Offener Brief „Gegen jeden Extremismusbegriff.“

Gegen jeden Extremismusbegriff.
Linke, antifaschistische Politik und Kultur sind nicht „extremistisch“, sondern extrem wichtig!

Seit Anfang des Jahres 2008 sind die außerparlamentarische Linke sowie links-alternative Kulturprojekte in Sachsen wieder einmal Ziel einer Diffamierungskampagne, die durch das Innenministerium Sachsen, angeführt von Albrecht Buttolo, ins Rollen gebracht wurde. Unterstützt wird der sächsische Innenminister dabei von VertreterInnen aus Wissenschaft und Medien. Ziel ist es Repressionen gegenüber AntifaschistInnen und Linksalternativen zu rechtfertigen und gegebenenfalls politisch unliebsamen Projekten die Existenzgrundlage zu entziehen.

Als Argument für solche Maßnahmen wird immer wieder das Modell des politischen Extremismus angeführt. Dieses besagt, dass es eine demokratische Mitte der Gesellschaft gäbe, die durch extremistische Ränder bedroht sei. Diese klare Aufteilung verharmlost Rassismus, Antisemitismus und andere Ungleichwertigkeitsideologien, die sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche ziehen, oder blendet sie gänzlich aus. Zudem werden linke Gesellschaftskritik und antifaschistischer Widerstand mit dem Denken und Handeln von Nazis gleichgesetzt. Verkannt wird dabei unter anderem, dass die Gefahr, Opfer eines Naziübergriffs zu werden, dort wesentlich geringer ist, wo sich linksalternative Kulturprojekte, antifaschistische und andere Gruppen gegen Nazis, rassistische Gewalt und Diskriminierung einsetzen.

Die Gleichsetzung von Links und Rechts durch Politik und Medien wollen wir nicht länger hinnehmen. Statt Diffamierung und Repression braucht es mehr Freiräume für antifaschistische und linksalternative Kultur und Politik!

Sind die Linken das Problem? – Der Extremismusbegriff in der Praxis.
Am 12. März diesen Jahres veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung einen offenen Brief von Innenminister Buttolo an den Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung. In diesem Schreiben stellt Buttolo Leipzigs “Diskokrieg” und die Ausschreitungen um diverse Fußballspiele mit Aktivitäten gegen Naziaufmärsche und dem Betreiben linker Kulturprojekte in engen Zusammenhang. Buttolo beklagt neben mangelndem “bürgerlichen Engagement in der Stadt Leipzig” auch die “Untätigkeit der Stadtverwaltung hinsichtlich der Stützpunkte linksextremistischer Gewalttäter in Connewitz” und der damit zusammenhängenden “Gewaltexzesse anlässlich rechtsextremer Demonstrationen”. Das Schreiben Buttolos ist in sofern ein Skandal, als dass es die gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Leipziger Innenstadt dazu instrumentalisiert, eine öffentliche Stimmungsmache gegen die linke Szene voranzutreiben.
Als grundlegendes Argument dient Buttolo dabei immer der Verweis auf den Extremismusbegriff, der besagt, dass “Linksextreme” genauso gefährlich seien wie “Rechtsextreme”. Wie sich dieses Denken in Sachsen schon länger in die Praxis umsetzt, zeigen einige Beispiele aus dem Jahr 2007.

Zum Beispiel Mügeln: Dort kam es im Sommer letzten Jahres bei einem Volksfest zu einer Hetzjagd auf MigrantInnen. Trotz empörter öffentlicher Reaktionen, in deren Folge sich die Stadt teils als Opfer, teils reumütig präsentierte, reagierte die Verwaltung abstruserweise mit der Schließung des einzigen alternativen Jugendclubs “Free Time In”.
Zum Beispiel Mittweida, wo die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr gegen die Nazigruppierung “Sturm 34″ ermittelte: Hier verbot der Oberbürgermeister eine antifaschistische Veranstaltung, den “Antifaschistischen Ratschlag”, um deutlich zu machen, dass Widerstand unerwünscht ist.
Zum Beispiel Colditz: Nachdem Nazis mehrmals eine Turnhalle angegriffen hatten, in der alternative Konzerte stattfanden, reagierte die Stadt Colditz, in dem sie die Konzerte einfach absagte.

