Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung

Der Kapitalismus ist ja angeblich die Beste aller Gesellschaften. Die es besser wissen, haben vermutlich zumindest schon einmal etwas von Karl Marx gehört. Ganz wesentlich ist dabei sein Werk „Das Kapital“ und die darin formulierte Kritik des Kapitalismus. Das Problem ist nur, das es sich dabei um viele tausend Seiten Text handelt und wer kauft schon die Katze im Sack. Doch hier kann geholfen werden. Von dem Politikwissenschaftler Michael Heinrich, der nebenbei auch an der Herausgabe der MEGA arbeitet, gibt es eine gelungene Einführung in die „Kritik der politischen Ökonomie“. Auf 230 Seiten liefert er eine fundierte und leicht lesbare Übersicht des Hauptwerkes von Karl Marx. Zugleich stellt er neue Lesearten der Marxschen Theorie vor, die sich von denen des klassischen Marxismus-Leninismus unterscheiden und neue Ansätze für das Verständnis und die Kritik des Kapitalismus liefern. Das Buch ist sowohl für Einsteiger in das Thema der Kapitalismuskritik geeignet, wie auch für den gestandenen Marxisten, der einer Neuaneignung des Werkes des Philosophen und Ökonomiekritkers Karl Marx aufgeschlossen gegenüber steht.

Nun ist es mit dem Lesen von Büchern so eine Sache. Die Auseinandersetzung für den Einzelnen mit dem Geschrieben ist eine Einbahnstraße und ein Nachfragen oder Debattieren über Thesen nicht möglich. An dieser Stelle will unser Seminarangebot einhaken. In Form einer Reihe wird auf Grundlage des Buches von Michael Heinrich ein Einführungsseminar über die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx stattfinden. Dabei soll es primär um ein gemeinsames Erschließen des Textes von Heinrich gehen, um auf diese Weise eine Grundlage für weiterführende Auseinandersetzungen mit der Marxschen Theorie zu schaffen.

Die Seminarreihe findet (fast) immer Mittwochs ab 18 Uhr im Rothaus Chemnitz statt und wird voraussichtlich 12 Wochen dauern.
Die genauen Termine: 2./ 9./ 23./ 30. April; 7./ 21./ 28. Mai; 4./ 18./ 25. Juni; 2./ 9. Juli

Folgende Themen werden dabei bearbeitet:

1. Kapitalismus und Marxismus
2. Der Gegenstand der Kritik der politischen Ökonomie
3. Wert, Arbeit, Geld
4. Kapital, Mehrwert und Ausbeutung
5. Der kapitalistische Produktionsprozess
6. Die Zirkulation des Kapitals
7. Profit, Durchschnittsprofit und das „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“
8. Zins, Kredi und „fiktives“ Kapital
9. Krise
10. Der Fetischismus der bürgerlichen Verhältnisse
11. Staat und Kapital
12. Kommunismus – Gesellschaft jenseits von Ware, Geld und Staat

Rothaus
Jugendbildungswerk e.V. – Homepage und Selbstdarstellung


8 Antworten auf “Kritik der politischen Ökonomie – Eine Einführung”


  1. 1 chris 27. März 2008 um 14:14 Uhr

    „Der Kapitalismus ist ja angeblich die Beste aller Gesellschaften. Die es besser wissen, haben vermutlich zumindest schon einmal etwas von Karl Marx gehört.“

    Hach ja, schöner Aufhänger. Gerade in Chemnitz alias Karl-Marx-Stadt haben bestimmt einige Leute, eben solche die es nicht besser wissen, noch nie etwas von ihm mitbekommen.
    Und das mit der „der Beste aller (!möglichen!) Gesellschaften (!Welten!)hat hier jemand auch nicht ganz richtig verstanden, denn damit ist nicht gemeint das den ganzen Tag die Sonne scheint und alle Menschen glücklich sind… Musste mal gesagt werden!

