desire squat resist | Bethanien meets reba84

Am 16. März eröffnet eine Ausstellung zum Bethanien. Das Ganze wird am 16. ab 18 Uhr mit einer kleinen Vernissage beginnen.

Berlin/Kreuzberg/Bethanien. Eine erfolgreiche Besetzung, eine verhinderte Privatisierung öffentlichen Eigentums, eine lange Tradition des Widerstandes.
Das ist die Ausstellung.

Das 1845 als Krankenhaus erbaute Bethanien in Berlin-Kreuzberg steht für eine lange Geschichte des gesellschaftlichen Widerstandes gegen Leerstand, Stadtumstrukturierung, Gesundheitspolitik und Privatisierung öffentlichen Eigentums. Ein breites Bündnis verhinderte in den 60ern den Teilabriss des Gebäudes. In den 70ern wurde ein Nebengebäude von Jugendlichen als erstes Haus in Berlin besetzt, und ebenfalls in den 70ern stritt das „Kampfkomittee Bethanien“ für die Einrichtung einer Kinderpoliklinik anstelle eines Künstlerhauses. Der Teilabriss wurde verhindert. Das besetzte Nebengebäude wurde legalisiert. Die Kinderpoliklinik konnte nicht durchgesetzt werden. So wurde aus dem Bethanien ein Künstlerhaus mit einigen sozialen Einrichtungen.

Ein Konzept für das ganze Haus wurde nie gefunden. Dies wurde zwar oft bedauert, aber zum wirklichen Problem wurde es erst als zwei Jahrzehnte neoliberaler Politik die Kommunen an den Rande des Ruins brachten. Das Bethanien war plötzlich „zu teuer“ und der Vorschlag der PolitikerInnen zur Lösung dieses Problems war, wie so oft, die Privatisierung. Diese erwies
sich aber in Kreuzberg mit seiner widerständigen Tradition als nicht so einfach. AnwohnerInnen und von Kündigung bedrohte soziale Einrichtungen des Bethanien begannen sich zu wehren. Als dann das Hausprojekt Yorck59, das gerade aus seinem Haus gewaltsam geräumt wurde, einen leerstehenden Teil des Bethanien besetzte und sich die aus AnwohnerInnen bestehende „IZB – Initiative Zukunft Bethanien“ solidarisierte, gerieten die „linken“ Bezirkspolitiker mehr und mehr in die Defensive. Da
konnten ihnen auch die etablierten, künstlerischen NutzerInnen des Bethanien, die sich ein reines, professionelles Künstlerhaus wünschten, mit ihren Diffamierungen in der Presse und ihren institutionellen Kontakten nicht helfen. Nach einem erfolgreichen BürgerInnenbegehren und angesichts einer bevorstehenden Bezirkswahl blieb den PolitikerInnen nichts anderes übrig als dem Kompromiss zuzustimmen, im Bethanien ein kulturelles, künstlerisches, soziales und politisches Zentrum zu errichten.

Die erste Etappe ist geschafft. Im besetzen Teil hat sich ein „Raum emanzipatorischer Projekte“ etabliert. Der Bezirksbürgermeister hat einen „Runden Tisch“ eingerichtet um das kulturelle, künstlerische, soziale und politische Zentrum Bethanien mit allen NutzerInnen und den AnwohnerInnen voranzubringen. Aber nicht alle PolitikerInnen und NutzerInnen des
Bethanien können mit den Begriffen selbstbestimmt und selbsverwaltet etwas anfangen. Die endgültige Entscheidung fällt am 27.02.08. Bisher scheint es, daß der besetzte Südflügel legalisiert wird, das Bethanien aber kein kulturelles, künstlerisches, soziales und politisches Zentrum wird. Anscheinend hat sich die etablierte Kunstfraktion durchgesetzt und eine Teilung in Kunst/Kultur im Hauptgebäude und Sozial/Politik im Südflügel erreicht.

Diese Geschichte wollen wir euch in der Ausstellung zeigen. Wie es weiter geht, unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiede und ob und was wir voneinander lernen können, würden wir gerne mit euch diskutieren.


2 Antworten auf “desire squat resist | Bethanien meets reba84”


  1. 1 weltzeituhr 03. März 2008 um 18:15 Uhr

    und das c.tannert ( der chef des „etablierten“ kunsthauses bethanien )
    einen guten ruf im kunst untergrund der ddr hatte und später im bethanien eine international beachtete leistung aufzuweisen in der lage war wird hier – neben der existenz einer guten druckerei – lässig weggelassen
    der streit um das bethanien kennt verschiedene sichtweisen
    und volxküche ist nicht alles

  1. 1 ein paar Termine im März | REITBAHNSTRASSE84 Pingback am 07. März 2008 um 20:20 Uhr
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