Doch nicht nur im ländlichen Raum Sachsens kommt es zu solchen Vorgehensweisen. Als Anfang diesen Jahres ca. 300 Nazis im Leipziger Stadtteil Reudnitz demonstrierten, durfte die Demonstration trotz zahlreicher warnender Hinweise vor einem Haus eine Zwischenkundgebung abhalten , in dem vorwiegend Studierende, junge Familien, linke oder alternative Menschen wohnen. Die BewohnerInnen versuchten dieser Situation zivilen Widerstand entgegenzusetzen, indem sie die Straße mit Musik beschallten und ein Transparent ausrollten. Daraufhin stürmte die Polizei das Haus, ging mit massiver Brutalität gegen die BewohnerInnen vor und zerstörte sämtliche Sicherungen, so dass das Haus ohne Stromversorgung war. Antifaschistisches Engagement wurde an diesem Tag somit stärker als das Treiben der Nazis durch die Polizei behindert.

Dass sich die linke Szene, AntifaschistInnen und Kulturlinke Repressionen ausgesetzt sehen, ist nichts Neues. Schon im Jahr 2000 ermittelte die Staatsanwaltschaft eifrig gegen “Linksextremisten”. Damals versuchte man politische Aktivitäten über §129 StGB, der die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung unter Strafe stellt, zu unterbinden. Nachdem wahllos Wohnungen durchsucht, Telefone abgehört und Menschen schikaniert und kriminalisiert wurden, kam es schließlich zur vollständigen Einstellung aller Ermittlungsverfahren. Auch der Kampf des Soziokulturellen Zentrums Conne Island mit dem Finanzamt Leipzig vor vier Jahren zeigt, auf welchen Wegen versucht wird, linke Politik zu vereiteln. Damals sollte dem Conne Island die Gemeinnützigkeit entzogen werden, weil es auf jede Eintrittskarte 1 Mark extra nahm, um damit antifaschistische Arbeit zu finanzieren.

In all diesen Fällen wird deutlich, was Buttolo in seinem offenem Brief schon angedeutet hat. “Besonders der Linksextremismus ist in der Vergangenheit unterschätzt worden”, ist sich der sächsische Innenminister dort sicher. Für ihn sind nicht die Nazis das Problem, sondern der Extremismus im allgemeinen. Und zum Extremisten wird man schneller als gedacht, das zeigen die Beispiele von Mügeln, Colditz, Mittweida oder Leipzig.

Mit dieser Meinung steht Buttolo keineswegs alleine da. Als es in der Silvesternacht 2007/2008 zu Auseinandersetzungen zwischen PartybesucherInnen und Polizei kam, wobei die Polizei wahl- und hemmungslos Feiernde oder PassantInnen verprügelte, machte die Leipziger Volkszeitung die “Ausschreitungen” zum politischen Wochenthema. Sie interviewte dazu den Extremismusforscher Eckhard Jesse, der jede Gelegenheit nutzt, um vor den Gefahren des “Linksextremismus” zu warnen. Zwar verfügt Jesse in Sachsen über die Deutungshoheit, wenn es um “Extremismus” geht, sein aus der Totalitarismustheorie hervorgegangener Extremismusansatz wird aber in akademischen Kreisen, insbesondere von renommierten SozialwissenschaftlerInnen und „RechtsextremismusforscherInnen“ wie z.B. Richard Stöss, Christoph Butterwegge oder Oliver Decker und Elmar Brähler abgelehnt.

Jesse und seine MitstreiterInnen wie Uwe Backes werden einerseits von Institutionen wie dem Verfassungsschutz, der Bundeszentrale für politische Bildung, der CDU in Bund und Land oder der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung hofiert und finanziert. Andererseits ist es kein Geheimnis, dass Jesse auch Kontakte zu ProtagonistInnen der Neuen Rechten und bekennenden Nazis pflegt. Durch die gemeinsame Buchveröffentlichung mit Rainer Zitelmann zum Thema “Historisierung des Nationalsozialismus”, die enge Zusammenarbeit mit Joseph Kneifel, aktives Mitglied der Naziorganisation “Hilfsgemeinschaft für Nationale Gefangene” und seine wiederholten antisemitischen Äußerungen zeigt Jesse deutlich seine Nähe zu rechten Kreisen und Ideologien.
Nichtsdestotrotz wird der Extremismusbegriff von der sächsischen CDU und regionalen Medien wie der LVZ stets aufs Neue lanciert und von der breiten Bevölkerung mitgetragen. In diesem Zusammenhang wird auch und immer wieder gern zugunsten der Forderung nach einem starken Staat das Recht auf Versammlungsfreiheit in Frage gestellt. Linke Gruppen und AntifaschistInnen werden dadurch mit StalinistInnen, IslamistInnen, HolocaustleugnerInnen und Nazis in einen Topf geworfen.

