Ausländersein als Wert und Nicht-Wert – Podiumsdiskussion an der TU Chemnitz

Es fand eine Podiumsdiskussion, zur Thematik „Ausländische Studierende in Chemnitz“ Ende Januar (22.01.2008) an der TU Chemnitz (ebenfalls Veranstalter ) statt. Die offizielle Einladungsquestion aber hieß: „Wie können wir die Attraktivität des Standorts Chemnitz für ausländische Studierende erhöhen?“ und zeigt bereits, was sich an diesem Abend oftmals in den Vordergrund spielte, daß es neben den kleinen und großen Problemen von Ausländern auch um den Standort-Wert von Chemnitz ging. Der eigentliche Anlaß zur Zusammenkunft waren, wie Jens Fankhänel vom StuRa erst zum Ende des Abends klarstellte, die Berichte einiger ausländischer Studierender, wie sie den Eintritt in die Chemnitzer Diskotheken Brauclub und Starlight verwehrt bzw. nur unter Vorzeigen des STUDENTEN-Ausweises bekamen. Nachdem sogar die Freie Presse diese Berichte aufgriff, kam ein ganz kleines bißchen Bewegung in die Chemnitzer Security Szene (Brauclub-Besitzer Andre Donath kündigte demjenigen, der nachweislich dem ausländischen Studenten den Eintritt verweigerte). Im Starlight hingegen müssen Nicht-Deutsch-Aussehende und Andersfarbige zuerst die Studenten- ausweise, nicht etwa wegen des Alters (in dem Fall wäre der Personalausweis treffender), zeigen, sondern um ihre Bildungsherkunft bzw. ihren entsprechenden Aufenthaltsstatus erkennen zu lassen. Denn, so die offizielle Begründung, man ist am Einlaß bei nicht-deutschen Partygästen vorsichtig, weil v.a. die männlichen Gäste darunter schon durch aggressive Anmachversuche auffielen.

Aber diese Hintergründe, die der eigentliche Anlaß für die öffentliche Gesprächsrunde waren – wobei das Podium mit der Oberbürgermeisterin und dem Rektor der TU Klaus Jürgen Matthes, sowie der Prorektorin für Marketing und Internationale Beziehungen Cornelia Zanger so hochkarätig besetzt war – wurden die meiste Zeit verschwiegen. Zur Einleitung spielten Frau Prof. Zanger und Rektor Matthes in ihren Reden zur Standortverteidigung der TU Chemnitz im internationalen Wettbewerb ihre Rollen als Leiter der Hochschule als ein Unternehmen – was v.a. eine unternehmerische Logik in vielen Statements (auch bezüglich der ausländischen Studierenden) unterstrich: Wir brauchen den Internationalisierungsprozeß als Flair an unserer Hochschule und in unserer Stadt (Frau OB Ludwig: „Wir haben immerhin 30 000 Wohnungen leerstehen.“), sowie als Instrument, um im internationalem Ranken der Universitäten untereinander – um die besten Studenten und Doktoranden – nicht unterzugehen. (Vielleicht auch in anderer Reihenfolge: erst Ranking, dann Flair und lecker Essen: Der Rektor schwärmte von schmackhaften Gerichten im Club der Kulturen und in Shanghai.) „Also, Chemnitz braucht ausländische Studenten“, sagte der Rektor und dachte dabei anscheinend besonders an ihren Wert-Charakter, den sie – für ihn – ausstrahlen. Daß das eine unausgesprochene Ausgrenzung gegenüber Nicht-Akademischen-Ausländern bedeutete, blieb an diesem zwei-stündigem Abend einfach unberücksichtigt, denn das Podium hatte bis zu diesem Zeitpunkt größtenteils eine Standort-Push-Forward-Position eingenommen und vermied in diesem Zusammenhang Rechtsextremismus und Neonazis als Themen und Begriffe direkt in die Runde zu bringen, bis sich ein – so wie er sich schmunzelnd selbst nannte – „Bildungsinländer“ diese Begriffe v.a. von der Oberbürgermeisterin einforderte (da sie sie bisher nur schwammig andeutete).

Die Diskussion mit den Zuhörern pegelte sich erst nach einer Stunde auf die alltäglichen Probleme eines jeden Ausländers in Chemnitz ein und wandte sich danach allmählich ab von der Verbesserung kleiner alltäglicher Hürden ausländischer Studenten (z.B. mit der guten Idee, die Mensaessensmenüanzeige auch auf Englisch zu programmieren), hin zu strukturelleren Schwierigkeiten, wie allgemeines Gefühl der Nicht-Integration der Mehrheit unter den 6% Nicht-Deutschen an der Uni und solchen Widrigkeiten, wie z.B. Vergabe des Hauptwohnsitzes beim Ausländeramt der Stadt Chemnitz, sowie den hiesigen Neonazistrukturen (Backstreetnoise, Haller-Security beim Freie-Presse-Fest angestellt). Das waren stets Kommentare von Zuhörern.

Imaginär allerdings hing die ganze Zeit der Asylbewerber an der Beameraufhängung kopfüber, geknebelt von der Decke herunter, weil der Status des Asylbewerbers als Standortfaktor für Chemnitz wenig Gewinn verspricht. Schade, daß man an diesem Abend damit weitgehend mit der Einlaßpraxis im Starlight übereinstimmte: Nur Nicht-Deutsche, die Standort-Nutzen bringen bzw. nur Nicht-Deutsche, die sich – anscheinend – auf den sicheren Weg, hin zum Standort-Faktor begeben (hier ausländische Studierende), werden reingelassen.


1 Antwort auf “Ausländersein als Wert und Nicht-Wert – Podiumsdiskussion an der TU Chemnitz”


  1. 1 Anonymous 06. Mai 2008 um 23:14 Uhr

    :((

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