Naziaufmarsch | 5. März 2009

Für den 5. März 2009 rufen die Nazis zu einem Trauermarsch entlang der Bernsdorfer Straße in Richtung Innenstadt auf. Ziel dieser Demonstration ist die Kreuzung am Bernsbachplatz, direkt vor der Reitbahnstraße 84.
Für die Bewohner_innen und Sympathisant_innen des Hauses sind weder diese Tatsache noch die Beweggründe, die dahinter stehen verständlich.
Nachdem im letzten Jahr schon ein Brandanschlag von Nazis auf das Haus stattgefunden hat ist es nicht nur fahrlässig und provokant, sondern auch eine Frechheit, wenn die Stadt es zulässt, dass Nazis auf unser Haus zu marschieren dürfen und davor möglicherweise sogar eine lautstarke Kundgebung abhalten.
Für uns ist das Verbreiten menschenverachtender, rassistischer und antisemitischer Ideologien vollkommen inakzeptabel, vor allem in der unmittelbaren Nähe unseres Wohn-und Kulturprojektes.
Am 5. März des vergangenen Jahres wurden Besucher_innen des Kulturprojektes von Nazis massiv angegriffen und mussten zum Teil stationär behandelt werden.
Aber die Stadt Chemnitz hat nicht nur an diesem Tag ein wahrnehmbares Nazi-Problem. Auch das restliche Jahr über werden Menschen, die nicht ins Bild der Nazis passen auf offener Straße brutal angegriffen. Auf subkultureller Ebene wird dieses Problem von weiten Teilen ignoriert. Daher stellt die Reitbahnstraße 84 in der Chemnitzer Innenstadt durchaus für viele Menschen eine Alternative im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Räumen dar. Als offenes, soziokulturelles und undogmatisch ausgerichtetes Projekt reagieren wir auf die beschriebenen Zustände.
Deshalb bieten wir dieses Jahr am 5. März allen Menschen, die sich äufwärmen wollen, Informationen zum aktuellen Geschehen erfahren möchten oder sich von Nazis bedroht fühlen ab 16 Uhr Rückzugsmöglichkeiten in unseren Räumen. Es gibt wie jeden Donnerstag lecker Essen bei der VoKü.
Um 19 Uhr findet in der Reitbahnstraße 84 ein Vortrag über die kritische Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen Gedenken und den Anknüpfungspunkten, die es nationalistischen wie auch geschichtsrevisionistischen Inhalten bietet:
Antonia Schmid „Dissolution: Wie mediale Erinnerungspolitik Geschichte in Bilder auflöst“.
Wir werden uns an diesem Tag inhaltlich mit der Reproduktion von nationalistischen Gedankengut auseinandersetzen und die Frage aufwerfen in wie fern auch die „bürgerliche Mitte“ solche Anschauungen (mit)trägt.
Unser Hauptanliegen ist am 5. März 2009 daher die Aufklärung und Unterstützung zivilcouragierter Menschen.

Wenn es tatsächlich so weit kommen sollte, dass die Nazis vor unserem Haus eine Kundgebung abhalten, werden wir dieser nicht stillschweigend zusehen.
Wir lehnen dies entschieden ab!


37 Antworten auf “Naziaufmarsch | 5. März 2009”


  1. 1 nurmalso 04. März 2009 um 14:18 Uhr

    ist das mit der ReBa bzw. Bernsbachplatz als Endpunkt denn offiziell? Bei den Nasen kann man davon jedenfalls (noch) nix lesen.
    Naja, werden uns wohl so oder so auf „Besuche“ einstellen müssen…

  2. 2 Alex 05. März 2009 um 20:58 Uhr

    Habe soeben alles mitverfolgt. Keine Seite ist besser! Und vor allem ist wieder mal klar geworden: Die eine Seite BRAUCHT die andere, sozusagen als Existenzberechtigung. Am schlimmsten finde ich Äußerungen wie „Nie wieder Deutschland“ oder „Deutschland aus“ … riefen sie aus dem kapitalismusfinanzierten Haus …
    Bin ja mal gespannt, ob das hier veröffentlicht wird.

  3. 3 nurmalso 05. März 2009 um 23:06 Uhr

    interessant, was sich so mancher über die Finanzierung der ReBa zusammenspinnt…

    jaja, alles durch steuergelder finanziert
    ;)

  4. 4 Alex 06. März 2009 um 0:08 Uhr

    Wie denn sonst? Ich leite selbst 2 Vereine für Jugendarbeit in Chemnitz und wir müssen für unser Gebäude ordentlich bezahlen. Finds ehrlich gesagt nicht in Ordnung, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Eure Sprüche heute waren auch keinen Deut besser als die der Gegenseite. Am Ende sind beide Extreme das Letzte! Sorry, meine Meinung.

  5. 5 Ich 06. März 2009 um 0:40 Uhr

    Lieber Alex damit du nicht dumm sterben musst, der deutsche Nationalismus war ein wichtiger Faktor der den NS ermöglichte. Antifaschisten wollen verhindern das der Faschismus sich jemals wieder erheben kann indem sie ihn direkt und noch wichtiger seine Ursachen bekämpfen. Die Sprechchöre die dir so sauer aufstoßen richten sich direkt gegen den deutschen Nationalismus, als Ursache faschistischer Tendenzen.
    Du solltest auch mal darüber nachdenken ob man den Kampf gegen rein kulturelle antidemokratische und autoritäre Denkmuster, mit dem Versuch die Ausrottung ganzer Völker in die Tat umzusetzen vergleichen sollte und ob das Ergebnis dann sein kann, dass beides gleich schlimm ist.

    Mal was anderes, hat man die Gefangenen mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt?

  6. 6 nurmalso 06. März 2009 um 10:25 Uhr

    wo wird hier mit zweierlei maß gemessen?
    die GGG hat uns das haus ja nicht geschenkt, es gibt einen nutzungsvertrag, der zahlung von miete & betriebskosten sowie die bauliche aufwertung der gebäude beinhaltet

    du bedienst hier nur das vorurteil vom „schmarotzendem Linken“, ohne die wahren zusammenhänge zu kennen

  7. 7 nurmalso 06. März 2009 um 10:33 Uhr

    „Nie wieder Deutschland“ finde ich auch nicht so toll, ganz einfach weil diese Aussage als verkürzte Parole inhaltlich mißverständlich ist. Dabei bezieht sie sich doch eigentlich vordergründig darauf, dass die Zugehörigkeit zu D. nie wieder zum Maßstab für Rechte & Pflichten eines Menschen werden sollte, wie dies eben im 3.Reich der Fall war…& teilweise noch heute ist.

  8. 8 @Habe soeben ALLES mitverfolgt. 06. März 2009 um 12:09 Uhr

    Keine Seite ist besser! Und vor allem ist wieder mal klar geworden: Die eine Seite BRAUCHT die andere, sozusagen als Existenzberechtigung. [… ] … riefen sie aus dem kapitalismusfinanzierten Haus … Am Ende sind beide Extreme das Letzte! Sorry, meine Meinung.

