Pressemitteilung vom 28.06.2007

Pressemitteilung der Initiative Eberhard Weber vom 28.06.2007

Seit Mittwoch den 20.06.2007 besetzt die Initiative Eberhard Weber das Gebäude „Die Kämpfer_in“ in der Chemnitzer Karl-Immermann-Str. 23/25.
Die mittlerweile seit einer Woche andauernde Besetzung, welche anlässlich des Jugend Aktionstages erfolgte, hat zum Ziel selbstverwaltete kulturelle Freiräume in der Innenstadt zu schaffen. Dabei wird der Grundsatz des Wohnens und Wirkens verfolgt. In den letzten Tagen ereignete sich folgendes:

Dienstag, 26.06.07:
Verhandlungen mit der GGG und Besuch im Jugendhilfeausschuss

Die städtische Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft (GGG) duldete die derzeitige Besetzung bislang mit der Maßgabe eine schnelle Lösung zu finden. Da seitens der GGG Bedenken zum jetzigen Objekt existieren, wurden den Besetzer_innen alternative Vorschläge unterbreitet. Der bauliche Zustand und die Lage der ersten Alternativvorschläge entsprachen nicht dem Anliegen der Besetzer_innen, Wohnraum mit soziokulturellem Freiraum zu verbinden. Mittlerweile wurde ein weiteres Ausweichobjekt an der Reitbahnstrasse Ecke Gustav-Freytag-Str. angeboten, welches von den Besetzer_innen ernsthaft geprüft wird. Der Pressesprecher der GGG Stephan Reisz drohte der Initiative Eberhard Weber mit Räumung, wenn nicht bis Anfang nächster Woche der Umzug erfolgt. Klar ist das konservative Kreise in der Stadt, einer eskalierenden Situation in Form einer gewaltsamen Räumung nicht abgeneigt sind. Die Gruppe der Besetzer_innen betont ihre von Anfang an friedliche Ausrichtung und möchte diese auch fortführen. Weiterhin werden alle Entscheidungsfindungen basisdemokratisch getroffen und mit allen Unterstützer_innen diskutiert. Ein erster Vertragsentwurf steht zur Debatte. Das Zeitfenster für die Entscheidungsfindung von weniger als einer Woche ist aus diesen Gründen jedoch wesentlich zu kurz. Es ist politisch fraglich, ob die GGG eine kurzfristige Räumung überhaupt aussprechen kann, da die Linke und KPD Reprivatisierungsansprüche auf das Haus Karl-Immermann-Str. 23/25 erheben, welches ehemals die Druckerei der kommunistischen Tageszeitung „Der Kämpfer“ beherbergte. Außerdem befürwortet die Initiative Eberhard Weber eine breite politische Auseinandersetzung, da die GGG eine 100%ige Tochter der Stadt ist und nicht losgelöst von den politischen Entscheidungsträger_innen agieren kann. Aus diesem Grund laden wir die Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig ein uns kennen zu lernen. Auch über weiteren Besuch aus Verwaltung und Kommunalpolitik sowie interessierter Chemnitzerinnen und Chemnitzer freut sich die Gruppe der Besetzer_innen.

Einer Einladung zum städtischen Jugendhilfeausschuss folgte die Gruppe der Besetzer_innen am späten Dienstag Nachmittag. Dabei wurde deutlich, dass die Besetzung als konkreter Ausdruck von Zivilcourage begrüßt wurde und damit nachhaltig das Anliegen des Jugendaktionstages an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Die konkrete Unterstützung des Jugendhilfeausschusses wurde zugesichert.