Die Theorie zur Praxis: Die “Extremismusformel”
Den Begriffen „Rechts- und Linksextremismus“ liegt die Extremismustheorie zugrunde: das Verständnis einer Bedrohung der Gesellschaft durch „Extremisten“. Eine Differenzierung nach Einstellungen und politischen Zielen erfolgt nicht. Vermittelt wird vielmehr, dass eine politische Mitte der Gesellschaft existiert, die sich von diesen Extremen klar abgrenzen lässt.

In den Problemwahrnehmungen und in der politischen Praxis werden rechte Einstellungen dann meist erstens als Jugendproblem, zweitens als Gewaltproblem und drittens als Abweichung von nicht genauer definierten politischen Normalitätsbereichen beschrieben. Dass diese Beschreibung keine empirische Entsprechung hat, zeigen die Ergebnisse zahlreicher Studien z.B. von den Leipziger Forschern Decker & Brähler oder von Wilhelm Heitmeyer. Rassismus, Antisemitismus, völkischer Nationalismus, autoritäre Ordnungsvorstellungen, sexistische Rollenzuweisungen, Sozialdarwinismus und andere Versatzstücke nationalsozialistischer Ideologie sind danach für weite Teile der Bevölkerung konsensfähig, unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Einkommensverhältnissen oder Parteipräferenz.

Nach der Logik der “Extremismusformel“ gilt es den demokratischen Verfassungsstaat gegen politische Extreme zu verteidigen, da diese “in der Regel auf grundsätzlicher Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt, Toleranz und Offenheit basieren”. Dabei spielt die Betonung der formalen Gleichheit von linkem, rechtem und seit einigen Jahren auch “Ausländer-”Extremismus eine entscheidende Rolle. Aus diesen festen Bestandteilen ergibt sich auch die politische Relevanz der Extremismusformel. Denn auch wenn sie eigentlich aufs wissenschaftliche und politische Abstellgleis gehört, dient sie staatlichen Ordnungsorganen und PolitikerInnen als Handlungsgrundlage, wenn es darum geht, politische Aktivitäten von all jenen zu delegitimieren, die zentrale Elemente der Naziideologie ablehnen, sei es das Leitbild einer ethnisch homogenen Volksgemeinschaft oder der Ruf nach dem autoritären Staat.

Des Weiteren lässt sich auf politischer Ebene mit Rückgriff auf den Begriff des politischen Extremismus trefflich die Existenz von Nazistrukturen und der sie unterstützenden Rahmenbedingungen verharmlosen. So kann über Nazigruppen und deren Aktivitäten geschwiegen werden, wenn die Gefahr für die Demokratie angeblich von linken Gruppierungen, die gegen Rassismus und Antisemitismus vorgehen, ausgeht. Debattiert wird dann wochenlang und öffentlichkeitswirksam über „Randale“ in Connewitz oder über „kriminelle Ausländerbanden“, während die steigende Zahl der Naziübergriffe und – aktivitäten sowie von Alltagsrassismus und anderen Diskriminierungen eine Randnotiz bleibt.

Und schließlich eignet sich die Formel des Extremismus, um eine vermeintlich “normale Mitte” von ihren “Rändern” zu trennen. Dort, wo Naziideologien zum Randphänomen erklärt werden und damit deren Verbindung zur bundesrepublikanischen Normalität geleugnet wird, dort gibt es auch keinen Platz für eine notwendige und berechtigte linke Kritik z.B. an institutionellem Rassismus in deutschen Gesetzen oder Behörden und alltäglichem Rassismus und Antisemitismus. Rechte Ideologie wird in diesem Zusammenhang zur Randerscheinung gemacht und die “demokratische Mitte” kann sich ihrer moralischen Legitimation sicher sein.