    MEINUNG ™ – Wer eine hat, hat´s gut.

    Eine Aktion der deutschen Meinungsführer

  9. 9 AAK 06. März 2009 um 12:15 Uhr

    Pressemitteilung der Antifaschistischen Aktion Chemnitz [AAK] zum Polizeieinsatz am 5.3 in Chemnitz-Bernsdorf.

    Erfolgreiche Störung der Nazidemonstration am 5.3 in Chemnitz-Bernsdorf. Proteste wurden von unverhältnismäßigen Maßnahmen der Polizei überschattet. Ein kritisches Hinterfragen von Polizeieinsätzen in der Öffentlichkeit scheint nötiger denn je.

    Obwohl in den vergangen Tagen in verschiedenen Zeitungen über die Nazigewalt des letzten Jahres am 5.3. berichtet wurde und es im Vorfeld Bedenken um die Sicherheit von Menschen und Strukturen gab, die sich klar gegen Naziakitvitäten stellen, schlugen diese sich nicht in der Planung und Durchführung des gestrigen Polizeieinsatzes nieder.

    Schon die Naziroute, welche direkt vor das „Alternative Wohn- und Kulturprojekt Reitbahnstraße 84“ führte, war eine klare Provokation der Nazis und des Ordnungsamtes, welches diese vorbehaltslos genehmigte. Die Polizei ignorierte das Gefahrenpotenzial der teilweise gewalttätigen Nazis und deren menschenverachtenden Ideologie. So hielt sie es nicht für nötig, eine Gefahrenprognose zu erstellen, welche sonst bei Demonstrationen die Normalität ist.

    Bereits vor dem Beginn der Nazidemonstration zeigte die massive Polizeipräsenz und deren Ausrichtung das wahre Feindbild der staatlichen Exekutive – jene, die sich gegen Nazis positionieren. Ohne eine gezielte Mobilisierung sammelten sich AntifaschistInnen und SympathisantInnen der Reitbahnstraße 84 in dem und um das Gebäude. Verstärkt wurde diese von einigen TeilnehmerInnen der DGB-Veranstaltung „Aktion für eine nazifreie Stadt“. Bei der Räumung einer Straßenseite durch die Polizei – für die Nazis – wurden mehre Personen verletzt, unter anderem eine brutal zu Boden geprügelt.
    Mit dem Eintreffen der Nazidemonstration an der Reitbahnstraße 84 spitzte sich die Lage zu. Um seinen Protest direkt zu zeigen, wurde die Zwischenkundgebung mittels lauter Musik und Sprechchören aus ihrer beabsichtigten Ruhe gerissen. Offensichtlich war dies ein Akt, der den Nazis misfiel.
    Mit dem Abzug der Nazis vom Kundgebungsgelände entspannte sich die Lage, aber nicht in den Augen der Polizei. Personen, die zur Organisationsstruktur (Überprüfung der Rechtmäßigkeit von Polizeimaßnahmen, Dokumentation) der Proteste um das Haus zuständig waren, wurden gezielt von BeamtInnen mit Repressalien überzogen, so z.B. Anzeigen aus nicht nachvollziehbaren Gründen, Diskrimierungen und brutalste Übergriffe. Dieses Verhalten, welches auch gegenüber anderen AntifaschistInnen und JournalistInnen praktiziert wurde, führte zu einem Konfliktpotenzial, welches zu jeder Zeit durch eine deeskalierende Polizeitaktik hätte abgebaut werden können.

    Abschließend ist zu sagen, dass die Polizeiführung und das Ordnungsamt nicht die notwendigen Schlüsse aus den vergangen Jahren gezogen haben. Eine detaillierte Einschätzung der Lage und deren notwendige Ziehung der Konsequenzen fand nicht statt. Menschenverachtenden Ideologien wurde eine unangemessene Plattform geboten und dies wurde nur möglich durch das ignorante Verhalten der Behörden. Der gestrige Tag wirft daher die Frage auf, ob der sächsichen Polizei politisch motivierte Gewalt gegen AntifaschistInnen und JournalistInnen vorgeworfen werden muss.

    Antifaschistische Aktion Chemnitz/AAK

  10. 10 Alex 06. März 2009 um 16:04 Uhr

    Sorry, aber ich hatte vor Ort fast schon den Eindruck das die rechte Seite friedlicher war als ihr! Ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn euch die Polizei nicht gut gesonnen ist. Die hatten gestern bestimmt besseres zu tun als sich von euch (sogar über Lautsprecher) beleidigen lassen zu müssen. Den Versuch, die Tatsachen im Nachhinein zu verdrehen, empfinde ich als feige.

    Und um meine Meinung nochmal zu wiederholen: Ob Nationalsozialismus oder Kommunismus, Hitler oder Stalin, ist beides nicht erstrebenswert. Beide Seiten sind derart in ihren Feindbildern gefangen, dasss sie sich nicht wundern brauchen, wenn sie keiner mehr ernst nimmt. Nebenbei erwähnt: Ich war in meiner Jugend selbst bekennender Punker, bin aus der ganzen Thematik aber rausgewachsen…

  11. 11 arrgh 06. März 2009 um 18:01 Uhr

    „aus der ganzen Thematik aber rausgewachsen…“

    lol! erklär mal bitte wie das geht! wie so n paar schuhe, oder n alter pulover? hihi. hauptsache du kannst dich selbst noch ernst nehmen, wichtigtuer!

    du bist deutschland!

  12. 12 Alex 06. März 2009 um 19:11 Uhr

    Rausgewachsen aus: Alle schlecht außer uns, der Staat, die Polizisten, überhaupt alles … wir sind immer die Opfer und und und …
    Mit Extremismus kann man keine Ziele erreichen.

    Apropos „Du bist Deutschland“ – Der Spot sollte die Leute daran errinnern, Dinge selbst in die Hand zu nehmen anstatt immer anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben :-?

    Anmerkung: Wenn der Kommunismus das Non-Plus-Ultra ist, warum legt ihr nicht euren Hauptwohnsitz nach Nordkorea oder China legen?

    P.S. Ich hab nen Kumpel, so um die 40, der könnte bei euch mal nen Vortrag halten, wie die mit Punks in der DDR umgegangen sind.

  13. 13 ups 06. März 2009 um 23:17 Uhr

    @Alex
    Klar sind die Nazis auf Demos friedlicher. Die wollen Menschen wie Dir doch vermitteln, dass sie die Guten sind. Dafür kommen diese Feiglinge bei Nacht und schmeißen Brandsätze auf die Reba oder hauen Ausländern die Geschäfte zu Klump (siehe Dresden).
    Leb wohl EXpunk!

  14. 14 phra:ha:d 06. März 2009 um 23:32 Uhr

    Alex schrieb:“Ob Nationalsozialismus oder Kommunismus, Hitler oder Stalin, ist beides nicht erstrebenswert.“

    So? Was machen wir den da jetzt? Hm…vielleicht über deine dumpfen Ansagen ablachen?
    YEAH!!!

