Wir sind ungezogen – Sie finden uns jetzt in der Reitbahnstrasse 84

Wir haben einige Tage nichts von uns hören lassen. Diese Zeilen erreichen euch nun, wie mit den letzten Nachrichten beinahe zu vermuten war, aus der Reitbahnstrasse 84, dem ehemaligen „Kinderkaufhaus“ nahe der Chemnitzer Innenstadt. Dieses Objekt wurde uns während der Besetzung der Karl-Immermann Strasse 23 , von der Grundstücks- und Gebäudegesellschaft mbH als Ausweichobjekt angeboten. Ein weiterer Artikel berichtete von den darauf folgenden Vertragsverhandlungen. Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir vertragsrechtliche Nutzer des Gebäudes, mit der Option bis Mitte August vom Vertrag zurückzutreten. Wir haben also erstmal den Rücken frei, um über die Vertragsbedingungen und die Eignung des Hauses für unsere Zwecke zu reflektieren und zu diskutieren.

Abgesehen von unserer ästhetischen Vorliebe für Gründerzeithäuser (die Architektur der Reitbahnstraße 84 bezeichnet man gemeinhin als Stalinbau) und der Vorliebe für etwas Ruhe (das Haus steht in der Ecke zweier sich kreuzender Hauptverkehrsstrassen), sind wir mit den Räumen nicht unzufrieden: Insgesamt hat das Haus eine Fläche von 1190m², bis vor kurzer Zeit wurde es noch bewohnt, d.h. größere Sanierungsarbeiten würden uns erspart bleiben, wir gehen davon aus, dass bis zu zwanzig Leute hier wohnen könnten. Das Erdgeschoss und der 1.Stock bieten insgesamt große, von Säulen getragene Veranstaltungsflächen. Besonders geil: die 2,50m hohe und 40m lange Schaufensterfront.

Derzeit bleibt jedoch unsere Hauptsorge die Finanzierung: Neben der Übernahme der Grund- und Nebenkosten unsererseits, veranschlagt die GGG eine Miete von ca. 0,42 € pro Quadratmeter, von der die Gesellschaft bis Dato nicht abzubringen ist. Angedacht ist, die genannten Kosten teils durch die Bewohner, teils durch Fördermittel zu finanzieren, die Gespräche dafür sind bereits aufgenommen.

Wir sind im Moment damit beschäftigt, die unteren Räume als Wohn- und Kulturraum nutzbar zu machen. Man sieht uns also auf den Sperrmüllbergen dieser Stadt (ja, in Chemnitz gibt es noch Sperrmüllaktionen vor der Haustür) auf der Suche nach Schmuckstücken, die uns das Leben erleichtern und versüßen sollen (Matratzen, Möbel, Küchengeräte, etc.). Wenn auch unter diesen Umständen noch etwas mühsam, bereiten wir jeden Abend warmes Essen zu. Und neben den schon gelaufenen Veranstaltungen (Kino, Hörspiele, Konzerte, Disse) sind in diesem Monat noch weitere geplant. Was uns freut ist, dass das Projekt von sehr verschiedenen Leuten besucht und unterstützt wird. So treffen sich einige Jugendliche aus der Nachbarschaft regelmäßig im Haus und helfen wie es ihnen möglich ist. Selbst das studentische Publikum, von dem man bisher annahm, dass es den Chemnitzer Campus nicht verlässt, trifft es sich hier schon mal auf ein Bier und eine Partie Tischtennis.

Schließlich wollen wir uns wiederholt bei allen bedanken die uns durch Geld, Dinge, Sachkenntnis und Gute Laune unterstützt haben. Ohne diese Hilfe wäre vieles nicht möglich gewesen. Auch weiterhin sind wir auf die Hilfe von allen angewiesen, welche den gewonnenen Freiraum nutzen oder fördern möchten, um den Sinn dieses Projektes (Freiraum zu ermöglichen) gerecht zu werden.

Das neue Objekt am Bernsbachplatz/Reitbahnstrasse 84

Sofort nach der Übergabe des besetzten Objektes ki23/25 wurde das Gebäude „gesichert“


4 Antworten auf “Wir sind ungezogen – Sie finden uns jetzt in der Reitbahnstrasse 84”


  1. 1 geroyche 16. Juli 2007 um 17:52 Uhr

    500 Euro Miete für ein Objekt mit wir ihr selber sagt bis zu 20 Mietern.
    Wenn ich richtig zähle 240qm Grundfläche pro Etage, also 720qm bewohnbar.
    Macht 36qm für 25 Euro kalt pro Person und Monat.
    Ich finde das ja eine symbolische Miete die mehr also okay ist.
    Habt Ihr euch mit eurer „Unbequemheit“ sicher auch verdient, ich sag ja nur, da haben andere mit der GGG ganz anders zu kämpfen (gehabt).

    Wünsche jedenfalls Erfolg und finde dass ihr dort bleiben solltet.

  2. 2 Marcus 21. Juli 2007 um 16:43 Uhr

    Ich finds ok in der Reitbahnstraße – zumal so auch einige „Normalbürger“ auf den Trichter kommen können, ne alternative Veranstaltungsstädte zu besuchen, wie sie nun vorhanden ist.
    Unter diesem Link gibt’s was zum Hören

  3. 3 Manfred Millmann 24. September 2007 um 0:28 Uhr

    Ich finds auch gut, daß es so eine Initiative gibt. Im Westen wird so was nicht so unterstützt. Und wenn Ihr das Haus ganz energieautark machen wollt, meldet Euch Tel. 06062 266 944

  4. 4 SchlafloserTyp 25. Dezember 2007 um 20:10 Uhr

    Ach, hier sind ja gar keine Personen zu sehen? Is ja fast noch schizophrener… *g* Peace!

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