WE DON`T NEED NO EDUCATION – Gedanken zur „Alternativen Semesterauftaktparty“

Warum das Ganze? Wozu brauchen wir hier, in Campusnähe, noch eine dieser Semesterauftaktparties? Zugegeben, diese hier nennt sich “alternativ” und ist wahrscheinlich auch in irgendeiner Art und Weise eine Alternative zu jenen, welche in der Mensa stattfinden. Doch zielt sie nicht auf den selben Effekt? Wenn dem so wäre, würdet ihr diesen Zettel nicht in der Hand halten. Es gibt Einiges zu beklagen, vieles über das mensch sich empören sollte! Und genau das wollen wir tun.
Mensaparties, Werbestände (so genannte Infostände) im Eingangsbereich der Mensa, Studentenanwerbung durch mittelständische Unternehmen und große Konzerne in der Orangerie um nur Weniges zu benennen, sind allesamt Ausdruck des selben Prozesses: die Kommerzialisierung von öffentlichen Räumen. Ist es nicht die Universität, die der öffentliche Raum an sich ist? Stand nicht die “Freiheit von Lehre und Forschung” im Mittelpunkt des liberalen Denkens? Vom Staat ist diese wohl nicht abhängig, doch gerät die Universität zusehends in Abhängigkeit zur Wirtschaft. Drittmittel müssen beschafft werden, um den Universitätsbetrieb aufrecht zu erhalten, da sich Staat und Gesellschaft immer mehr dieser Verantwortung entziehen. Diplom und Magister wurden durch den Bachelor ersetzt, um die Kosten der Ausbildung zu minimieren und um die StudentInnen, welche wohl zur Zeit gerade noch Azubis genannt werden sollten, mehr im Praxisbereich zu “schulen“. Resultierend daraus können die akademischen Azubis reibungsloser in die freie Wirtschaft überführt werden und die staatlichen Kosten zur Garantie bestmöglicher (Aus-)Bildung gehen gegen Null. Die Ware Bildung soll möglichst unkritisch konsumiert werden und jede Art von reflexiver Kritik der Realitäten wird als utopischer, realitätsferner Unfug abgetan.
Was bleibt sind Fächer, die auf die freie Wirtschaft zugeschnitten sind. Geistes- und Sozialwissenschaften sind nur noch notwendig, um empirisch festzustellen, wie sich das Konsumverhalten innerhalb der Gesellschaft ändert. In anderen Fällen ist es für diese Studiengänge nahezu unmöglich, Drittmittel zu erwerben. Die Folgen sind oberflächliche Inhalte und (Unterrichts-)Stile, die denen des Primärschulsektors bedrohlich nahe kommen. Ein Leistungszwang ist augenscheinlich, der zusammen mit den Jobs, die jeder Studierende haben sollte, wenn er/sie sich über Wasser halten möchte, dazu führen, dass gesellschaftliches bzw. soziales Engagement nicht mehr möglich ist. Die Universität verkommt zu einer (autoritär) geführten Kaderschmiede für das Kapital. Somit wird die einzige Bastion, welche dem Kapitalismus noch in irgendeiner Art und Weise die Stirn bieten konnte, bis auf die Grundmauern dem Schicksal der Geschichte überlassen. Wenn das die guten Herren Locke, Kant und Humboldt wüssten.
STEHT AUF UND WEHRT EUCH GEGEN DIE VERUNGLIMPFUNG VON BILDUNG. SCHAFFT FREIRÄUME, IN DENEN DIE GESELLSCHAFT, DAS SYSTEM ODER WAS AUCH IMMER, NOCH KRITISCH ANALYSIERT WERDEN DÜRFEN, OHNE IM EINHEITSBREI DER SOGENANNTEN WISSENSCHAFTEN UNTERZUGEHEN. SCHAFFT EUCH GEHÖR BEI DOZENTEN UND KOMILITONINNEN. ES SIND NOCH NICHT ALLE KORRUMPIERT. SAY Y.E.A.H.; STAY Y.E.A.H.