    Alex schrieb:“Ich leite selbst 2 Vereine für Jugendarbeit in Chemnitz…“

    Ich glaub, ich brauch heut doch noch Antidepressiva…

    Schlaraffenland statt Deutschland!

  15. 15 Ampelmann 07. März 2009 um 10:24 Uhr

    „wie so n paar schuhe, oder n alter pulover?“
    .
    Genauso. Es soll aber auch Leute geben, die kommen als Punk auf die Welt und saufen, bis sie 90 sind; getroffen habe ich aber noch keinen.
    .
    „Klar sind die Nazis auf Demos friedlicher. Die wollen Menschen wie Dir doch vermitteln, dass sie die Guten sind.“
    .
    Verdammt cleverer Trick dieser Nazis, einfach friedlich sein. Das sollte die Antifa mal kopieren. Ob das geht?

  16. 16 Alex 07. März 2009 um 11:15 Uhr

    Ihr habt vergessen, meinen letzten Beitrag zu veröffentlichen, antwortet aber schon darauf ;)
    Für mich ist diese Diskussion hier beendet.

    MFG der ExPunk ;)

  17. 17 nurmalso 07. März 2009 um 12:12 Uhr

    „Sorry, aber ich hatte vor Ort fast schon den Eindruck das die rechte Seite friedlicher war als ihr! Ihr braucht euch nicht zu wundern, wenn euch die Polizei nicht gut gesonnen ist.“

    Blödsinn! Hintergrund ist doch, dass auch die Stadt Chemnitz Gedenkveranstaltungen durchgeführt hat und deshalb aus ihrer Sicht eine Gegenveranstaltung unsererseits unterbunden bzw. behindert werden musste. Warum sonst war fast das ganze Karee umstellt, während bei den Nasen nur 2 Handvoll Bullen mitliefen?

  18. 18 flexo 07. März 2009 um 13:43 Uhr

    @ich)

    hilf mir mal auf die sprünge… der deutsche nationalismus ist deiner meinung nach die ursache für den ns und seine eskaltion. deswegen ist „nie wieder deutschland“ usw. gerechtfertigt. wenn ich das richtig verstehe, ist also bereits die exitsenz deutschlands nationalismus. heißt also du unterscheidest nicht zwischen dem nationalgedanken, patriotismus und nationalismus, sondern siehst alles als das selbe an. wenn ich dem ganzen aber folge, dann lässt sich das ja irgendwie auf alle staaten übertragen. wo ist dann spezifisch deutsche und woher kommt es? genau dieses deutsche (was ja aus deiner sicht lediglich eine „falsche“ politische auffassung und damit lediglich fiktiv ist) soll dann aber die ursache der ns-verbrechen sein. wenn nur „deutsches denken“ zum holcaust führen kann, dann muss es ja doch so etwas wie völker geben. gerade das verlugnest du aber wieder. wie kann man diesen widerspruch erklären?

  19. 19 phra:ha:d 07. März 2009 um 20:44 Uhr

    flexo schrieb: „wenn ich das richtig verstehe, ist also bereits die exitsenz deutschlands nationalismus.“

    Um genauer zu sein, ist die Existenz des Staates Deutschland eine Konsequenz aus Nationalismus und kann deshalb nicht als etwas positives gelten.

    Und bevor hier jetzt jemand mit der These kommt, Nationalismus könne ja auch konstruktiv oder progressiv sein:
    1. Wir leben im 21. Jahrhundert, mithin ist Nationalismus nichts als überholt und reaktionär.
    2. Eine Nation konstituiert sich immer über die zwangsweise Abgrenzung gegenüber dem Anderen, baut also auf Ausgrenzung und der Überbetonung (vermeintlicher) Gemeinsamkeiten ihrer Mitglieder auf. Und das ist ekelhaft.

    Wenn sich dann Nationsgedusel und Staatsgebilde zum Nationalstaat vereinigen, haben wir den Salat (siehe Welt).

    flexo schrieb: „du unterscheidest nicht zwischen dem nationalgedanken, patriotismus und nationalismus, sondern siehst alles als das selbe an. wenn ich dem ganzen aber folge, dann lässt sich das ja irgendwie auf alle staaten übertragen.“

    Na sowas! Das gibt’s doch nicht. Es gibt also auch in anderen Staaten Nationalismus…

    flexo schrieb: „wo ist dann spezifisch deutsche und woher kommt es?“
    Guck in den Spiegel!
    Außerdem hat das mit historischer Entwicklung zu tun, die sich rein zufällig regional unterscheidet. Es kann natürlich sein, dass du und die anderen Idioten in deinem braunen Dunstkreis schon von Geburt an deutsch geeicht waren. Dann herzlichen Glückwunsch! Ihr seid das Volk!

  20. 20 flexo 10. März 2009 um 11:01 Uhr

    hm, es ging mir eigentlich um die unterschiedung zwischen „deutschem“ nationalismus und nationalismus ansich, die ich irgendwo für inkonsequent halte. wieso führt der deutsche nationalismus zum holcaust, der polnische aber nicht? natürlich kann man sagen, in deutschland war er besonders stark ausgeprägt, aber das heißt doch im folgeschluss, dass es genauso kommen kann, wenn der polnische nationalismus auf dieses maß ansteigt. daher ist doch wenn „frankreich an polen grenzt“ rein gar nix gelöst.

    nicht nur die nation beruht auf ausgrenzung, jegliche grüppchen, cliquen- oder subkulturbildung tut es. der mensch hat das betreben mit seiner umwelt in frieden zu leben und sucht sich daher mehr oder weniger bewusst ein umfeld, dass möglichst viele gemeinsamkeiten, sei es äußerlich oder sei es im denken, aufweist. mit dem rückhalt der gruppe beginnt man dann den außenseiter, der für die einzelperson eine bedrohung darstellt auszugrenzen. das durfte übrigends auch einer euer „exkaputtgehen“-schreiberlinge erfahren, als er musik auflegte, die „nicht links genug war.“ wenn du ein konzept weißt, wie man so etwas aus der welt schaffen kann, dann lass es mich bitte wissen.

    deinen ausführungen nach lehnst du die nation ansich ab. das entspricht zwar nicht meiner meinung, ist aber dennoch konsequent. wenn man aber immer wieder das spezifisch deutsche als ursache für irgendwelche dinge heranzieht, dann nimmt man doch damit das volk als existent an.