Und nun? Für eine Stärkung linker emanzipatorischer Projekte!
Eine Phalanx konservativer PolitikerInnen und Medien instrumentalisiert die gewalttätigen Zusammenstöße in der Leipziger Innenstadt genau auf Grundlage dieses äußerst umstrittenen Extremismusbegriffs. Antinazipolitik wird durch die Zuschreibung “extrem” diffamiert und verhindert. Dabei ist es doch klar, dass der Extremismusbegriff das Naziproblem nicht erklären kann. Scheinbar ist es nicht das Ansinnen, eine Lösung zur Verhinderung weiterer Gewalttaten zu finden, vielmehr wird die stadtweite Aufregung und polizeiliche Ratlosigkeit zum Anlass genommen, um gegen die linke Szene Stimmung zu machen. Es ist offensichtlich, dass die existenzielle Grundlage linker Kulturprojekte und antifaschistischer Politik Ziel dieses Vorgehens ist. Eine derartige Diffamierung antifaschistischer und kultureller Arbeit können wir nicht hinnehmen.

Es ist heute dringend notwendig, eine radikale Gesellschaftskritik zu formulieren und damit auch Naziideologien in der sogenannten Mitte der Gesellschaft und Nazistrukturen zu bekämpfen. Hierfür brauchen wir nicht weniger, sondern mehr unabhängige linke Projekte!

Initiative gegen jeden Extremismusbegriff

Zum Thema Jesse gab es in der Reitbahnstraße ja schon mal eine Veranstaltung.


26 Antworten auf “Offener Brief „Gegen jeden Extremismusbegriff.“”


  1. 1 Normalzustand Rot 17. Mai 2008 um 15:28 Uhr

    Will die Antifa lieber der politischen Mitte angehören?

  2. 2 pffft 19. Mai 2008 um 20:14 Uhr

    Zum einen: vergleichen ist nicht gleichsetzen, und Vergleichspunkte gibt es sehr wohl. Leider ist die Weltsicht extremer Linker oft ähnlich engstirnig wie die Rechter, d.h. nicht sie haben die gleiche Weltsicht.
    Auch habe ich in der vergangenheit, bei demos etc., linke aggressiver erlebt als rechte. traurig ist das. ich wäre gern links, aber fast alles, was sich als links bezeichnet geht mir zu weit…

  3. 3 pohrt 19. Mai 2008 um 21:58 Uhr

    interessant, dass beim vergleichen die linke „aggressiver“ ist. gleichgesetzt wid damit natürlich nicht. du wärst „gern“ links? was ist denn links für dich, wenn alles für dich zu weit geht?

  4. 4 pohrt 19. Mai 2008 um 22:00 Uhr

    interessant, dass beim vergleichen die linke aggressiver ist. so setzt du eben nicht gleich.

  5. 5 pfft 20. Mai 2008 um 17:56 Uhr

    vergleichen = unterschiede + gemeinsamkeiten

    gemeinsamkeit: aggressivität
    unterschied: bei demos linke oft aggressiver

    gleichsetzen = alle gleich, es gibt keine unterschiede

    gleichsetzen ist scheiße, aber punkte, die man vergleichen kann, gibt es

    ich würde es aber nicht wagen, behauptungen aufzustellen, über DIE linke oder DIE rechte, weil ich nur von meinen erlebnissen ausgehen kann

  6. 6 mosafaka 20. Mai 2008 um 20:16 Uhr

    warum will sich mensch denn links nennen wenn links doch viel zu radikal sein soll?? links sein ist schon cool aber politik ist lahm?? inhalte sind mir zu doof??? kapier ich nicht naja dafür bin ich wohl einfach zu links…

  7. 7 seruun 20. Mai 2008 um 21:37 Uhr

    Der Punkt ist ja, dass die „Linken“ im Gegensatz zu den Nasen eben für die Gleichberechtigung aller Menschen, Menschenrechte etc. eintreten. Ich würde mich auf jeden Fall als „linksextrem“ bezeichnen und lehne Gewalt gegen Menschen deswegen ab!!
    Nun hat man aber das (wirkliche) Problem – im Gegensatz dazu sind die „Ausschreitungen“ auf linken Gegendemonstrationen lächerlich gering – mit Regionen wie Mittweide, in der die Nazis ihre Hegemonie mit extremer Gewalt gegen alle Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen durchsetzen. In solch einer Situation ist es oft die einzige Möglichkeit (auch da die Zivilgesellschaft oft versagt) die Selbstwehr zu üben und zu organisieren, um nicht völlig unter zu gehen. Und wenn dann mal antifaschistische – oder wie man sie auch nennen will – Gegenwehr erfolgt, regt sich die Zivilgesellschaft über die Linken auf, die doch auch nicht besser als die Nazis seien. Insofern kann ich die Initiative nur unterstützen!!

