Deutsche Zustände

Rassistsische Polizeigewalt gegen asylsuchende Mädchen

Am vergangenen Freitag wurden drei nigerianische Mädchen (14, 13 und 8 Jahre alt) unter Personaleinsatz aus vier Polizeiwaagen verfolgt, in Handschellen gelegt, einem der Kinder wurden die Füße gefesselt. Sie wurden massiv verängstigt und beschimpft.

Die drei Mädchen, die seit vier Jahren in der Bundesrepublik Deutschland um Asyl suchen, sind gemeinsam mit ihrer Tante und ihrer 6jährigen Cousine in einem im Wald gelegenen Asylheim bei Posseck untergebracht. Da sie das isolierte Leben in diesem nahezu leeren Flüchtlingslager nicht mehr ertragen konnten, haben sie aus eigenem Entschluss ein Kinder- und Jugendwohnhaus in Treuen bei Plauen aufgesucht. Unter Absprache einer Vertreterin des Jugendamtes und der Tante der Kinder, wurden sie dort freundlich aufgenommen. Am dritten Tag ihres Aufenthaltes erhielten sie die Information, dass sie zurück in das Asylheim geschickt werden müssen. Als die Mädchen sich weigerten, verständigte die Vertreterin des Jugendamtes die Polizei.

Erschreckt und verängstigt versuchten die Kinder davon zu laufen. Dabei wurden sie von einem Polizeiwagen verfolgt. Als das jüngste Kind gefasst wurde, entschloss sich die älteste Schwester mit ihr zusammen zurückzubleiben. Beide wurden in ein Zimmer gesperrt. Während Sandra weiter zu fliehen versuchte, verlangte die Frau vom Jugendamt den Einsatz von weiterer Polizei. Als das Kind schließlich gefasst wurde, legte man sie in Handschellen und schleifte sie über den Boden. Nach Aussage ihrer Schwestern war sie völlig außer sich und schrie. Dann wurden zwei Schwestern in Handschellen aneinander gekettet, dem dritten Mädchen wurden die Hände auf dem Rücken gefesselt.

Die Kinder gaben an, von der Polizei gezerrt und gezogen worden zu sein, wobei keine Rücksicht darauf genommen wurde, dass sie gefesselt waren und dass sie über Schmerzen klagten. Sophia sagte aus, dass man ihnen einfach nicht zugehört hätte. sie sahen sich Beschimpfungen durch die Anwesenden ausgesetzt und vernahmen die Worte „blöde Kuh“, „Schwarze“, „verrückt“.

Gefesselt wurden sie ins Auto geschubst und in das Asylheim zurück gebracht. Immer noch gefesselt wurden sie dort wieder aus dem Auto gezerrt und in ihr Zimmer im Heim gebracht. Die Handschellen hinterließen sichtbare und schmerzhafte Spuren an den Handgelenken.

Ihre Tante war über die Maßnahme nicht in Kenntnis gesetzt worden. Als die Kinder im Heim ankamen, war sie außer sich darüber, was man den Mädchen angetan hat. Die Kinder selbst stehen unter Schock und klagen über Schmerzen.


RAA Sachsen

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1 Antwort auf “Deutsche Zustände”


  1. 1 raa 11. Juli 2008 um 17:16 Uhr

    Behördliche und polizeiliche Gewalt gegen Asyl suchende Mädchen.

    Kritik des Sächsischen Flüchtlingsrates und der Opferberatung des RAA Sachsen e.V.

    Am 16.05.2008 wurden drei 8, 13 und 14jährige nigerianische Schwestern massiv verängstigt, als sie unter Anwendung physischer Gewalt von mindestens 5 Polizeibeamten zurück in das Asylbewerberheim in Posseck (Vogtlandkreis) transportiert wurden. Straftätern gleich, wurden ihre Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt. Weil sie die Isolation in dem nahezu leeren, sehr abgeschiedenen Asylbewerberheim psychisch enorm belastete, hatten sie zuvor das Kinder- und Jugendwohnheim der AWO in Treuen selbst aufgesucht. Eine Frau, die Augenzeugin bei der Ankunft der Kinder im Asylbewerberheim werden musste, berichtete von einem furchtbaren Ereignis, dass sie in dieser Form noch nicht erlebt hat. Nach dem Rücktransport war der Schock und die Angst den Mädchen deutlich anzusehen. Die jüngste und die älteste Schwester standen zitternd und weinend mit dem Rücken zur Wand des Asylbewerberheims. Ihre 13jährige Schwester wurde mittels eines harten Polizeigriffes und einem Griff an ihrem Hals durch das Gebäude gezogen. Das Kind schrie und weinte. Die Tante der Kinder war von der Maßnahme nicht in Kenntnis gesetzt. Entsetzt über die Behandlung der Mädchen wollte sie dazwischen gehen. Dabei wurde die offensichtlich schwangere Frau durch einen Polizeibeamten zurückgestoßen.

    Wir protestieren gegen das gewaltvolle polizeiliche und behördliche Vorgehen gegen die drei Mädchen und ihre Tante.

    Unabhängig davon, inwieweit das Aufenthaltsbestimmungsrecht im vorliegenden Fall beim Jugendamt liegt, muss dieses sowie der zuständige Träger der Kinder- und Jugendhilfe im Sinne des Kindeswohles handeln. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum die Tante der Kinder nicht über das Ende einer getroffenen Hilfemaßnahme informiert und stattdessen eine polizeiliche Rückführung angeordnet wurde. Eine entsprechende Anfrage des Vereins für interkulturelle Verständigung Vogtland an die zuständige Ausländerbehörde blieb bisher unbeantwortet. Auch das harte Vorgehen der Polizei ist aus unserer Sicht nicht tragbar. Dass es an Stelle von deeskalierenden Maßnahmen zu einer Fesselung von Kindern mit Handschellen kam, ist unverantwortlich. Es ist zu klären, inwieweit hier das „mildeste polizeiliche Mittel“ angewandt wurde.

    Deshalb fordern wir die beteiligten Behörden und Institutionen auf, zu den Geschehnissen Stellung zu beziehen und dieses lückenlos aufzuklären.

    Dieser Protest wird weiterhin unterstützt durch:

    * Birgit Broszeit, AG In- und Ausländer Chemnitz e.V.
    * Doris Winkler, Länderkoordinatorin des Bundesfachverbandes Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge
    * Eine Welt – Verein für interkulturelle Verständigung e.V. Vogtland
    * Kampagne gegen Ausgrenzung von Asylsuchenden
    * Internationale Gärten Dresden
    * AG Asylsuchende des Landkreises Sächsische Schweiz

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