  2. 2 porth 27. März 2008 um 16:17 Uhr

    ne, aber das gebratene tauben für bissel kleingeld einfach so in den mund fliegen; das schon.

  3. 3 Henne 09. April 2008 um 19:07 Uhr

    „Der Kapitalismus ist ja angeblich die Beste aller Gesellschaften. Die es besser wissen, haben vermutlich zumindest schon einmal etwas von Karl Marx gehört.“

    „angeblich“, „vermutlich“, „zumindest“ und Karl Marx ja ja – Die alte Leier vom Kommunismus. Es haben schon viele gemeint, es besser zu wissen – das hat leider weltweit 95 Millionen Menschen das Leben gekostet. Keines dieser „Experimente“ weltweit hat menschlich oder wirtschaftlich funktioniert – bis heute. Man kann sich Gedanken über eine sozialere Form der Marktwirtschaft machen – Kommunismus und Nationalsozialismus gehören in die Tonne.

    Ich schließe mich der Aussage von chris an

  4. 4 pohrt 09. April 2008 um 22:33 Uhr

    kannste die opferzahlen mal etwas aufschlüsseln? sind das jetzt ns, staatskapitalismus, bauernmaoismus zusammen oder doch nur der rote terror? oder sind es alle opfer, von denen die es besser wußten?
    wieviele opfer haben denn die auf dem gewissen, die es nicht besser wußten oder eben gerade?
    du kannst dir ja gedanken über eine sozialere form der marktwirtschaft machen. wie willste das durchsetzen? mit gewalt? und gegen wen?
    a) die juden?
    b) die kapitalisten?
    c) die arbeiter?
    d) das ausland?
    e) alle?
    mmh, ziemlich am fragen…aber man kann sich gedanken machen und wenigstens schon mal keine experimente ausrufen. vielleicht klappts dann sogar menschlich

  5. 5 Henne 10. April 2008 um 11:57 Uhr

    Leider ist mein Voriger Beitrag doppelt erschienen – Tut mir leid

    @porth
    Die Zahlen stammen aus einem Dokument auf der Website des Europarats (http://assembly.coe.int//main.asp?link=http://assembly.coe.int/Documents/WorkingDocs/Doc05/EDOC10765.htm) und beinhalten die Opfer kommunistischer Regime die durch Hinrichtung, Deportation, Tod in kommunistischen KZs und durch Hungersnöte verursacht wurden – Eine grobe Aufschlüsselung findet sich auch dort. Der Europarat verabschiedete 2006 eine Resolution „Die Notwendigkeit der internationalen Verurteilung von Verbrechen totalitärer kommunistischer Regime“. Zahlenmäßig kursieren die unterschiedlichsten Angaben über die Opfer des Kommunismus – 60 bis über 100 Millionen. Es gibt keine präzisen Werte – das erscheint mir aber auch unerheblich – selbst 50 Millionen Tote in knapp 100 Jahren wären eine furchtbare Sache.

    Worauf ich hinauswill – Ich finde es ziemlich vermessen so zu tun als ob Karl Marx ein Geheimtipp für eine bessere und gerechtere Welt wäre. Vor genau 20 Jahren musste ich mir das in der Schule und danach in der Lehre noch reinziehen – nannte sich Staatsbürgerkunde und in der Lehre „Marxismus/ Leninismus“. Die Opferzahlen in DDR-Geschichte sind zum Glück nicht so hoch wie in Russland oder China doch es darf nicht in Vergessenheit geraten, dass 1989 schon detaillierte Pläne für Isolationslager existierten. Das Ende der DDR kam glücklicherweise schneller.