    Aber trotzdem sollte sich so manche/r „Linke/r“ meiner Meinung nach – bezogen auf Dogmatik, Schwarz-Weiß-Denken und „unnütze“ Gewaltanwendung – stärker selbst reflektieren und die eigenen Handlungen an das, was er/sie von den anderen fordert, anpassen. Die Revolution beginnt vor allem bei jedem selbst!!!

  8. 8 flexo 21. Mai 2008 um 7:24 Uhr

    die frage ist doch was „links“ überhaupt ist. kann man stalin beispielsweise als links bezeichnen? er begründete seine herrschaft zwar mit linker theorie, doch die praxis sah wohl ein bisschen anders aus. leider rennen einige teile der linken nach wie vor den leuten hinter her, die die gesamte linke theorie ad absurdum führten.

    zum, extremismusbegriff: warum die aufregung? eine gleichsetzung findet mitnichten statt und vergleichen kann man doch sehr wohl. extrem heißt am äußersten rand bzw. außerhalb der mitte. nun welcher linke behauptet denn jenseits aller taktischen floskeln, dass er die herrschenden zustände, hier als „mitte“ klassifiziert ablehnt? dass sich teile dieser linken auf die „veratenen ideale“ der mitte berufen und sich damit sozusagen als „wahre mitte“ darstellen, ändert doch nichts. der bezugspunkt ist die „realexistierende mitte“ und dieser stehen die extremisten jeglicher coleur feindlich gegenüber.

  9. 9 flexo 21. Mai 2008 um 7:26 Uhr

    da fehlt ein „nicht“ vor ablehnt…

  10. 10 mosafaka 21. Mai 2008 um 11:12 Uhr

    eine gleichsetzung findet nicht statt? hast du den text gelesen? wurdest du schonmal mit dem extremismusbegriff konfrontiert? ich denke der text zeigt ganz gut auf wo was gleichgesetzt wird und was nicht verglichen wird. zu mal der der begriff auch impliziert das die mitte nicht extrem sein könnte, ich finde jedoch ein system in dem ein menschenleben nix und kapital alles bedeutet EXTREM menschenverachtend.

  11. 11 flexo 21. Mai 2008 um 14:13 Uhr

    extrem ist doch nur relativ. wenn die „mitte“ der fixpunkt ist, dann ist alles außerhalb der mitte mit steigendem abstand extrem. das genau ist das problem an der negativen extremismusdefinition, nach der eben extremismus die generschaft zum herrschenden system ist. insofern wären demokratische dissidenten in einer diktatur auch extremisten. es gibt auch noch eine positive definition, die zum bsp. identitäres demokratieverständnis als merkimal des extremismus aufzeigt. und dieses gibt es nun mal ganz links, wie ganz rechts.

  12. 12 Seruun 22. Mai 2008 um 0:02 Uhr

    Das Problem ist ja aber, dass man in einer Demokratie versucht über die Exetremismusdefinition auch Kräfte zu unterdrücken, die vor allem über diese Idee hinausgehen wollen, hin zu mehr Demokratie und wirklicher Gleichberechtigung aller Menschen und das unabhängig von Sozialstatus, Herkunft, Hautfarbe, sexueller Orientierung usw.

  13. 13 flexo 22. Mai 2008 um 14:35 Uhr

    das bestreite ich ja gar nicht, aber für dieses system seid ihr trotzdem extremisten. wer das system ansich ändern will, steht entweder am äußersten rand des systems oder sogar außerhalb und das ist es, was extrem bedeudet. man sollte sich doch nicht an die öffentlichen assoziationen „extremismus = böse“ halten. dass dioese ansicht besteht ist auch wiederum kein wunder. wer das sytsem revolutionieren will, kann nicht erwarten, dafür von den profiteuren dessselben geliebt zu werden.

  14. 14 mosafaka 22. Mai 2008 um 16:02 Uhr

    es geht ja auch nicht um liebe sondern darum sich gegen verleumderische gleichsetztung mit nazis und anderen spinnern zu wehren. und warum nicht mit der öffentlichen assoziation arbeiten? womit denn dann? es geht doch auch um die öffentliche Meinung.