  21. 21 phra:ha:d 11. März 2009 um 2:20 Uhr

    flexo schrieb folgenden Unsinn: „es ging mir eigentlich um die unterschiedung zwischen „deutschem“ nationalismus und nationalismus ansich“

    Darum geht’s mir aber leider nicht.
    Fakt ist eben, dass alle Nationalismen in bestimmter Weise speziell sind, was mensch unter anderem daran ablesen kann, dass es keinen einheitlichen Nationsbegriff gibt.
    Fakt ist auch, das theoretisch jeder Nationalismus in genozidartigen Auswüchsen gipfeln kann.
    Das ist aber eben genau nicht der Dreh- und Angelpunkt der Diskussion, sondern eben der Fakt, dass der Nationalismus in Deutschland zum Nationalsozialismus, dem 2. Weltkrieg, Verfolgung und Vertreibung in unvorstellbarem Ausmaß und schließlich dem Holocaust geführt HAT.
    Es geht darum, dass der deutsche Nationalismus in einem rasseideologischen Vernichtungskrieg, einem singulären Verbrechen an der Menschheit gegipfelt HAT.

    Wenn mensch sich also heute positiv auf eine deutsche Nation oder Nationalität bezieht, ist das nichts als unreflektiert, verkürzt und dumpf.
    Gerade weil eben diese deutsche Nation für Auschwitz verantwortlich ist, ist ein positiver Bezug darauf nicht akzeptabel, bekämpfenswert. Zumal diese Gegebenheiten bis heute nicht ausreichend reflektiert und aufgearbeitet worden sind.

    flexo schrieb folgenden Unsinn: „nicht nur die nation beruht auf ausgrenzung, jegliche grüppchen, cliquen- oder subkulturbildung tut es.“

    Wo ist hier die „Als groben Schwachsinn markieren“-Funktion?
    Es gibt durchaus auch Gruppen, die sich nicht auf dem opportunistischen Bedürfnis nach individueller Sicherheit oder dem festen Ziel der Ausgrenzung gründen. Das mag evtl. in deinem Freundeskreis anders sein, ist aber deswegen keineswegs allgemeingültig.
    Manche Gruppen finden sich eben einfach auch, weil sich Leute mögen und einfach zusammen gaga sein wollen. Es geht bei Gruppen ja prinzipiell um Beziehungen zwischen Individuen und nicht automatisch und vordergründig um Ab- oder gar Ausgrenzung. Die Beziehungen zwischen verschiedenen Individuen unterliegen außerdem einem ständigen Wandel und somit auch Gruppenstrukturen. Das heißt, eine Gruppe funktioniert am besten als freie Assoziation einzelner Elemente. Darüber hinaus kann Gruppe auch ein absolut subjektiver Erfahrungswert sein.
    So muss die Bezugsgruppe eines Individuums für ein anderes (Mitglied dieser Gruppe) gar nicht existieren usw. Und jetzt? Pustekuchen mit Ausgrenzung und ein Hoch auf Zauberpilze! *rülps*

    Sobald sich aber in einer Gruppe eine feste Hierarchie herausbildet und die Gruppe versucht einen bestimmten Status quo permanent zu erhalten (z.B. „rassische Reinheit“), ist das destruktiver Bullshit. Und in genau diese Kategorie fallen Nationen und teilweise auch Subkulturen.

    flexo schrieb folgenden Unsinn:“mit dem rückhalt der gruppe beginnt man dann den außenseiter […] auszugrenzen. das durfte übrigends auch einer euer „exkaputtgehen“-schreiberlinge erfahren, als er musik auflegte, die „nicht links genug war.““

    Was zum Teufel ist Exkaputtgehen? Und seit wann legt etwas, dass auf den Namen Exkaputtgehen hört, Musik auf?

    flexo schrieb folgenden Unsinn: „deinen ausführungen nach lehnst du die nation ansich ab. das entspricht zwar nicht meiner meinung, ist aber dennoch konsequent.“

    Wer Querfront denkt, trinkt auch den Morgenurin seiner Großeltern!

    flexo schrieb folgenden Unsinn: „wenn man aber immer wieder das spezifisch deutsche als ursache für irgendwelche dinge heranzieht, dann nimmt man doch damit das volk als existent an.“

    Von mir aus. Dann gibt’s halt ne Gruppe „deutsches Volk“. Die ist aber, entgegen deinen feuchten Träumen, nicht genetisch begründet, sondern fußt auf hochgradigem Schwachsinn. Also weg damit! Schluss mit dem deutschen Volk!

    Nation und Kapitalismus abschaffen! Und dann ganz relaxt gaga sein…

  22. 22 devnull 11. März 2009 um 23:46 Uhr

    @flexo
    Obwohl hier niemand behauptet hat, dass der deutsche Nationalismus zum Holocaust führt, gebe ich dir recht, wenn du sagst, dass ein polnischer Nationalismus und ein deutscher Nationalismus der Sache nach das gleiche sind: Beide verwechseln die Interessen ihres Staates mit den eigenen, weil sie sich einbilden, dass die erzwungene Unterwerfung unter die jeweilige Staatsgewalt, die sie mit anderen Landleuten abstrakt gleichsetzt, so etwas wie eine Gemeinschaft mit gleichen Interessen begründet. Von dieser Warte her, sollte man schon gegen den Nationalismus jeder Nation zu Felde ziehen, weil der die realen Klassenverhältnisse überdeckt, von denen die Leute ihren Schaden haben und deswegen immer geneigt sind, Manager, Faulpelze und Ausländer für ihr Unglück verantwortlich zu machen.

    Nur geht es dir ja gar nicht darum, die Leute von ihrem Nationalismus abzubringen. Du willst ja darauf hinaus, dass es auch jenseits von Deutschland Nationalismus gibt und dass der deutsche Nationalismus von daher schon in Ordnung geht (oder verstehe ich da falsch?). Den Übergang von „gibts überall“ zu „geht auch hier in Ordnung“ verstehe ich allerdings nicht.

    Sicher, antideutsche Deppen, die vor lauter „Deutschland böse“ vergessen haben, Staat, Nation und Kapital einer vernünftigen Kritik zu unterziehen, geben deiner Argumentation Vorschub. Und in der Tat ist nix gelöst, „wenn Polen an Frankreich grenzt“.

    Eine wohlbekannte Blödheit ist weiterhin dein Versuch, aus der Notwendigkeit von Menschen, nur in Gemeinschaft überleben zu können, die Nation abzuleiten. Deine Vorstellung, „dass sich Menschen mehr oder weniger bewusst ein Umfeld suchen, dass möglichst viele Gemeinsamkeiten, sei es äußerlich oder sei es im Denken, aufweist“, hat mit der Realität von Nationen ziemlig wenig am Hut. Die Leute werden doch – ob sie es wollen oder nicht – der Herrschaft des jeweiligen Gewaltmonopols unterworfen und müssen dann irgendwie darin zurecht kommen. Der Schein, dass die Nation eine Gemeinschaft wäre, „die auf möglichst vielen Gemeinsamkeiten beruht“, kommt doch bloss dadurch zustande, indem man die Unterschiede ignoriert, die es ja auch noch gibt. In dieser Logik fehlt einfach die Erklärung, weshalb die bestehenden Unterschiede, die Nation gar nicht obsolet machen.