    Die Arbeitsbedingungen sind in unserem marktwirtschaftlichen System sehr viel besser, als Marx das je zu träumen wagte. Ich will auch nichts durchsetzen – schon gar nicht mit Gewalt. Verbesserungen auf demokratischem Wege! sind immer willkommen. Ich bin froh, dass ich in der heutigen Zeit studieren konnte – zu DDR Zeiten wurde es mir verwehrt. Ich bin gegen Auswüchse – Stichwort „Lidl“ – das darf nicht akzeptiert werden. Die Bespitzelung in der DDR war jedoch viel umfassender und krasser. Es ist hilfreich, das im Hinterkopf zu behalten und zu wissen, welche Methoden und welche Systeme man nicht mehr haben will.

    Ich kritisiere nicht die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Karl Marx Werken (auch wenn mein persönlicher Beschäftungsbedarf daran reichlich gedeckt ist :-) milde ausgedrückt) sondern, dass jedes Mal eine Ideologie daraus gemacht wurde.

  6. 6 ich 10. April 2008 um 13:36 Uhr

    es gehtt ja eben darum keine neue ideologie daraus zu machen sondern das ganze wertkritisch zu betrachten

    „Auf 230 Seiten liefert er eine fundierte und leicht lesbare Übersicht des Hauptwerkes von Karl Marx. Zugleich stellt er neue Lesearten der Marxschen Theorie vor, die sich von denen des klassischen Marxismus-Leninismus unterscheiden und neue Ansätze für das Verständnis und die Kritik des Kapitalismus liefern.“

  7. 7 abbas 10. April 2008 um 16:41 Uhr

    @ Henne, Chris oder wer auch immer

    Es haben schon viele gemeint, es besser zu wissen – das hat leider weltweit 95 Millionen Menschen das Leben gekostet.

    Es ist schon dreist, einem Lesekreis, der sich mit Marxens Werk und damit mit der bürgerlichen Gesellschaft kritisch auseinandersetzt, 95 Millionen (?) Tote als Einspruch gegen dieses Unternehmen vorzuhalten; so als ob man bei der Befassung mit Marx immer im Hinterkopf haben müsste, dass die zu einer blutigen Angelegenheit werden könnte. Selbst wenn die Rezipienten aus dem, was sie da gelesen haben, den Schluss ziehen, dieses System zugunsten einer Gesellschaft zu verändern, in der die Produktionsweise zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung eingerichtet ist – selbst dann ist dein Argument noch Unsinn, weil in diesem Vorhaben Hinrichtung, Deportation und Hungersnot einfach keine Programmpunkte sind. Und Millionen Tote sind wirst du aus diesem Vorhaben auch nicht ABLEITEN können.

    Keines dieser “Experimente” weltweit hat menschlich oder wirtschaftlich funktioniert – bis heute.

    Was soll das denn heißen, „menschlich oder wirtschaftlich nicht funktioniert“? Leg doch mal die Maßstab offen, die du hier an diese „Experimente“ anlegst!

    Worauf ich hinauswill – Ich finde es ziemlich vermessen so zu tun als ob Karl Marx ein Geheimtipp für eine bessere und gerechtere Welt wäre.

    In der Tat: SO zu tun, wäre vermessen. Bei Marx gibt es keine „Geheimtipps für eine bessere Welt“. Dafür eine Erklärung, wie die bürgeliche Gesellschaft funktioniert. Dass die bei ihm nicht besonders gut weg kommt, dürfte bekannt sein. Einen Gegenenmodell hat der Mann nicht entworfen. Das ist auch gar nicht notwendig, weil die richtigen Schlüsse aus seiner Kritik – hat man sie verstanden – kein Problem mehr darstellen dürften.

    Die Arbeitsbedingungen sind in unserem marktwirtschaftlichen System sehr viel besser, als Marx das je zu träumen wagte.

    Die Bespitzelung in der DDR war jedoch viel umfassender und krasser

    Das eine Sache im VERGLEICH zu einer anderen besser wegkommt, heißt noch lange nicht, das sie gut ist. Im Lichte einer schlimmen Sache, erscheint sogar der größste Scheiss als Sonnenschein. Solche Art von Vergleich sollte man sein lassen und stattdessen mal die Sache selbst beurteilen.

