immer mehr Gerüchte auf, dass es die ReBa84 nicht mehr lange geben würde und eine Kündigung seitens der GGG drohe.
Was ist also dran an diesem Hören-Sagen und was nicht?
Es ist so, dass alle Eigentümer des Karrees – GGG, Keilholz GmbH und noch ein paar Kleinere, das Karree homogen verwerten wollen und die ReBa84 in diesem Konzept einen Störfaktor bildet. Aus diesem Grund wurde vor einem Jahr das Projekt „Experimentelles Karree“ ins Leben gerufen, um Projekte zu sammeln, welche eine alternative Nutzung des Karrees zulassen würden.
Über den Fortschritt in dieser Richtung kann mensch sich beim „ExKa e.V.“ informieren.
Hier soll es jedoch vor allem um die ReBa84 gehen.

Mündlich ist der ReBa84 zugesichert worden bis Ende des Jahres definitiv am derzeitigen Standort verweilen zu können. Chemnitz-typische Alternativobjekte (viele) sind inzwischen in die Verhandlungen eingebracht worden. Durch die nun geklärten Besitzverhältnisse unter anderem auch der ‚Kämpfer‘ in der Karl-Immermann-Straße, der vor zwei Jahren den Ausgangspunkt der ReBa84 bildete. Der bauliche Zustand der verhandelbaren Objekte ist unterschiedlich, gut bis räudig. In der BewohnerInnen-Gruppe der ReBa84 gehen die Meinungen zum Teil extrem auseinander. Es gibt eine Kritik an der derzeitigen Organisation in der Veranstaltungsfläche und am allgemeinen Zustand im Wohnhaus. Es gibt Menschen, welche einem Ausweichobjekt positiv gegenüberstehen, eine Trennung/Unabhängigkeit von Kultur- und Wohnraum befürtworten; es gibt die Position, dass ein Ausweichobjekt nur die allerletzte Alternative sein kann und das ExKa Priorität hat; die Synergieeffekte des ExKa und der ReBa84 nur durch extreme räumliche Nähe zu ermöglichen sind sowie die Position, dass ein Ausweichobjekt überhaupt nicht in Frage kommt. Was, wo und wie passieren soll bzw. kann, ist derzeit nicht klar. Praktisch gibt es mittlerweile eine Gruppe, die ein unabhängiges Wohnprojekt realisieren will, ohne eine große öffentliche Kulturfläche. Priorität soll hier ganz klar der Wohnanspekt haben. Der öffentliche Kulturraum wird natürlich weiterhin unterstützt werden. Die Bedeutung eines öffentlichen linken Projektes in der Innenstadt steht damit selbstverständlich außer Frage.
Die politische Arbeit, um am Standort Reitbahnstraße 84 festzuhalten, läuft zur Zeit komplett über den Verein „ExKa e.V.“, es gibt auch eine aktuelle Pressemitteilung zum Thema.
Da die Gruppe, welche in der ReBa84 wohnt und Verantwortung für das Projekt trägt, extrem heterogen ist und innerhalb dieser politisch sehr unterschiedliche Ansprüche vertreten werden, besteht die Schwierigkeit darin, überhaupt ersteinmal einen Konsens zu finden, welcher eine Grundlage für die Praxis bilden kann. Die Frage wie wir Entscheidungen treffen und wie wir uns basisdemokratisch organisieren können, um die erfahrungsgemäß entstehenden Hierarchien zu kompensieren und vernünftige Regelungsmechanismen sowie Verfahrensweisen zu entwickeln, die dies berücksichtigen, wurde bisher leider nur unzureichend diskutiert. So entstand eine Menge Frust. Individuen fühlten sich unzureichend bis gar nicht wahrgenommen. Diskussionen nahmen zum Teil sehr lautstark Formen an.
Die Konsequenz daraus war, dass der Großteil der Öffentlichkeitsarbeit über „ExKa e.V.“ erfolgte und aus der ReBa84 gerade sehr wenig zu hören war.
Wie dieser Prozess zu einem Ende kommen wird, ist derzeitig noch nicht abzusehen. Ende dieser Woche wird eine Situationsanalyse des „ExKa e.V.“ erscheinen.


5 Antworten auf “Zum Stand der Dinge.”


  1. 1 schütten 20. Mai 2009 um 9:46 Uhr

    „innerhalb dieser politisch sehr unterschiedliche (Text über Gentrifizierung) Ansprüche“..
    ich versteh das nicht richtig. ihr habt also wirklich angst, dass hier die yuppies kommen und den ganzen kiez kaputtmachen? sollnse nur kommen, vielleicht gibts paar jobs;)
    außerdem wohnen die doch schon in dd oder le, und die mit geld und kindern in kleinolberdorf-altenhain. hier täte ein wenig realismus ganz gut.
    wieso die unterschiedlichen ansprüche dann ebenfalls wieder in ein hausprojekt münden, nur dann „richtig“ kapier ich auch nicht.
    aber der raum für eine debatte ist damit eröffnet. überfällig und… erster.