    Und noch am Rande: Aus dem Umstand, dass jemand ausserhalb einer Gruppe steht (mag ja vorkommen) folgt keineswegs, dass „er für die Einzelperson [dieser Gruppe] eine Bedrohung darstellt“. Das ist damit noch gar nicht erklärt!
    Beim Nationalismus leuchtet mir die Ausgrenzung schon ein. Aber nur deshalb, weil ich mir erklärt habe, auf welcher Idee dieser beruht (siehe oben).

  23. 23 devnull 12. März 2009 um 17:40 Uhr

    @phra:ha:d
    Die Position, dass der deutsche Nationalismus deswegen bekämpfenswert wäre, weil dieser in früheren Zeiten schon mal zu einem Genozid geführt hat, verhält sich zur Sache selbst (dem Nationalismus) höchst unkritisch. Behauptet wird ja, dass das Kritikwürdige am Nationalismus seine Bedeutung in der Geschichte sei, also der Grund seiner Ablehnung ausserhalb seiner selbst liege. Der Nationalismus rückt bei dieser Argumentation gar nicht in den Fokus der Kritik, und man möchte immer die Frage stellen, ob es denn am deutschen Nationalismus etwas auszusetzen gäbe, wenn es den NS nicht gegeben hätte?

    Diese Argumentation („Nationalismus blöd wegen NS“) ist dann auch der Grund für lauter Unterstellungen („alles Faschisten“) und Moralismen („das darf man doch nicht nach Ausschwitz“) im Streit mit den Fans der Nation.

    Stattdessen sollte man sich mal erklären, wie die Parteinahme für die Nation überhaupt zustandekommt und ob es – auch ohne NS und Holocaust – dagegen etwas zu sagen gäbe.

  24. 24 flexo 12. März 2009 um 20:52 Uhr

    @phrahad)

    ja, aber wo zur hölle liegt denn der unterschied zwischen dem deutschen nationalismus und dem nationalismus ansich? und eine folge, wie drittes reich, zweiter wk, holcaust usw. ist kein zwingender unterschied. wenn du feststellst, dass jeder nationalismus für sich speziell ist, heißt das im unkehrschluss dann, dass es guten und schlechten nationalismus gibt? wenn dem so wäre, dann wäre es für mich beispielsweise in polen ok nationalist zu sein, in deutschland aber nicht. wenn du wirklich so denkst, dann vergibst du quasi „denk-rechte“ anhand der volkszugehörigkeit. das wiederum ist doch schon wieder nationalistisches denken, oder?

    es mag richtig sein, dass der deutsche nationalismus zu auschwitz etc. geführt hat, das macht aber andere nationalismen weder besser noch schlechter. wenn ich gegen nationalismus bin, dann ist es doch konsequenter gegen jeden zu sein. dem nationalistischen polen müsste ich dann doch sagen: „guck doch wozu das in dtl. geführt hat“ anstatt „och, weil du zufälligerweise in polen geboren bist, geht das schon ok.“

    eine gruppe weist doch immer ein (wenn auch nur fiktives merkmal) auf, was sie von den außenseitern unterscheidet. die gruppe besteht doch nur, wenn die mitglieder sich irgendwie symphatisch sind. aber worauf beruht die symphatie, wenn nicht auf irgedeiner ähnlichkeit? auch wenn es nur der wunsch nach gemeinsam „gaga“ sein ist.

    zu exkaputtgehen wende dich an devnull.

    würdest du mir den „hochgradigen schwachsinn“ auf dem das deutsche volk beruht mal etwas genauer erläutern?

  25. 25 flexo 12. März 2009 um 21:21 Uhr

    @devnull)

    ich hab doch gar keine wertung des nationalismus ansich von mir gegeben. da ich nicht glaube, dass irgendwer unfehlbar ist, nehme ich das auch für mich an. deswegen betrachte ich meinungen nicht als „rictig“ oder „falsch“, sondern lediglich, ob sie insich konsequent sind oder nicht. und deswegen gings mir nicht, um das stammtischargument „die polen sind doch auch stolz, also dürfen wir das doch auch“, sondern darum, dass man entweder den nationalismus ablehnt oder es eben nicht tut. aber anhand der volkszugehörigkeit zu unterscheiden, ob nationalismus ok oder nicht ist, halte ich für unsinn. ums mit deinen worten zu sagen: entweder geht nationalismus überall in ordnung oder er ist überall abzulehnen.

    ich leite auch nicht die nation aus der notwendigkeit der gruppenbildung ab. ich wollte klarmachen, dass ausgrenzung nicht nur sache der nation ist, sondern schon bei kleineren grüppchen anfängt. die nation ist höchstem im perfekten ns eine gemeinschaft. dass gerade ich das für die derzeitige nation annehmen soll verwundert mich ein wenig:d

    der außenseiter muss nicht eine wirklich bedrohung darstellen,aber in der regel stellt doch jede andere person eine potentielle bedrohung dar und sei es nur als sexueller konkurrent. die nicht-sexuelle beziehung zwischen mensch dient daher der absicherung bzw. als strategischges mittel irgendwelche interessen zu verwirklichen. der fremde muss in dieser hinsicht die größere gefahr sein, als das gruppenmitglied. denn er könnte erstens „überlegen“ sein und ist zweitens nicht in das informelle regelsystem der gruppe eingebunden.

  26. 26 phra:ha:d on angeldust 12. März 2009 um 23:36 Uhr

    devnull: „Die Position, dass der deutsche Nationalismus deswegen bekämpfenswert wäre, weil dieser in früheren Zeiten schon mal zu einem Genozid geführt hat, verhält sich zur Sache selbst (dem Nationalismus) höchst unkritisch.“

    phrhd: Ich dachte eigentlich, dass ich entsprechend deutlich gemacht hätte, dass und warum Nationalismus an sich zum Kotzen ist. Kann aber auch sein, dass ich das grob verpeilt hab.
    War auf Pilzen und hatte nebenbei nen Filmriss. *sabber*
    Aber da hier nun mal nach einer expliziten Besonderheit im deutschen Nationalismus gefragt wurde, habe ich eben mal DIE Besonderheit schlechthin benannt.
    Das sollte aber nicht in der wahwitzigen Kategorisierung in „guten“ und „schlechten“ Nationalismus münden.
    Zugegeben, die Argumentationsstruktur war etwas verkürzt. (Musste nebenbei Zähne putzen…)

    flexo: „ja, aber wo zur hölle liegt denn der unterschied zwischen dem deutschen nationalismus und dem nationalismus ansich?“

    phrhd: Sinnlosfrage -> Sinnlosantwort: Der deutsche Nationalismus ist halt einfach ganz schön deutsch!

    flexo: „aber worauf beruht die symphatie, wenn nicht auf irgedeiner ähnlichkeit? auch wenn es nur der wunsch nach gemeinsam „gaga“ sein ist.“

    phrhd: Und wo ist da jetzt gleich nochmal das ausgrenzende Element? Huch, gibt’s nicht…

    flexo: „zu exkaputtgehen wende dich an devnull.“

    phrhd: cat /dev/stdin > /dev/null ?

