Freie Presse Samstag, den 23. Juni 2007

Stadt fordert klare Konzepte

Erste Reaktionen auf Aktionstag und Hausbesetzung

Für einen während des Aktionstages in dieser Woche von Jugendlichen geforderten Jugend-Stadtteil bedürfe es eines „klar formulierten Konzeptes seitens der Jugendlichen“. Mit dieser Aussage nahm gestern der Pressesprecher Andreas Bochmann im Namen der Stadtverwaltung Stellung zu den öffentlich bekundeten Forderungen der Chemnitzer Jugendlichen nach mehr politischer Mitbestimmung. „Die Stadt tut bereits das, was gesetzlich möglich ist“, so Bochmann. Aus einer Demonstration könne keine Verwaltungsvorlage entstehen, sagte er.
Auf einer politischen Kundgebung auf dem Neumarkt hatten Anhänger des veranstaltenden Aktionsbündnisses „Junges Chemnitz“ am Mittwoch vor allem für einen Jugend-Stadtteil und mehr Mitbestimmung plädiert. Die parteilose Landtagsabgeordnete Freya-Maria Klinger hatte die Verwaltung aufgefordert, sich zu „bewegen“, wenn sie in der Jugend ihre Zukunft sehe. „Frau Klinger hat leider ihr Stadtratsmandat niedergelegt“, bedauerte Bochmann. „Ich denke aber, dass sie in jedem Gremium herzlich zur Mitarbeit eingeladen ist, um die Situation zu verändern.“
Zum Vorwurf eines Mitgliedes des Studentenrates der TU, der Stadt fehle eine Studenten-Szene, da beispielsweise öffentliche Nahverkehrsmittel nur bis Mitternacht verkehren würden, schlug Bochmann vor, „die Studenten zu fragen, wieso sie keine Szene bilden“. Überdies sei er, Bochmann, in seiner Jugend als „Rock-‘n'-Roller“ deutlich weiter gelaufen als von der Innenstadt zum Campus.
Während des Jugend-Aktionstages besetzte am Mittwoch eine Gruppe Jugendlicher, die sich „Initiative Eberhard Weber“ nennt, die ehemalige Gedenkstätte „Der Kämpfer“ an der Karl-Immermann-Straße 23/25. Die offene Besetzung sei „Ausdruck jahrelangen, teils fruchtlos gebliebenen Engagements derer, die Chemnitz noch bis auf weiteres treu bleiben wollen“, wie es in einer Erklärung der Initiative heißt, die der „Freien Presse“ vorliegt. Man wolle mit der Besetzung versuchen, „notwendige Diskussionen zur massenhaften Abwanderung junger Menschen“ anzuregen.
Die Verwalterin des Gebäudes, die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts GmbH (GGG), prüfe derzeit die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine weitere Nutzung des Objektes, das sich „in einem komplizierten Reprivatisierungsverfahren“ befinde, wie GGG-Sprecher Stefan Reisz gestern mitteilte. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen teilte derweil ihre „Unterstützung für den gewaltfreien Protest junger Menschen“ mit.
Am Sonntag wollen die Besetzer für die Anwohner der Karl-Immermann-Straße einen Kuchenbasar organisieren. „Wir bemühen uns um guten Kontakt“, hieß es. (TORE)





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