  2. 2 Luzi 20. Mai 2009 um 20:52 Uhr

    ich versteh das nicht richtig. ihr habt also wirklich angst, dass hier die yuppies kommen und den ganzen kiez kaputtmachen?

    in chemnitz brauch mensch davor glaube ich keine angst zu haben. interessant wäre halt mal eine auseinander darüber was gentrifizierung in chemnitz bedeutet… das exka treibt den ganzen prozess ja schon voran und die aktiven dort betreiben ja irgendwie ihre eigene gentrifizierung. in dem text aus der jungle world wird ja auch eher der begriff gentrifizierungs und die art und weise in welcher ihn die linke benutzt kritisiert. das es nämlich meist nur darum geht seinen subkulturellen raum zu verteidigen ohne das es irgendjemanden was nützt außer den alkoholabhängigen sternburg trinkern.

    wieso die unterschiedlichen ansprüche dann ebenfalls wieder in ein hausprojekt münden, nur dann „richtig“ kapier ich auch nicht.

    die unterschiedlichen ansprüche werden ja nur zum problem wenn daran direkt eine praxis wie ein kulturraum geknüpft ist. in einem wohnprojekt ohne öffentlichkeit gibt ja quasi keine praktische politische außenwirkung. „richtig“ ist das natürlich nicht aber vielleicht angenehmer für die einzelnen beteiligten welche da wohnen. die politischen ausseinandersetzungen müssen natürlich auch in aller schärfe geführt werden, dafür eignet sich aber ein öffentlicher raum eher als der private wohnraum.

    Praktisch gibt es mittlerweile eine Gruppe, die ein unabhängiges Wohnprojekt realisieren will, ohne eine große öffentliche Kulturfläche. […]Die Bedeutung eines öffentlichen linken Projektes in der Innenstadt steht damit selbstverständlich außer Frage.

  3. 3 andrej holm sein bruda 25. Mai 2009 um 17:02 Uhr

    So richtig es mir scheint, die subkuklturellen Verwicklungen in städtische Aufwertungsprozesse zu thematisieren, die Kontextualisierung von Protesten in kapitalistische Rahmenbedingungen einzufordern und den bildungsbürgerlichen Hintergrund vieler Aufwertungskritiker/innen zu benennen – die These von der gesellschaftlichen Affirmation der Gentrificationkritik ist nur in Unkenntnis stadtpolitischer und wohnungswirtschaftlicher Realitäten zu formulieren. Stehen doch die Aufwertungsprozesse exemplarisch für die Unterwerfung städtischer Gebrauchswerte unter die Verwertungslogik des Kapitals und fordern die wohnungspolitischen Initiativen letztendlich nichts weniger als die Dekomodifizierung der Wohnungsversorgung. Dass diese Forderung nicht als explizite Antikapitalismusrhethorik daherkommt, sondern realpolitisch die Durchsetzung möglichst marktferner Versorgungssysteme fordert (Mietrecht, Förderprogramme, öffentlicher Wohnungsbau) mag aus der Perspektive linker Theoriedebatten als unvollkommen gelten. Doch wie meist gilt auch hier, die Verhältnisse nicht nur grundlegend zu analysieren, sondern vor allem die Spielräume für eigene Interventionen realistisch einzuschätzen und auszuweiten. Gemessen daran, ist die aktuelle Verbreiterung der Gentrificationkritik und die verstärkte Hinwendung zu städtischen Konfliktfeldern eigentlich nur zu begrüßen. Ob dabei Sterni getrunken wird, ist zumindest mir reichlich schnuppe.

  4. 4 horst kupfer 03. Juni 2009 um 16:07 Uhr

    au backe andrej
    bei solchen grotesk verkopften beiträgen kommt so richtig
    gesprächslaune auf

  5. 5 FP 04. Juni 2009 um 20:17 Uhr

    (FP, Do. 4.6.09, S.13)

    Bepflanzte Kloschüssel für Chemnitzer Räte

    Aktivisten aus dem Umfeld des „Experimentellen Karrees“ starten Spontandemo vor Chemnitzer Rathaus

    Zirka 20 Personen aus dem Umfeld des „Experimentellen Karrees“ haben sich gestern vor dem Chemnitzer Rathaus versammelt. Der Grund für die Spontandemonstration war die letzte Tagung des Stadtrates vor der Sommerpause. Mit Transparenten („Der Tag kommt: Chemnitz geht“) und einer bepflanzten Kloschüssel wollten sie gegen die jüngsten Entwicklungen im Reitbahnviertel demonstrieren.
    Plan sei, so die Demonstranten, mit der Kloschüssel bis zum Ratssaal vorzudringen. Danach sollte das an den Kämmerer der Stadt, Detlef Nonnen (CDU), adressierte Klo den Räten übergeben werden. Die Aktion wurde von Polizeikräften vereitelt, einigen Demonstranten der Zutritt zum Rathaus verweigert. Begründung: Die Demo sei nicht angemeldet. Am Ende musste die Kloschüssel verhüllt werden.
    Nach wie vor werde die Umsetzung des „Experimentellen Karrees“ trotz Stadtratsbeschlusses von der Gebäudegesellschaft GGG verhindert und die Politiker blieben untätig, so die Demo-Teilnehmer. Man habe das Klo deshalb an Nonnen adressiert, weil er als GGG-Aufsichtsratsmitglied politischen Einfluss nehmen müsste. (dial)

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