  15. 15 flexo 22. Mai 2008 um 20:31 Uhr

    man sollte sich aber nicht selbst mit der öffentlichen meinung identifizieren. wo erfolgt denn die gleichsetzung? es erfolgt lediglich ein vergleich. und dam gibts nun mal gemeinsamkeiten (ablehnung der derzeitigen herrschaftsform, etc.) und unterschiede.

  16. 16 Seruun 22. Mai 2008 um 21:39 Uhr

    Leider ist es aber nicht so, denn die Vertreter der Demokratie vor allem der rechte Flügel versuchen immer wieder nicht nur die Nazis, sondern auch die Antifa als Gefahr für die Demokratie darzustellen. Auch hat Schäuble beispielsweise vor Heiligendamm immer wieder versucht die linke Szene zu kriminalisieren und letztendlich zu radikalisieren, die Presse ist dann auch wunderbar darauf eingestiegen und hat fast nur von bösen Gewalttätern gesprochen anstatt über den unverhältnismäßigen Einsatz der Cops in Rostock und anderswo, den friedlichen Protest von Tausenden und deren Kritik(!!) zu berichten. es gibt viele Beispiele mehr, die zeigen dass (zu)viele Vertreter der so genanten Mitte die „Altenativen“ nicht will und sie versucht zu kriminalisieren.

  17. 17 Seruun 22. Mai 2008 um 21:44 Uhr

    Man sollte aber nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, denn diese vermeintliche Gemeinsamkeit unterschlägt, dass die Linken die Demokratie „weiterentwickeln“ wollen (außer so mancher Kaderkommunist.
    Die Nazis wollen das Gegenteil. Insofern ist das keine Gemeinsamkeit (Hufeisentheorie) sondern es sind zwei Pole…meinetwegen eines ungespitzten Bleistiftes…

  18. 18 flexo 23. Mai 2008 um 13:05 Uhr

    nuja, was heißt als gefahr für die demokratie darstellen. sie SIND eine gefahr für DIESE demokratie. wie demokratisch diese nun ist, sei dahingestellt. und natürlich kann ich auch äpfel mit birnen vergleichen. es sind beiodes früchte;)
    ein vergleich uist nicht notwendig eine relativierung. auch im hufeisenmodell stellen links und rechts entgegengesetzte pole dar, wie bspw. beim hufeisenmagnet. das hufeisenmodell ist insofern richtig als dass es als bezugspunkt das herrschende system darstellt. du siehst von links nach rechts eine gerade, die quasi nach rechts hin immer böser wird. die vertreter des herrschenden systems biegen den bleistift quasi in der mitte durch, um sich selbst an den anfang zu setzen (nur dann nicht von links nach rechts, sondern von oben nach unten).

  19. 19 mosafaka 23. Mai 2008 um 19:24 Uhr

    ja und wie du vielleicht gerade selbst festgestellt hast ist eine solche vereinfachung nicht gerade brauchbar für einen diskurs. weil so wie apfel und birne früchte sind, sind linke und rechte menschen, sowie mensch mag es kaum glauben die sogenannte mitte aus menschen besteht. jedoch bringt diese erkenntnis dem diskurs nicht und hilft nur der vereinfachung und der gleichsetzung, würden links und rechts objektiv verglichen werden, würde auch die öffentliche meinung daruaf kommen dass links nicht gleich rechts ist und das mitte näher an rechts ist als links und andersherum. den diskurs mit dem argument zu führen links und rechts hätten etwas gegen diese demokratie und seien sich daher ähnlich ist ein ähnliche vereinfachung. gleichzeitig könnte mensch auch feststellen dass rechte und die mitte ja nur das „beste“ für die „deutschen“ wollen und sie daher gleich sind. Wobei ich persönlich es schon sehr merkwürdig finde wenn ein mensch welcher nur all zu gerne von der NPD zitiert wird und sich selbst in der mitte sieht, behaupten kann objektiv gegen extremismus zu kämpfen oder zu agitieren oder was auch immer…

