16.12.08 | 19:00 | Extreme Zahlen.

Was gibt die offizielle Statistik rechtsextremistische Straftaten her? Eine kritische Analyse. Vortrag und Diskussion

Die wehrhafte Demokratie sei ein Erfolgskonzept, so ist um den 60. Geburtstag des Grundgesetzes vielerorts vernehmbar. Doch wie sehen die Folgen dieses Konzeptes, das einen „starken Staat“ betont, bei der Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Rassismus, Diskriminierung und Verherrlichung des Nationalsozialismus tatsächlich aus? Bis zur Jahrtausendwende war eine an der Bekämpfung der sogenannten Extremismen orientierte politische Kriminalstatistik nicht in er Lage, die deutschen Zustände in ihrer Brutalität zu erfassen. „Tagesspiegel“ und „Frankfurter Rundschau“ legten am 14. September 2000 eine Dokumentation vor, die statt der offiziellen 24 Todesopfer rechter Gewalt 93 Todesopfer seit 1990 auflistete. Wenige Wochen danach gab das Bundeskriminalamt zu, die benutzten Erfassungskriterien für rechte Verbrechen seien „überkommen“, die Lagebilder „nicht nutzbar“. Schlagworte wie „Angsträume“, „No-Go-Areas“ und „National befreite Zonen“ kennzeichnen nach wie vor die Diskussion um Nazigewalt. Ein Indiz dafür, dass sich die Lage im letzten Jahrzehnt nicht entspannt hat. Nach wie vor ist auch die offizielle Statistik der rechten Kriminalität ein zentraler Punkt der alltäglichen politischen Auseinandersetzung, mensch denke nur an den Skandal um frisierte Daten in Sachsen-Anhalt. Die Abforderung der Daten bei den Behörden ist selbst schon ein politischer Akt. In Sachsen fragen Abgeordnete der Linksfraktion im sächsischen Landtag diese regelmäßig vom sächsischen Innenministerium ab und bringen damit die aktuellen staatlichen Zahlen an die Öffentlichkeit. Der Referent hat dieses offizielle Zahlenmaterial ab dem Jahr 2000 zur Analyse aufbereitet und aktualisiert es laufend. Aktuell wird der dringende Bedarf einer eingehenden kritischen Auseinandersetzung in Sachsen immer deutlicher. Widersprüche und Fehler in den offiziellen Daten werden immer häufiger. Der Vortrag soll aus kritischer Perspektive über den aktuellem Stand der regionalen und überregionale Entwicklung der Zahlen zu rechter Kriminalität in Sachsen informieren. Welche offiziellen Zäsuren seit 2000 gab es? Wie wird die die aktuelle Situation darstellt, welche regionalen Schwerpunkte zeigt das Datenmarterial, wieviele Delikte welcher Art wurden offiziell in einzelnen Regionen begangen? Das offizielle Datenmaterial stellt nur einen Bruchteil rechter Aktivitäten und diskriminierender Handlungen dar. Häufig klaffen große Lücken zwischen den offiziellen Daten und den von unabhängigen Opferberatungsstellen gesammelten Informationen. Nicht das offizielle Datenmaterial ist zu verharmlosen, vielmehr ist davon auszugehen, das diese Zahlen die Lage verharmlosend abbilden. Der offizielle Umgang mit den Daten ist oft lapidar, routiniert und unkritisch. Häufig spielen verantwortliche kommunalpolitische Akteure die lokale Situation herunter und behaupten, an diesem oder jenem Ort habe es noch nie Probleme mit Rechtsextremismus gegeben, obwohl selbst die offiziellen Daten das Gegenteil aussagen.
Der Vortrag soll aufzeigen, wie ein kritischer Umgang mit den Problemen aussehen könnte. Ein erster Schritt ist, die offiziellen Daten ernst zu nehmen und bestehende Probleme mit Diskriminierung und Nazipropaganda offen zu benennen. Ein zweiter wäre die unabhängige Sammlung von Daten über antisemitische, rassistische, diskriminierende und ns-verherrlichende Straftaten und Vorfälle und eine kritschen Konfrontation der offiziellen Daten mit unabhängigen Informationen. Mit der Kürzung von Mitteln für Opferberatungsgruppen unterlaufen die Freundinnen und Freunde der wehrhaften Demokratie im Freistaat Sachsen derzeit allerdings systematisch diese kritische Auseinandersetzung. Wie ist darauf zu reagieren?


2 Antworten auf “16.12.08 | 19:00 | Extreme Zahlen.”


  1. 1 peeping tom 08. Dezember 2008 um 0:34 Uhr

    auf flyern und bildungskollektivseite ist nicht der 16.12 sondern der 9.12 für diese veranstaltung notiert: was ist da los?

  2. 2 Administrator 08. Dezember 2008 um 12:02 Uhr

    Die Veranstaltung wurde um eine Woche verschoben!
    Der 16.12 ist also der Korrekte Termin!!!!!

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