Bericht zur Ausstellung „desire squat resist – Bethanien meets Reba84″

Die Ausstellung
desire squat resist – Bethanien meets Reba84

>> www.bethanien.info >> www.yorck59.net

Die Ausstellung stellt anhand von Fotos, Texten, Flyern und Plakaten den Hauskampf um das Hausprojekt Yorck59, die erfolgreiche Besetzung des Bethanien 2005, die verhinderte Privatisierung dieses öffentlichen Eigentums und die lange Tradition des Widerstandes in Kreuzberg dar.

Eröffnung der Ausstellung

Am Freitag, den 14.03.2008 wurde die Ausstellung BETHANIEN MEETS REBA84 mit der Vorstellung des Bethanien/NewYorck und einer Diskussion über Privatisierung, Stadtumstrukturierung und Widerstandsformen dagegen eröffnet. Anschließend wurde der Kreuzberg-Film aus den 70ern „Geschichte wird gemacht! Berlin am Kottbusser Tor (Protestbewegung und Stadtsanierung in Kreuzberg SO 36)“ des Kreuzbergmuseums (www.kreuzbergmuseum.de) gezeigt. Am Samstag gab es eine Veranstaltung zur „Yorck59 – Geschichte eines Hausprojektes“ mit Filmschnipseln, Information, Diskussion zu Strategien und Erfahrungen im Hauskampf, sowie Modellen und Organisierung des Gemeinschaftsleben.

Das Bethanien in Berlin-Kreuzberg

Geschichte des Bethanien

Das 1845 als Krankenhaus erbaute Bethanien in Berlin-Kreuzberg steht für eine lange Geschichte des gesellschaftlichen Widerstandes gegen Leerstand, Stadtumstrukturierung, Gesundheitspolitik und Privatisierung öffentlichen Eigentums. Ein breites Bündnis verhinderte in den 60ern den Teilabriss des Gebäudes. In den 70ern wurde ein Nebengebäude von Jugendlichen als erstes Haus in Berlin besetzt (Georg-von-Rauch-Haus), und ebenfalls in den 70ern stritt das „Kampfkomittee Bethanien“ für die Einrichtung einer Kinderpoliklinik anstelle eines Künstlerhauses. Der Teilabriss wurde verhindert. Das besetzte Nebengebäude wurde legalisiert. Die Kinderpoliklinik konnte nicht durchgesetzt werden. So wurde aus dem Bethanien ein Künstlerhaus mit einigen sozialen Einrichtungen.
Der Gemischtwarenladen Bethanien

Ein Konzept für das ganze Haus wurde nie gefunden. Dies wurde zwar oft bedauert, aber zum wirklichen Problem wurde es erst als zwei Jahrzehnte neoliberaler Politik die Kommunen an den Rande des Ruins brachten. Das Bethanien war plötzlich „zu teuer“ und der Vorschlag der PolitikerInnen zur Lösung dieses Problems war, wie so oft, die Privatisierung. Diese erwies sich aber in Kreuzberg mit seiner widerständigen Tradition als nicht so einfach. AnwohnerInnen und von Kündigung bedrohte soziale Einrichtungen des Bethanien begannen sich zu wehren. Als dann das Hausprojekt Yorck59, das gerade aus seinem Haus gewaltsam geräumt wurde, einen leerstehenden Teil des Bethanien besetzte und sich die aus AnwohnerInnen bestehende „IZB – Initiative Zukunft Bethanien“ solidarisierte, gerieten die „linken“ Bezirkspolitiker mehr und mehr in die Defensive. Nach einem erfolgreichen BürgerInnenbegehren und angesichts einer bevorstehenden Bezirkswahl blieb den PolitikerInnen nichts anderes übrig als dem Kompromiss zuzustimmen, im Bethanien ein kulturelles, künstlerisches, soziales und politisches Zentrum zu errichten. Zur Umsetzung des Kompromisses richtete der Bezirksbürgermeister einen „Runden Tisch“ mit NutzerInnen, AnwohnerInnen und PolitikerInnen ein.
Aktueller Stand des Bethanien Anfang 2008

Das das offene künstlerische, kulturelle, politische und soziale Zentrum, entgegen dem Kompromiss vom September 2006, letztendlich nur im Südflügel und nicht im Gesamt-Bethanien verwirklicht wurde liegt am Einfluß und der Macht der Künstlerhaus Bethanien GmbH und der Druckwerksatt. Unterstützt durch hochrangige Kulturinstitutionen und –politiker hat sie durch ihre Lobby- und Pressearbeit und die Drohung ihres Auszuges aus dem Bethanien die Friedrichshain-Kreuzberger Politiker, die zumindest teilweise einem sozialen Zentrum aufgeschlossen gegenüberstanden, verschreckt. Dem größeren Teil der Politiker war ein selbstorgansierter Prozess von Unten von Anfang an suspekt und sie waren froh diesen auf die NewYorck beschränken zu können. Die KunstnutzerInnen konnten so die beiden Forderungen des BürgerInnenbegehrens Einrichtung eines offenen künstlerischen, kulturellen, politischen und sozialen Zentrums und eines interkulturellen AnwohnerInnenforums im Hauptgebäude verhindern. Allerdings konnten 3 von 5 Forderungen des BürgerInnenbegehrens durchgesetzt werden: keine Privatisierung des Bethanien, Verwaltung durch einen gemeinnützigen Träger, Legalisierung und Verbleib der NewYorck.


www.yorck59.net/reba84/

Indymedia Artikel
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