Mittwoch, 27.06.07
Hausbesichtigung und Gespräch mit Stadträten und Bundestagsabgeordneten der SPD

Auf Einladung der GGG besuchte die Gruppe der Besetzer_innen das Ausweichobjekt am Bernsbachplatz (Ecke Reitbahnstrasse, Gustav-Freytag-Str.), das ehemalige Kinderkaufhaus. Dabei wurde ersichtlich, dass die GGG ein selbstverwaltetes Kultur- und Wohnprojekt grundsätzlich unterstützt und kooperationsbereit ist, jedoch den Standort Karl-Immermann-Str. 23/25 kritisch sieht. Die GGG möchte sanierten Wohnraum zum gehobenen Preis anbieten und sieht ihre Standortfaktoren durch „Die Kämpfer_in“ gefährdet. Warum dies auch nicht am Ausweichobjekt, wenige hundert Meter Luftlinie entfernt, so ist bleibt im Dunkeln? Den Besetzer_innen sowie der GGG dürfte jedoch klar sein, dass es sich bei dem Anliegen des Kultur- und Wohnprojektes um eine Bereicherung und Attraktivitätssteigerung des Stadtviertels handelt. Zumal ausweislich einer großen Werbetafel, seitens der GGG, studentisches Wohnen im Bereich der Karl-Immermann-Str. etabliert werden soll. Mit dem Ausweichobjekt Kinderkaufhaus verfolgt die Stadt eigene Ziele. Von einem Konzeptionsunternehmen aus Berlin, welches vom Stadtplanungsamt mit der Belebung des Reitbahnviertels beauftragt wurde erfuhr die Initiative Eberhard Weber, dass im Gebäude Ecke Reitbahnstrasse, Gustav-Freytag-Str. ein Jugendstadtteilcafe vorgesehen ist. Die Konzeptionsfirma trat bereits mit der GGG in Verhandlungen über das Objekt. Gegenwärtig beleben die Besetzer_innen bereits das Viertel, durch ihre selbstverwaltete Sozial- und Kulturarbeit und wollen dies auch weiterhin fortführen. Einer Instrumentalisierung seitens der GGG, als billige Werbemaßnahme zur Belebung eines Stadtteils wird jedoch eine Absage erteilt werden müssen. Echte Kulturarbeit statt inhaltsleere Imagekampagnen!

Am Abend erhielten die Besetzer_innen Besuch von Ulf Kallscheidt (SPD Stadtrat, Mitglied im Kulturbeirat und Mitbetreiber des Weltecho) und Detlef Müller (SPD Stadtrat und Mitglied des Bundestages). Nach Einschätzung der beiden Politiker erfolgte die Besetzung zu einem günstigen Zeitpunkt: Abwanderung, Überalterung sowie fehlende Angebote für Jugendliche setzen die Kommunalpolitik unter Zugzwang. Anlässlich der Diskussion konkreter Konzepte äußerte sich Ulf Kallscheidt mit den Worten: „Macht es groß!“. Weiterhin sicherten die SPD Politiker ihre Unterstützung für das Vorhaben zu.

Danach fand eine Industrial Noiseperformance junger Chemnitzer Künstler statt.

Ausblick Donnerstag, 28.06.07
Eine Woche Besetzung und Eröffnung der ständigen Ausstellung „Die Kämpfer_in“

Anlässlich der einwöchigen Besetzung des Hauses Karl-Immermann-Str. 23/25 wird heute der erste Teil der ständigen Ausstellung „Die Kämpfer_in im Spiegel der Jahrzehnte“ eröffnet. Die Geschichte des Hauses soll recherchiert und dokumentiert werden. Zu diesem Thema besuchten uns bereits interessierte Chemnitzerinnen und Chemnitzer und teilten uns ihre Kenntnisse der Lokalgeschichte mit. Das Vorhaben über die Geschichte des Hauses zu informieren stieß auf große Zustimmung. Eine Veranstaltung zum Thema mit dem VVN BdA und der Rosa Luxemburg Stiftung ist in Planung und wird vorbereitet.
Am Abend wird ein Film zur Geschichte der Hausbesetzer_innen-Bewegung gezeigt und vegetarische VoKü zubereitet.





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