    flexo: „würdest du mir den „hochgradigen schwachsinn“ auf dem das deutsche volk beruht mal etwas genauer erläutern?“

    phrhd: Deutsches Volk… Nochmal? Ok: Deutsches Volk… Immer noch nicht? Ok: Deutsches Volk… Zu schwierig? Ok, gut: D-E-U-T-S-C-H-E-S V-O-L-K… Vielleicht sollte das mal jemand als Locked Groove auf Vinyl pressen und dir feierlich überreichen.

    flexo: „deswegen betrachte ich meinungen nicht als „rictig“ oder „falsch“, sondern lediglich, ob sie insich konsequent sind oder nicht.“

    phrhd: Genau! Egal wie dumpf! Hauptsache konsequent! Standhaft bleiben, Haltung bewahren, nicht gleich umfallen, wenn sich ein ganzes M43-Magazin in deine Eingeweide bohrt. Ist doch nur ne Fleischwunde! Weitermachen, Soldat!

    flexo: „entweder geht nationalismus überall in ordnung oder er ist überall abzulehnen.“

    phrhd:

    $x=0;

    while ($x==0) {

    echo „ist überall abzulehnen“;
    }

    flexo: „ich wollte klarmachen, dass ausgrenzung nicht nur sache der nation ist“

    phrhd: Nein, natürlich ist Ausgrenzung auch die Sache des FN. *indernasebohr*

    flexo: „die nation ist höchstem im perfekten ns eine gemeinschaft.“

    phrhd: Achso, na dann. Aber wie ist das eigentlich im perfekten NS? Darf man sich da noch den Lauf einer AK-47 anal einführen ohne als Volksverräter vergast zu werden?

    flexo: „der fremde muss in dieser hinsicht die größere gefahr sein, als das gruppenmitglied. denn er könnte erstens „überlegen“ sein und ist zweitens nicht in das informelle regelsystem der gruppe eingebunden. “

    phrhd: Dass du Angst davor hast, dass dir jemand überlegen ist, spricht wieder mal für sich.

  27. 27 schorsch der pirat 13. März 2009 um 1:54 Uhr

    flexo sagte: „ja, aber wo zur hölle liegt denn der unterschied zwischen dem deutschen nationalismus und dem nationalismus ansich?

    die fragestellung ist an sich schon schwachsinnig, da der moderne nationsbegriff sich gesamtwissenschaftlich nicht definieren lässt ( was z.b. in zahlreichen ethymologischen lexika nachlesbar ist). wohin soll diese frage eigentlich führen? natürlich kannst du gern versuchen nen allgeimen gültigen modernen nationsbegriff definieren, aber was bringt dir das, wenn du ihn nur unzureichend auf sehr wenige praktische beispiele der neuzeitlichen geschichtsforschung beziehen kannst? schon an diesem punkt zeigt sich, dass dem modernen begreifen von nation ausschließende elemente innewohnen. mensch, nichtmal in der definition kriegst du sie unter einen hut!!!

    und sobald mensch beginnt die nation über beispiele zu definieren, bezieht er/sie sich auf spezifische nationsbildende und nationale entwicklungsvorgänge und damit auch auf die daraus resultierenden spezifischen folgen.

    was du machst, ist den deutschen nationalismus an anderen nationalismen (die ebenfalls abzulehen sind, teilweise jedoch aus anderen gründen) zu relativieren und damit das konstrukt der (deutschen) nation als etwas erhaltenswertes darzustellen. diesen weg gehen leider sehr viele menschen. und genau darin spiegelt sich die theorie wieder, dass gruppenbildung ausschließlich auf opportunistischem sicherheitsbedürfnis und ausgrenzung beruht. diese ansicht führt leider zu äußerst menschenverachtenden Denk-und Handlungsweisen.
    ich teile sie definitiv nicht!

    flexo sagte weiterhin: „mag richtig sein, dass der deutsche nationalismus zu auschwitz etc. geführt hat, das macht aber andere nationalismen weder besser noch schlechter. wenn ich gegen nationalismus bin, dann ist es doch konsequenter gegen jeden zu sein. dem nationalistischen polen müsste ich dann doch sagen: „guck doch wozu das in dtl. geführt hat“ anstatt „och, weil du zufälligerweise in polen geboren bist, geht das schon ok.“

    ich speziell bin nunmal in deutschland geboren und lebe auch hier (du auch? – dann lass doch die polen endlich mal in ruhe und kümmer dich um dich selbst und deine bekloppten landsmänner – und frauen!!!). ich nehme in diesem rahmen die verhältnisse um mich herum wahr und das sind eben speziell jene in deutschland. das ist mein ansatzpunkt, natürlich finde ich auch die verhältnisse in anderen nationalstaaten beschissen (was überwiegend daran liegt dass ich das politische konzept der nation grundlegend ablehne), lebe aber wie gesagt nunmal hier und nehme mir daher auch heraus, diese verhältnisse in denen ich mich zunehmned unwohl fühle zu kritisieren. und bevor du jetzt wieder irgend nen mist von wegen „aber die anderen“ erwidern willst: ich fühle mich in meiner lebensumwelt primär von deutschen nationalismus beeinträchtigt, das heißt nicht, dass ich den polnischen oder andere nationalismen nicht ebenfalls ablehne!
    mein grundlegender ansatzpunkt ist zunächst den deutschen nationalismus zu hinterfragen, das heißt aber nicht dass ich nicht in der lage bin global zu denken.

    flexo sagte:“wenn du feststellst, dass jeder nationalismus für sich speziell ist, heißt das im unkehrschluss dann, dass es guten und schlechten nationalismus gibt?“

    nein, mensch, denk doch mal bitte wenigstens kurzfristig mit!!! natürlich nicht, weil die scheiße auf jeden fall auf ausgrenzung basiert.(s.o.)

    flexo sagte: „eine gruppe weist doch immer ein (wenn auch nur fiktives merkmal) auf, was sie von den außenseitern unterscheidet. die gruppe besteht doch nur, wenn die mitglieder sich irgendwie symphatisch sind“

    ich kann mich auf jeden fall unter menschen wohlfühlen ohne dass ich ein gruppenbewusstsein konstruiere, das menschen, welche nicht mit meiner meinung koformt gehen, ausschließt. ( es sei denn diese ansschauungen weisen definitiv menschenverachtende komponenten auf).ich begreife mich nämlich als mensch, der durchaus tendenzen zum selbstständigen denken aufweist. ich gebe mir mühe meine bedürfnisse sowie meine skepsis gegenüber anderen zu artikulieren und diesen menschen mitzuteilen wenn mich etwas stört und das ohne sie gleich als den letzten dreck ausschließen zu müssen. weiterhin fühle ich mich durchaus dazu befähigt solches meiner umwelt als konstruktive kritik zu vermitteln, ohne ihnen explizit das gefühl zu geben minderwertig zu sein oder unter mir oder irgendwem zu stehen und damit schon wieder eine form der hierarchie zu eröffnen.

    trotzdem in diesem sinne:

    nieder mit der grüngroßdeutschen Ordnung, aller nationalstaaterei, für eine freie, liebevolle assoziation von menschen

    schorsch der pirat und das chaos besiegen die ordnung, weil sie einfach besser organisiert sind!!!