4 Antworten auf “WE DON`T NEED NO EDUCATION – Gedanken zur „Alternativen Semesterauftaktparty“”


  1. 1 barbara ludwig 21. Oktober 2007 um 17:37 Uhr

    alternative semesterparty – coole sache
    kein eintritt billiges bier unbezahlte barkräfte freundschaftsmiete
    da kann die reitbahnstrasse ja den sonstigen kulturanbietern der stadt mal so richtig zeigen wo der hammer hängt
    ( wie wäre es denn mal mit einer 1 € party – das läuft im fuchsbau recht gut )

  2. 2 heidemarie lüth 22. Oktober 2007 um 13:03 Uhr

    Du hast ja ganz recht, Barbara, Kritik ist angebracht. Andererseits war das, was da am Freitag stattfand ganz zauberhaft. Die Leichtfüssigkeit der Tänzer, die gelöste Stimmung.
    Ich denke, man begeht einen fatalen Fehler bei der Annahme, hier müsste eine rigide geplante Kulturrevolution umgesetzt werden. Vielmehr gilt es, die Möglichkeiten absurder Konstellationen auszuschöpfen.
    Für was steht die Reitbahnstrasse? Ist sie ein besetztes Haus?
    Gibt es einen festen politischen Anspruch?
    Sie steht da mitten in der Stadt, um einen gewissen Eindruck bei Berufspendlern, Studenten und Passanten zu machen, ja, um einen kleinen Fuss in die Tür des konventionellen Lebens zu bekommen. Dass sie bereits im Establishment angekommen sei, ist einfach absurd. Der Grad der Organisationslosigkeit ist immens. 25 Bewohner leben unter lächerlichen Bedingungen. Dazu die kälte. Das ist politisch.
    Auch falsch ist die Annahme, dass der Freitag die Blaupause für kommende Parties wird. Es war lediglich die Idee, den neuen Deppen der Stadt das Ding vorzustellen. Wenn sie wiederkommen wär das schön.
    Die Reitbahnstrasse befindet sich in einem Selbstfindungsprozess und wuchert in alle Richtungen. Noch ist keinerlei Struktur zu erkennen, und das ist zunächst gut so. Auf der anderen Seite vertieft sich eine gewisse Anspruchslosigkeit und Beliebigkeit, die seine Gründe hat, die aber perspektivisch nicht zu akzeptieren ist. Die realpolitische Kungelei mit den Instanzen ist Ausdruck von Schwäche. Es müssen in der Tat wieder feste Tatsachen in die Welt gesetzt werden, die verdeutlichen, dass da drinnen lebendige Menschen sitzen. Mit ihren Bedürfnissen und Ansprüchen.
    In diesem Sinne: stay soft, sexy and velvet.
    heidemarie

  3. 3 barbara ludwig 24. Oktober 2007 um 11:41 Uhr

    nun ja es wird schon interessant sein zu beobachten ob die veranstaltung nicht eben doch eine blaupause für künftiges wird – es gibt ja künftig weiterhin partys, konzerte u.ä. und es steht zu befürchten das die dumping schiene weiter befahren wird. das wird alle pfennigfüchse und geiz ist geil enthusiasten erfreuen
    mit dem ertrag von moderaten eintritts und getränkepreisen könntet ihr ja möglicherweise eure lächerlichen wohnbedingungen und auch die kälte bekämpfen
    um spenden bitten und gleichzeitig einnahme möglichkeiten zu verschleudern ist schon etwas bizarr

  4. 4 mosafka 27. Oktober 2007 um 19:43 Uhr

    Hey? was ist denn das problem an bezahlbaren eintritten und getränken? ich denke konzerte und soli partys oder auch nur partys sollten kein problem für ein hausprojekt sein, mensch sollte dabei zwar den politischen anspruch nicht vergessen, jedoch ist auch das am ende eine entscheidung der bewohner. und wenn die niedriegen preise menschen anziehen die keine 3 euro für ein bier bezahlen wollen oder können dann ist das meiner meinung nach auch positiv, es sollte ja nicht darum gehen in dem haus eine elitäre kaderschmiede für irgendwelche pseudo revolutionären organisationen zu schaffen (hoffe ich).

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