Film und Diskussion: Antifascist Attitude (RUS)

Freitag 13. März | 19:00 Uhr

In den letzten Monaten gelangten verstärkt Berichte in die Medien, die über den faschistischen und rassistischen Terror gegen MigrantInnen und Linke in Russland berichten. Vor allem die Angriffe auf nicht slawisch aussehende Menschen haben ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Im April 2007 wurde zum Beispiel der 18 jährige rassistische Massenmörder Artur Ryno aus Jekaterinburg verhaftet. Er gestand den Mord an 37 Menschen nichtrussischer Herkunft.
Wer sich offen gegen Nazis stellt, gerät ebenso ins Visier der gewaltbereiten rechtsradikalen Szene. Im Internet erscheinen regelmäßig Gewaltaufrufe mit Fotos, teilweise sogar unter Angabe der Wohnanschrift, ebenso wie Videos, in denen sich Nazis mit Übergriffen und sogar Morden feiern.
Seit dem Jahr 2004 töteten Neonazis den Wissenschaftler Nikolaj Girijenko und vier junge Antifaschisten: Timur Katscharawa (Petersburg), Aleksandr Rjuchin (Moskau), Stanislaw Korepanow (Izhewsk), Ilja Borodaenko (Angarsk). Im Oktober 2008 wurden zwei weitere Antifaschisten ermordet. In Moskau lauerten die Täter dem antirassistischen Skinhead Fjedor Filatov vor seiner Wohnung auf, in Irkutsk starb die 16jährige Olga Rukosyla vermutlich wegen ihres alternativen Äußeren. Mitte Januar 2009 wurden in Moskau der Anwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastasia Baburowa, beides aktive Antifaschisten, von einem Unbekannten ermordet.

Die Dokumentation „Antifascist Attitude“ (RUS 2008, 73 min.) eines autonomen Medienkollektivs aus Russland zeigt antifaschistische Aktivitäten und stellt in Interviews Antifas aus Moskau, St. Petersburg und Irkutsk vor, denjenigen russischen Städten mit einer vergleichsweise starken antifaschistischen Bewegung. „The interviews are with anarcho-antifascists, human right groups, RASH, SHARP and „Moscow Trojan Skins“, the antifascist hardcore band WHAT WE FEEL, anarcho-punx and the murdered lawyer Stas Markelov (murdered on 19.01.2009, RIP).“
Ein Aktivist des Medienkollektivs steht anschließend für Fragen zur Verfügung. Er tourt derzeit durch Europa und möchte Kontakte zu antifaschistischen Gruppen knüpfen und über die Situation in Russland informieren.

Im Jahr 2007 starben in Russland 76 Menschen bei neofaschistischen Überfällen, 2006 waren es 62 Tote, und 2008 wurden mehr als 80 Morde registriert. Die Moskauer Region und St. Petersburg nehmen dabei unumstritten die Spitzenplätze ein, da sich hier ein wesentlicher Teil der landesweit etwa 70 000 rechtsradikalen Skinheads konzentriert.
Die Polizei geht gegen die zahlreichen jugendlichen „Skinheadbanden“ meist unter dem Tatbestand des Hooliganismus vor. Eine politische Auseinandersetzung findet nur selten statt. Die russische Regierung und ihre Massenmedien bemühen sich, das Bild eines vereinigten und starken Russlands zu zeichnen. In diesem Zusammenhang wird auch der Sieg über den Hitlerfaschismus gefeiert, während auf der Straße die Nazis marschieren und täglich neue Berichte über Verletzungen, Terror und Morde durch Nazis bekannt werden. Bruno Garmson (Antifaschist aus St.Petersburg) in einem Unterstützungsaufruf bei Antifa-Net: „Die paradoxe Koexistenz eines national gefeierten Antifaschismus von Oben und der Tolerierung von Nazi-Gangs ist jedoch erklärbar. Beiden gemeinsam ist die Förderung eines Nationalismus, der die Gefühle der Niederlage nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems 1991 heilen soll.“

Bildungskollektiv





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