  28. 28 Anonymous 13. März 2009 um 11:23 Uhr

    3. Die Basisideologien der Warengesellschaft […]
    Nationalismus – Mitfühlen mit einer Apparatur: Die vereinzelten Einzelnen, also die bürgerlichen Subjekte, sind in dieser Gesellschaft auf sich selbst zurückgeworfen und bringen keinen gesellschaftlichen Zusammenhang zustande. Als völlig Verlassene, auf sich selbst Zurückgeworfene, reagieren sie mit panischer Angst und Getriebenheit. In dieser Situation flüchten sie sich in das Kollektiv der Nation. Diese Zugehörigkeit garantiert ihnen die Identität, die sie als Vereinzelte nicht herstellen können. Nationalismus heißt Einfühlen der Individuen in den Staat, letztlich Mitfühlen mit einer Apparatur (vgl. Gerhard Scheit, Suicide Attac). Vor diesem Hintergrund ist dringend zu warnen vor einer Unterscheidung zwischen einem angeblich guten Patriotismus und einem bösen Nationalismus. Jedes Bekenntnis zu einer Nation zielt auf die Unterwerfung des Individuums unter das Kollektiv der Nation, die Unterordnung unter den Staat. Der Hass auf andere Nationen ist da immer vom Prinzip her mit eingeschlossen – aber: das Gefährliche am Nationalismus ist nicht der Hass auf die andere sondern die Liebe zur eigenen Nation. In der kapitalistischen Gesellschaft angelegt ist die Identifizierung der Individuen zu Subjekten durch den Staat. Gedanklich nachvollzogen wird dieser Prozess in der Ideologie des Nationalismus, ohne den dieser Prozess gleichzeitig aber auch überhaupt nicht möglich wäre. Im Nationalismus werden die Einzelnen, die als Individuen immer noch mehr sind als bloß Staatssubjekte und Nationsangehörige, durch und durch mit ihrem Begriff identisch gemacht. Nationalistisch gedacht ist ein Deutscher nichts als nur ein Deutscher; und so verhält er sich dann auch.

    aus CEE IEH – der Conne Island Newsflyer 163; I wie Ideologie
    http://www.conne-island.de/nf/163/21.html

  29. 29 flexo 14. März 2009 um 17:11 Uhr

    @schorsch)

    ich hab doch nirgends (zumindest bewusst) den deutschen nationalismus oder nationalismus ansich relativiert. natürlich seid „ihr“ hier hauptsächlich von deutschem nationalismus umgeben und werdet „euch“ auch hauptsächlich mit diesem auseinandersetzen. mir ging es darum, dass die behauptung, dass der deutsche nationalismus besonders schlimm wäre, ins leere läuft. das ist kein widerspruch dazu, dass der deutsche nationalismus für die hier geborenen eine höhere priorität besitzt als der am anderen ende der welt. es ist auch kein widerspruch dazu, dass deutscher nationalismus eine herausragende intensität eingenommen hatte.

    dass ich mich für die deutsche nation ausspreche, ist aus meinen beiträgen eigentlich nicht herauszulesen. das mag durchaus so sein, aber hier gings mir lediglich um ungereimtheiten.

    auch habe ich nicht geschrieben, dass gruppenbildung auf ausgrenzung beruht, sondern das ausgrenzung das resultat einer gruppenbildung ist. das sind dinge, die man als individualist vllt nicht hören will, aber in jeder gruppe herrscht irgendwo ein gruppendruck. ich kenn nicht jeden mensch auf der welt, aber bisher hab ich noch kein grüppchen getroffen, wo man das nicht wahrnimmt und das quer durch alle politischen, religiösen oder ideologischen vorstellungen. wer dem gruppendruck immer wieder zu wider handelt, wird irgendwann ausgegrenzt. warum schließen sich deiner meinung nach menschen zu gruppen zusammen?

    vllt missverstehen wir uns auch einfach, wenn wir vom „ausgrenzen“ reden. ich meine damit nicht, dass sie wie der letzte dreck behandelt werden. schion die artikualtion deiner skepsis oder deine skepsis ansich ist doch schon ein ausgrenzender akt.auch muss man nicht unbedingt ein besonders starkes gruppenbewusstsein konstruieren. du sagst du fühlst dich innerhalb eines bestimmten menschenkreis‘ wohl, in einem anderen dann wahrscheinlich nicht so wohl in weider anderen wahrscheinlich höchst unwohl. und schon bist du der ausgegrenzte und so geht es doch leuten außerhalb deines bevorzugten menschenkreis‘ auch. höchstens die qualität der ausgrenzung variiert. aber dass sie tatsächlich auf null sinkt, wage ich einfach mal zu bezweifeln.

  30. 30 phra:ha:d 14. März 2009 um 20:07 Uhr

    Die Kotze (auch Kotzen) ist ein aus grobem Wollzeug bzw. Loden gearbeiteter ponchoartiger Überwurf ohne Ärmel. Der Schnitt ist entweder rechteckig oder rund und hat traditionell nur ein Knopfloch und einen Brustschlitz. Modernere Formen der Kotze haben häufig einen modischen Stehkragen, eine durchgehende Knopfleiste und Einschubtaschen.

    Die Kotze stammt von der römischen Paenula – einem Überziehmantel – ab, für den es seit dem 1. Jahrhundert Belege gibt. Sie wurde in den Alpenländern als Arbeitskleidung und Wetterschutz getragen und seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auch als Wanderkleidung. Sie eignet sich besonders für Jäger, da sie über Rucksack und Jagdwaffe getragen werden kann. Der Begriff ging von dem groben Stoff auf die daraus gefertigten Kleidungsstücke über.

    Etymologisch mit „Kotze“ verwandt sind das zeitgenössische englische Wort für Mantel (coat) und Kutte.

  31. 31 devnull 14. März 2009 um 21:52 Uhr

    @flexo
    Also nochmal: Dass schon allein aus dem Gruppendasein ein Druck entsteht oder eine Ausgrenzung folgt, stimmt einfach nicht. Aus der Abstraktion „Gruppe“ ist das nicht abzuleiten. Wenn du sowas bei den dir bekannten Gruppen beobachtest, dann steht eine Erklärung der materiellen oder ideologischen Inhalte an, auf denen die jeweilige Gruppe basiert. Aus dem Inhalt ergibt sich dann der Grund für den Druck bzw. die Ausgrenzung. Jedoch nicht daraus, dass die Gruppe eine Gruppe ist.