  8. 8 pohrt 11. April 2008 um 1:21 Uhr

    nur für heute nacht: hungersnöte? das ist ja wohl der witz (in der durchaus dreckigen form). ich wollte keine opferzahlen aufrechnen, weil das nazischeiss ist. aber ohne taschenrechner bekomm ich die hungertoten (die verhungert sind) des kapitalismus nicht zusammen. wer zählt denn zu opfern und von welcher „gesellschaft“
    „selbst 50 Millionen Tote in knapp 100 Jahren wären eine furchtbare Sache“. 10 millionen hungertote je jahr aktuell nach dem sieg des kapitalismus, durchaus in der sozialen form, zumindest hier, sind aber auch nicht zu verachten. aber darum gings ja nicht. nur darum, mal die absurdität der zahlen aufzuführen. he, aber das sind immerhin weniger als die 40000 je tag die einem zu ddr-zeiten weißgemacht wurden.
    aber darum geht es nicht. auch nicht darum das die isolationlager genau für die wende „geplant“ wurden und dann nicht zur anwendung kamen. damit zurück.
    wie soll es denn sozialer langgehen? willst du das in der fabrik durchstreiten? (oder ist es eher so ein idellees menschenrechtsding mit dem sich organisationen befassen sollen?) was ist wenn der kapitalist nein sagt? streiken? einfach paar aufs maul? das ist ein rechtsverstoss! recht garantiert dir den arbeitsvertrag und die niedrige lohnzahlung. und wenn der kapitalist nicht mitspielt und du hart bist? straße? blockade? der staat guckt sich das nicht lange an. im zweifelsfall wird der dir einfach nonchalant in den bauch schiessen. soviel zur gewalttätigkeit des sozialismus. denn der finanziert sich nur über das was du an steuern zahlst bzw. dein gegenüber. und von was hängt das ab? funktionierende wirtschaft wäre durchaus ein wichtiges beispiel. wenn der staat davon lebt das die wirtschaft funktioniert, was anderes sagen weder wirtschaft noch staat, dann sind soziale forderungen einfach nicht im sinn von dem staat. wieso auch. außer darin, wenn bei „besseren“ arbeitsbedingeungen mehr gearbeitet wird, mehr rauskommt. ganz kurz, weil es nacht ist: was der arbeiter verdient, kann der kapitalist nicht verdienen bzw. besser investieren. etwas länger: was dem kapitalisten seine kosten sind, sind dem arbeiter sein lohn (u.a.). der staat ist also von vornherein auf ein ruhiges hinterland angewiesen. was ist in dem zusammenhang sozial? was sind bessere arbeitsbedingungen? mal ganz abgesehen, das das über was wir uns hier unterhalten nur für hier gilt, gilt doch, dass bessere arbeitsbedingungen erstmal gar kein kein argument sind. temporär abgetrotzt in zeiten starker gewerkschaftlicher und kommunistischer organiserung und ständig umkämpft, wäre doch noch zu klären was besser wäre, in zeiten wo jede/r durchdreht, bzw. sozialer, in zeiten wo arbeitszwang trotz struktureller arbeitslosigkeit herrscht. was hast du denn gegen lidl als „auswuchs“? dafür hatte ich die fragen gestellt. was ist daran auswuchs? ich denke du meinst die kontrolle. es geht halt einfach nicht an, das irgendwelche beschäftigte sich nicht die gesamte bezahlte zeit bzw. nicht intensiv genug fürs unternehmen einsetzen. das ist schlecht für den standort! wenn die schon bezahlt werden sollen sie auch besser arbeiten. das sind variable kosten! also sozialere marktwirtschaft, also tariflohn zu sagen wir 8.89 eur. wenn du das riskierst, wandert lidl vielleicht ab (das sagen zumindest alle). willst du das, wenn nein, wer sagt nein bzw. macht nächsten tag den laden auf? na dann rufen wir doch nach dem staat, der macht das, aber das hatten wir schon.

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