190 und kein bisschen leiser | 3. Mai

Karl Marx feiert seinen 190 Geburtstag! Das ist für uns in Ex-Karl-Marx-Stadt ein guter Grund uns mal wieder zu bilden und ein bisschen zu feiern.
Losgehen wird das ganze am 3. Mai um 15 Uhr am Karl-Marx-Kopf mit Vorträgen von Robert Kurz zum Thema „Einführung in die Wertkritik“ und Ingo Elbe „Lesarten der Marxschen Theorie“.
Danach wird Holger Burner seinen Propagandarap zum besten geben und am Abend kann Mensch dann noch auf der Reitbahnstr. 84 bei einem Bier über das gehörte Reflektieren und Diskutieren. Für die musikalische Unterhaltung ist auch gesorgt.

Über die Aktualität von Marx neben Marx.

Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems sah es so aus, als hätte sich der Kapitalismus weltweit und auf alle Zeit als alternativloses Wirtschaftssystem und Gesellschaftsmodell durchgesetzt. Marx wurde als unzeitgemäß, vermeintlich von der Praxis widerlegt verworfen und totgesagt. Resignation in der “Linken” machte sich breit und eine Gesellschaft jenseits kapitalistischer Zumutungen erschien und erscheint den meisten Menschen nur noch als eine völlig realitätsferne Utopie. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Im Gegenteil zur Rede von einem “Ende der Geschichte” machte die jüngere Vergangenheit deutlich, dass der Kapitalismus auch nach seinem scheinbaren Sieg weiterhin mit Kriegen, Krisen und Verelendung einhergeht. Diese Entwicklungen wurden von verschiedenen Bewegungen aufgegriffen und zum Ansatzpunkt von Kritik gemacht. Insbesondere die “globalisierungskritische” Protestbewegung wurde in diesem Zusammenhang zu einem Akteur des Widerstandes gegen – gegen was eigentlich? Und wofür?

Im Verlauf der Auseinandersetzungen tauchen immer wieder grundsätzliche Fragen auf: Wie funktioniert der gegenwärtige Kapitalismus, wie hängen Kapitalismus, Staat und Krieg zusammen und was ist systemimmanent überhaupt an Veränderung möglich? Spätestens seit den Debatten um die “Heuschreckenschwärme” ist von einer neuen Kritik am Kapitalismus die Rede, Marx schaffte den Sprung auf die Titelseiten großer deutscher Zeitungen. Die Frage ist allerdings, was das ganze mit Marx zu tun hat. Welcher Begriff vom “Kapitalismus” wird sich hier gemacht? Was sind die Gegenstände der Kritik oder will man eigentlich bloß zurück zu einem staatlich regulierten und “zivilisierten” Kapitalismus und auf die Krisen gern verzichten? Woher kommt nochmal die permanente Krise?

Marx war es, der den Gegenstand seiner Kritik im Kapitalismus “im idealen Durchschnitt” sah und die Analyse der inneren Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft mit dem Ziel ihrer Überwindung verband. Marx analysierte vor 150 Jahren die destruktive Logik des kapitalistischen Akkumulationsprozesses in ihren Grundzügen, eine Logik die von derart unverschämten Verhaltenszumutungen an die Menschen geradezu strotzt und die neben obszönen und geschmacklosen Reichtum eine derartige Massenarmut im Weltmaßstab erzeugt. In seiner blindwütigen Dynamik ist der Kapitalismus von solch unerhörten Katastrophenpotenzen gezeichnet, dass dessen Fortbestehen des Kapitalismus geradezu unvermeidlich immer wieder neue Motive und Gedanken radikaler Kritik hervorbringen muß.
Allein das verweist bereits auf die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Denken von Karl Marx. Aber wie für jedes theoretische Denken, das über das Verfallsdatum eines bestimmten Zeitgeistes hinausreicht, gilt auch für das Marxsche Werk: es bedarf immer einer jeweils neuen Annäherung, die neue Seiten entdeckt und alte Interpretationen verwirft. Die Antwort auf die Frage wie der Kapitalismus funktioniert, hat eben auch unmittelbar praktische Relevanz für jede sich kapitalismuskritsch verstehende Bewegung.