  20. 20 flexo 26. Mai 2008 um 20:33 Uhr

    ohne vereinfachungen ist aber keine wissenschaft möglich. wissenschaft ist doch gerade das verstehen der wirklichkeit unter zu hilfenahme der abstraktion. das rechts näher an der mitte ist als links, ist wohl eher deine interpretation der zustände. natürlich gibt es latent rechte tendenzen in der bevölkerung und besonders nach dem zehnten bier. aber das selbe gibts auf der linken genauso. das „spiesbürgertum“ ist immer offenfür linken oder rechten populismus. die wahlergebnisse der linken zeigen das ja am praktischen beispiel. das hat aber weder auf der einen noch auf der anderen seite eine tiefgründige politische meinung zur folge. beide extreme (da sind wir wieder beim extremismus) haben ihre wurzeln in der derzeitgen gesellschaft. deswegen kann man beides auch latent in der mitte sehen.

  21. 21 mosafaka 26. Mai 2008 um 22:59 Uhr

    es ist jedoch ein unterschied ob ich im wissenschaftlichen sinne vereinfache oder ob ich mir rosinen raus picke um meine ideologie zu rechtfertigen. und wenn schäuble jetzt in einer pressekonferenz zum 15. jahrestag des brandanschlages in solingen vor jedem extremismus warnt und seine gestapo phantasien zu rechtfertigen stellen sich mir die nacken haare auf.

    so das wars von mir viel spaß in deiner welt, ich bleib in meiner…

  22. 22 flexo 27. Mai 2008 um 19:46 Uhr

    hehe, dachte ich mir…
    das rosinen rauspicken macht wohl jeder.mal mehr und mal weniger bewusst. du nennst zum beispiel solingen, um die gefährlichkeit des rechtsextremismus zu thematisieren. auf der anderen seite lässt du brandanschläge von links oder bombenanschläge von islamisten gekonnt außen vor. natürlich wirst du mir für die linken anschläge gründe nennen können und aus deiner sicht werden wahrscheinlich die opfer auch keine unschuldigen sein. das wiederum liegt aber nur daran, dass du aufgrund ideologischer parallelen diese anschläge nachvollziehen kannst. fehlen die parallelen kannst du es nicht. folglich liegt die legitimität von gewalt lediglich in der ideologie des betrachters betrachtet. um es weniger anklagend zu formulieren in seinen wertevorstellungen. das alles ändert nix daran, dass linke, rechte und alle möglichen anderen extremisten (links und rechts ist mir tatsächlich zu vereinfacht) die herrschenden zustände aus unterschiedlichen gründen ablehnen. ALLE sind der meinung dies nur zum besten der gesellschaft zu tun, daher scheidet dieses argument aus. schäuble ist mal wieder so ne sache für sich/:)

  23. 23 ich möchte gern... 27. Mai 2008 um 21:07 Uhr

    Ich möchte gern links werden !
    …vielleicht sogar links-extrem oder links-radikal !!!
    Was muß ich dafür tun ?

  24. 24 pohrt 28. Mai 2008 um 12:25 Uhr

    zu uns kommen und küchendienst.

  25. 25 Hans Kanns 08. Juni 2008 um 3:15 Uhr

    Ich denke auch dass eure Ideen zur Beseitigung von Rechtsextrimisten in einer anderen Gesellschaftsform (die mir momentan nicht plausibel erscheint) sicherlich ihre Berechtigung finden würden. In der momentanen Gesellschaft (die sich durch Dinge wie Rechtsstaatlichkeit und damit verbunden zum Beispiel Meinungs- und Versammlungsfreiheit kennzeichnet)ist nunmal jede Form von Abweichung asozial, egal ob als extrem zu bezeichnen oder nicht, sie weicht von gesellschaftlichen Normen und Werten ab, worin ich auch keine Differenz zwischen links- und rechts“extrem“ sehen kann. Zur Abweichung gesellschaftlicher Normen zählt dabei auch beweislose Differmierung wissenschaftlichen Personals…Desweiteren ist ein spezifisches Zeichen der Zeit (in dem Fall auf die Institution der Universität bezogen)die Ökonomisierung verschiedener Gesellschaftsteile (in dem Fall studieren um Abschluss zu erzielen, weniger um Links- Rechts Schemen, die so nur einen kleinen Teil der gesellschaftlichen Realität ausmachen, in großem Umfang zur Realität einer Linken Geseellschaftskritik zu ernennen)

  26. 26 ordnung.macht.extremismus 24. März 2010 um 10:50 Uhr
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