    Wie dem auch sei, mich würde an dieser Stelle mal interessieren, ob deine Vorstellung bezüglich Gruppe/Druck/Ausgrenzung die Erklärung dafür sein soll, dass mit Nation immer sowas wie Ausgrenzung einhergeht? Diesen Übergang legst du zumindest in deinen Postings immer nahe.

    Wenn dem so wäre, dann machst du es dir ganz schön leicht, weil du über das, was Nation ausmacht (der Zusammenhang von Staat und Volk) gar nicht reden willst.

    „Nation = Gruppe = Ausgrenzung“ ist jedenfalls eine blöde Erklärung.

  32. 32 cosmopolitan 14. März 2009 um 23:30 Uhr

    Natürlich ist Nationalismus nicht spezifisch deutsch, doch spezifisch deutsch ist die Ausprägung realer Taten, sowie die Verleugnung dieser Taten im nachhinein und die Selbststilisierung zum Opfer.
    Nationalismus bedeutet immer die Identifikation des sich (zu Recht) ohnmächtig fühlenden Einzelnen mit einem Kollektiv, zu dem er scheinbar aus Natur (d.h. durch Geburt) gehört. Dieses Kollektiv ist real, insofern es Völker gibt, doch zugleich fiktiv, weil die Vorstellung vom Kollektiv scheinbar einheitlich, in Wirklichkeit jedoch äußerst differenziert ist. Um die scheinbare Gleichheit herzustellen, bedarf es der Ausgrenzung anderer, die nicht mit der Nation identisch sein sollen – was auch potentiellen Nährboden für Antisemitismus bietet.
    Beim deutschen Nationalismus ist außerdem zu beachten, dass er – in absichtlicher Abgrenzung zum Französischen oder Britischen – kultureller Art ist, und damit auch die Grundlage moderner, bürgerlicher Staatlichkeit unterläuft.
    Gerade das Bewusstsein darüber, wohin der deutsche Nationalismus tatsächlich geführt hat, muss in der Konsequenz zu seiner Ablehnung führen.

  33. 33 Mimi 16. März 2009 um 16:03 Uhr

    Zwei Dinge:

    erstens, auch wenn der ex-punker „alex“ sich schon aus dem dialog verabschiedet hat, möchte ich ihn – sollte er es noch lesen – herzlich zur cafe-k veranstaltung „Was ist falsch am Extremismusbegriff?“ am 24.1. am hiesigen Ort einladen

    zweitens schlage ich eine weitere veranstaltung zum thema nationalismus vor, wo sich nach inhaltlicher vorbereitung vllt. auch der spezifisch deutsche nationalismus erörtern lässt…es gibt durchaus einige theoretikerInnen die dazu intensiv gearbeitet haben…
    kurz vorweg: das spezifische am deutschland ist m.e. die kontinuität von ideologieelementen seit dem nationalismus. in der realität schlägt sich dies z.b. im staatsangehörigkeitgesetz (http://www.saechsischer-fluechtlingsrat.de/resources/staatsangeh$C3$B6rigkeitsgesetz.pdf) nieder, welches noch von 1913 aus der wilhelminischen ära stammt und auch den NS durchlebt hat (unter hinzufügung antisemitischer paragraphen). wenn mensch genau hinschaut, bedient sich das StAG ethnischer bzw. kultureller kategorien der inklusion/exklusion zum/vom „Volkskörper“ was sich auch in der realen zuwanderungspolitik niederschlägt…
    auch nationalismusforscher wie gellner gehen davon aus, das deutschland als eines der wenigen länder noch eine volks- bzw. kulturnation ist, wo – anders als bei staatsnationen – keine politischen sondern kulturell/ethnische kriterien die zugehörigkeit definieren. mensch kann also durchaus in deutschland noch von einem verbreiteten spezifischen bewusstsein über eine vermeintliche „deutsche volksgemeinschaft“ ausgehen
    grund genug, um die deutsche nation als produkt von nationalismus (nach gellner und anderson existiert nation nie quasi-natürlich, sondern ist immer konstruktionsprodukt nationalistischer ideologie!!!) abzulehnen, abgesehen davon, dass es m.e. keiner disktinktion zwischen nationalismus, patriotismus etc. bedarf, da sich alle auf dieselbe grundkategorie, und zwar den irrationalen glaube an ein „volk“, stützen. welche merkmale hätten denn dann mitglieder eines „volkes“ gemeinsam? sprache, kultur, geschichte? alles nicht ausreichend trennscharfe kriterien, welche keine gruppe von menschen eindeutig als volk definieren können, weshalb also volk oder nation? leider beharrt vor allem die deutsche mehrheitsgesellschaft kontinuierlich auf konstruierten exklusionskriterien, um einen sogenannten „dt. volkskörper“ performativ zu produzieren…
    soviel an dieser stelle, mehr bei einer evtl. veranstaltung?!

  34. 34 schütten 16. März 2009 um 20:05 Uhr

    na schön. eine veranstaltung würde ich auch begrüßen.
    jedoch sollte dort „nation“ auch im sinne von politischer nation, bürgerlicher staat, kritisiert werden, nicht, dass dann nur „volks- bzw. kulturnation“ abgelegt werden.
    das bedeutet den staat zu kritiseren, eben nicht nur weil er leute ausgrenzt, sondern prinzipiell und damit auch „allgemein“. staatliche gewalt setzt sich immer übers individuum hinweg, staat definiert das volk und nimmt das für diverse sachen in dienst (gewalt gegen „nicht ausgegrenzte“). das fängt beim setzen von eigentum und damit arbeitszwang an und spätestens bei kriegen und ausnahmezustand wird das handgreiflich. „sprache, kultur, geschichte? alles nicht ausreichend trennscharfe kriterien, welche keine gruppe von menschen eindeutig als volk definieren können, weshalb also volk oder nation?“ die definition und die einheitliche „sprache, kultur, geschichte“ wird als staatliches programm durchgesetzt. nationalismus ist dann der irrglaube, dass jenes das eigene projekt wäre. damit ist nicht nur der „irrationale glaube an ein „volk“ und die damit einhergehende „ausgrenzung“ thema, sondern auch was es für leute bedeutet unter dem bürgerlichen staat zu leben. „trennschärfe“? darum gehts doch nicht. devnull hats schon umschrieben: „der bürgerliche staat ist die politische gewalt der kapitalistischen gesellschaft.“
    der spezifisch deutsche nationalismus wird dann zwangsläufig drankommen, die einschränkung im vorfeld finde ich aber beschränkt.

  35. 35 devnull 16. März 2009 um 20:07 Uhr

    Genau! Die deutsche Nation einfach mal „ablehnen“.

  36. 36 Nsdfwezf 23. Juni 2009 um 16:58 Uhr

    2koBHL comment6 ,

  1. 1 Infos und Anlaufpunkte zum 5.3. « Antifa Chemnitz Pingback am 03. März 2009 um 17:53 Uhr
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