Im früheren Karl-Marx-Stadt steht bekanntlich immer noch das Karl-Marx-Monument und eben dieser wurde am 05. Mai 1818 geboren. Zum 190. Geburtstag von Karl Marx soll hier am 03. Mai ein Symposium zur Aktualität von Marx stattfinden.
Als Referenten für das Open-Air-Symposium (und damit auf der Straße!) sind Ingo Elbe und Robert Kurz, zwei Repräsentanten aktueller linker Theoriebildung und gründliche Marxleser eingeladen. Ingo Elbe (Dortmund) ist Mitautor des Buches „Das Kapital neu lesen. Beiträge zur radikalen Philosophie, Münster 2006″, hat an der Ruhr-Universität Bochum Philosophie studiert und promoviert zur Zeit zu dem Thema „Marxrezeption in der Bundesrepublik“. Er gibt Tagesseminare zum Thema „Staatstheorien“ und gehört zum Kollektiv der Roten Ruhr-Universität Bochum. Robert Kurz (Nürnberg) ist in der wertkritischen Theoriegruppe “Exit” aktiv, die eine gleichnamige Zeitschrift herausgibt. Er lebt als Referent und freier Publizist und ist Autor u.a. der Bücher “Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt am Main 1999” und “Marx lesen. Die wichtigsten Texte von Karl-Marx für das 21. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2001”

Die Veranstaltung wird von mehreren Chemnitzer Initiativen und Projekten wie yes, der Reitbahnstraße 84, dem b-hof und dem AJZ organisiert. 2008 sind noch weitere Seminarreihen und Tagesseminare geplant, die sich nicht nur, aber auch mit Marxscher Theorie auseinandersetzen. InteressentInnen an Bildungsangeboten in Chemnitz können sich am besten an das Bildungskollektiv Chemnitz wenden.

Chemnitz, Karl-Marx-Monument, Brückenstraße
Samstag, 03. Mai 2008, 15 Uhr


7 Antworten auf “190 und kein bisschen leiser | 3. Mai”


  1. 1 flexo 20. April 2008 um 13:00 Uhr

    ist holger burner nicht kürzlich durch antisemitismus aufgefallen?

  2. 2 hillbilly 21. April 2008 um 8:25 Uhr

    holger burner wurde von den falken ein antisemitismus vorwurf gemacht.
    http://inforiot.de/news.php?topic=news&article_id=11847

    das war aber nicht kürzlich und wurde bereits ausführlich diskutiert:
    unter http://lysis.blogsport.de/2007/05/12/holger-burner-stellt-die-soziale-frage/ wird die ganze sache noch etwas genauer auseinander genommen und die frage aufgeworfen ob so was legitime kapitalismus kritik ist.
    vielleicht sollte flexo mal dort mit diskutieren anstatt andauernd hier rumzustänkern…

    was ich mich allerdings frage ist wie holger burner zu einer, von den vorträgen her, eher wertkritischen veranstaltung passt? da gibt es doch auch noch andere vielleicht passendere musiker

  3. 3 Chrisse 21. April 2008 um 10:34 Uhr

    Wie wäre es mit Tocotronic stattdessen?

  4. 4 ki23 22. April 2008 um 8:46 Uhr

    das wäre eine tolle sache allerdings fehlen uns zwei wichtige sachen:
    geld und der kontakt
    :-(

  5. 5 27. April 2008 um 18:03 Uhr

    holger burner wird nicht kommen…also hab dem mal geschrieben..

  6. 6 antifa.sozialbetrug 01. Mai 2008 um 11:25 Uhr
  7. 7 roterfreund 03. Mai 2008 um 14:13 Uhr

    kommt er oder doch nicht????:o

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